Wen streicht Polzin? Die Startelf- und Kader-Tendenzen beim HSV
Der Wind wehte den HSV-Profis um die Ohren, als Merlin Polzin sie am Freitagvormittag zum Abschlusstraining bat. Den letzten Feinschliff für das Heimspiel gegen den 1. FC Köln holten sie sich nach dem Aufwärmen im geschützten Volksparkstadion. Genau dort steigt am Samstagabend (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) das Duell mit dem „Effzeh“. Aber wer steht in der Startelf? Und wer sitzt auf der Bank? Es gibt einige Tendenzen.
Es ist gut möglich, dass Albert Grønbæk erstmals Teil des Spieltagsaufgebots sein wird. Der genesene Däne zog in dieser Woche das komplette Trainingsprogramm durch und könnte den Kaderplatz seines verletzten Landsmanns Yussuf Poulsen (Muskelfaserriss im Oberschenkel) einnehmen. Polzin hatte bereits am Donnerstag über Grønbæk gesagt: „Wenn ich in Absprache mit der medizinischen Abteilung das Gefühl habe, er kann spielen, wäre er eine Option.“ So dürfte es kommen. Und das hieße, dass Polzin einen anderen eigentlich gesunden Profi streichen muss.
Philippe, Baldé, Grønbæk: Wer schafft‘s ins HSV-Aufgebot?
Beim 1:2 in Wolfsburg erwischte es Rayan Philippe, dessen Leistungen die Trainer zuletzt bemängelt hatten und die bestraft wurden: Der Franzose fehlte erstmals aus sportlichen Gründen im Aufgebot. Sollte Polzin Philippes Reaktion in den dieswöchigen Einheiten gefallen haben, würde der Ex-Braunschweiger gegen Köln vermutlich auf die Bank zurückkehren. Dann hätte wohl ein anderer offensiver Flügelspieler wie Fabio Baldé das Nachsehen. Otto Stange, der die Außenbahn mit seinem Tempo ebenfalls gut bespielen kann, sollte seinen Platz sicher haben. Erwartbar ist auch, dass Noah Katterbach trotz Teilnahme am Abschlusstraining zum wiederholten Male unberücksichtigt bleibt.

Bei Nicolás Capaldo wird die Zeit nach seiner Bauchmuskelverletzung vermutlich nicht reichen. Ein erneuter Ausfall würde nicht überraschen. Polzin hatte sich auf der Pressekonferenz zwar eine Hintertür für das Comeback des Argentiniers offen gelassen. In der Abwehr-Dreierkette duellieren sich aber wohl eher Daniel Elfadli und Warmed Omari um den Startelfplatz auf der halbrechten Seite. Beide zeigten zuletzt teils wacklige Leistungen, der jüngste Eindruck aus Wolfsburg spricht jedoch für Omari – weil Elfadli den Elfmeter des VfL verschuldete und zur Pause Gelb-Rot-gefährdet ausgewechselt wurde. Links ist Jordan Torunarigha als Nebenmann von Luka Vuskovic gesetzt.
Vieira kehrt wohl zurück – mit Folgen für Dompé oder Otele
Im Mittelfeldzentrum werden erneut Nicolai Remberg und Albert Sambi Lokonga beginnen, so viel ließ Polzin am Donnerstag durchblicken: „An dieser Kombination gibt es wenig auszusetzen. Und es ist kein Geheimnis, dass die beiden da aller Voraussicht nach spielen werden.“ Das hieße dann aber, dass für den gesundheitlich wieder ganz fitten Fábio Vieira eine neue Position gefunden werden muss – es bietet sich die im offensiven rechten Halbraum an, die der Portugiese längst kennt und schon oft besetzt hat. „Fábio hat bei uns auch schon auf dieser Position gespielt, das ist auch kein Geheimnis“, sagte Polzin, der dann allerdings eine andere Frage beantworten muss.
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Sie lautet: Jean-Luc Dompé oder Philip Otele, wer startet auf dem linken Flügel? Der Franzose und der Nigerianer hatten in Wolfsburg erstmals Seite an Seite in der Startelf gestanden, durch Vieiras Rückkehr droht einem jetzt aber die Bank. Für Otele sprechen seine läuferischen Vorteile, die gegen Köln entscheidend sein könnten. Für Dompé wiederum spricht, dass er durch seinen Siegtreffer gegen den VfL neues Selbstvertrauen nach schwierigen Wochen getankt hat. „Das spielt natürlich eine Rolle“, bestätigte Polzin und erläuterte: „Jean-Luc ist ein schönes Beispiel, wie viel Verantwortung der Junge übernehmen will, um der Mannschaft zu helfen. Das hat er getan. Da habe ich mich sehr für ihn und für uns gefreut. Und jetzt gucken wir, was am besten zum Gegner und unserer Art und Weise passt.“ Womöglich passt Otele besser zu Köln und zur HSV-Idee. Noch aber pokert Polzin – auf mehreren Ebenen.
Die mögliche HSV-Aufstellung: Heuer Fernandes – Omari, Vuskovic, Torunarigha – Mikelbrencis, Remberg, Sambi Lokonga, Muheim – Vieira, Königsdörffer, Otele
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