Weil er einen Wechsel anstrebt? HSV-Held trennt sich von seinem Berater

Robert Glatzel und Jonas Meffert gehen die HSV-Treppe runter
Leader in Zweitliga-Zeiten, Ersatzspieler nach dem Aufstieg: Robert Glatzel (l.) und Jonas Meffert geben sich professionell – und nachdenklich.

Allmählich ruckelt es sich zusammen. Nach dem XXL-Umbruch des Sommers (zwölf Neue, 17 Abgänge) kristallisiert sich ein neues HSV-Gerüst heraus, das den Fans Mut macht und mit dem sie sich identifizieren können. Dem kleinen Zwischenspurt mit vier Punkten aus den Partien gegen Heidenheim (2:1) und bei Union Berlin (0:0) wollen die Profis am Sonntag gegen Mainz weitere Zähler folgen lassen. Sportlich zeigt der Pfeil nach oben. Und dennoch: Längst nicht alle Spieler sind mit ihrer Situation zufrieden – insbesondere einige Aufstiegshelden schieben Frust. Möglich, dass das schon im Winter zu weiteren prominenten Abgängen führt.

Die Bilder der rauschhaften Aufstiegsfeiern aus dem Mai sind noch allgegenwärtig. Jubelnde HSV-Profis, bewaffnet mit Sonnenbrillen, Fischerhüten und kühlen Getränken, tanzten durch die Straßen Hamburgs, ließen sich von fast 100.000 Fans feiern. Die unbändige Freude über das Erreichte stand ihnen ins Gesicht geschrieben – eine Nacht, die in die Vereinsgeschichte eingegangen ist. Doch mit dem aktuellen Antlitz des HSV haben diese Schnappschüsse nur wenig zu tun.

HSV-Aufstiegshelden haben es in der Bundesliga schwer

Schnell wurde im Sommer klar, dass der HSV neue Wege gehen will, um im Abstiegskampf zu bestehen. Die Folge: Mit Daniel Heuer Fernandes, Miro Muheim, Daniel Elfadli, Jean-Luc Dompé und Ransford Königsdörffer spielen nur noch fünf der Aufstiegshelden regelmäßig. Der Rest hat den Verein verlassen oder muss sich mit einer Reservistenrolle abfinden. Besonders hart trifft es jene, die jahrelang am Aufstieg arbeiteten und die Mannschaft führten – allen voran Jonas Meffert und Robert Glatzel.

Das Duo wechselte 2021 in den Volkspark und war seither unverzichtbar. Meffert absolvierte bis zum Aufstieg 126 von 136 möglichen Zweitligapartien, Glatzel traf in drei Jahren 73-mal in 113 Spielen. Beeindruckende Zahlen, die ihre Bedeutung unterstreichen. Die Gegenwart aber ist ernüchternd: Glatzel kam bislang nur auf drei Kurzeinsätze, weil Trainer Merlin Polzin auf den schnelleren Königsdörffer setzt. Mit der nahenden Rückkehr von Kapitän Yussuf Poulsen wird die Konkurrenz noch größer.

Noch schwieriger ist die Lage für Meffert. Nach einem kurzen Joker-Einsatz in Gladbach (0:0) und der zweiten Halbzeit beim 0:5 in München wurde er in den letzten Partien gar nicht mehr berücksichtigt. Mit Nicolai Remberg, Nicolás Capaldo und Albert Sambi Lokonga stehen gleich drei Mittelfeldspieler vor ihm. Für einen Profi, der jahrelang unumstritten war, ist das ein harter Schlag.

Robert Glatzel könnte den HSV ins Ausland verlassen

Klar, dass beide mit der Situation unzufrieden sind. Dennoch entschieden sie sich im Sommer für den Verbleib. Nach all den Mühen wollten sie das Abenteuer Bundesliga nicht verpassen, auch wenn sie spürten, dass es für sie schwieriger werden würde. In wenigen Monaten aber könnten die Karten neu gemischt werden.

Im Mai feierten Jonas Meffert und Robert Glatzel gemeinsam auf einem Aufstiegs-Truck.
Im Mai feierten Jonas Meffert und Robert Glatzel gemeinsam auf einem Aufstiegs-Truck.

Ein Indiz dafür lieferte Glatzel kürzlich selbst: Der Stürmer trennte sich überraschend von seiner Beratungsagentur „Sports360“. Sein bisheriger Agent Sascha Breese hatte ihm mehrfach lukrative Bundesliga-Angebote vorgelegt, die Glatzel ablehnte – verbunden mit Vertragsverbesserungen beim HSV. 2022 und 2023 ließ er sich sein Bleiben jeweils durch Modifizierungen versüßen, sein Gehalt soll sich so von 600.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro verdoppelt haben. Und Glatzel zahlte zurück, indem er zuverlässig traf. Nun die Trennung, die sehr stilvoll abgelaufen sein soll. Dennoch ist es ein Schritt, den Profis oft gehen, wenn sie eine Veränderung planen.

Noch hat Glatzel keinen neuen Berater. Doch schon im Sommer ließ er durchblicken, dass ihn ein Auslandsengagement reizen würde: „Wenn ich es mir aussuchen kann, würde ich so eine Erfahrung gerne mitnehmen.“ Möglich, dass er sich diesen Wunsch im Winter erfüllt – sollte sich seine Perspektive nicht ändern. Die Erfahrung bei Cardiff City von 2019 bis 2021 hat ihn geprägt, und die Sehnsucht nach einer neuen Herausforderung ist geblieben.

Auch HSV-Leader Meffert könnte einen Wechsel erwägen

Auch Meffert könnte ins Grübeln geraten. Er genießt im Verein hohes Ansehen, ist Vize-Kapitän und Teil der „Leadership Group“ – einer Runde von Führungsspielern, die mit den Verantwortlichen regelmäßig Themen des Kaders bespricht. Doch Status und Titel lindern den Frust über fehlende Einsatzzeiten kaum. Besonders spannend wäre die Situation, sollte Ex-HSV-Trainer Tim Walter bald einen neuen Klub übernehmen. Walter wollte Meffert schon im Sommer 2024 zu Hull City lotsen, scheiterte damals an der Ablöse. Findet er nun andernorts einen Job, könnte er erneut auf seinen früheren Mittelfeldmotor zurückgreifen wollen.

Glatzel und Meffert – zwei Aufstiegshelden, die ins zweite Glied gedrängt wurden und in einem Alter sind, in dem sie an ihre Zukunft denken müssen. So wie Sebastian Schonlau, der die Reißleine zog und nach Vancouver wechselte. Andere, wie Bakery Jatta oder Silvan Hefti, verzichteten auf einen Wechsel, haben aber kaum Einsatzchancen.

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Im Mai ließen sie sich alle noch von 100.000 Fans feiern. Schöne Erinnerungen – doch der Fußball ist verdammt schnelllebig. Auch im Erfolg.