„Was die zaubern können“: HSV-Profi erklärt die Transfer-Wahrheit

Shafiq Nandja, Luka Vuskovic, Nicolai Remberg und Nicolás Capaldo stehen vor der Nordtribüne
Luka Vuskovic (2.v.l.), Nicolai Remberg (2.v.r.) und Nicolás Capaldo (r.) kamen im vergangenen Sommer zum HSV.

Auch Nicolai Remberg kam kaum heraus aus dem Schwärmen über Luka Vuskovic. „Dem Jungen gönne ich die größte Weltkarriere, die es nur gibt“, sagte der HSV-Mittelfeldmann nach dem 3:2 gegen den SC Freiburg und legte noch einen drauf: „Das wird einer der besten Mitspieler bleiben, mit denen ich je zusammenspielen werde.“ Remberg ahnt, dass Vuskovic ihm bald „unfassbar fehlen“ wird, „auch als Mensch“. Der Kroate steht vor der Rückkehr nach Tottenham. Das ist aber nur ein Teil der Transfer-Wahrheit, die am Sonntag diskutiert wurde.

Nachdem er die Fans explizit gelobt und seine Freude über einen „krönenden und tollen Abschluss“ vor heimischem Publikum ausgesprochen hatte, kam Remberg am Sonntag auf das große Ganze zu sprechen. Der 25-Jährige betitelte es als „unglaublich“, welche Saison der HSV als Aufsteiger gespielt habe. Einen wichtigen Aspekt ließ er dabei aber nicht außer Acht: „Natürlich haben uns auch ein paar Leihspieler dahin gebracht. Am Ende muss man auch den Spielern Respekt zollen, die ausgeliehen sind und sich so reinwerfen für den Verein.“

Vuskovic und Vieira waren die größten Unterschiedsspieler

Zuvorderst ist hier natürlich Vuskovic zu nennen. Dass der 19-Jährige das Spiel des HSV „auf ein ganz anderes Niveau hebt“, wie es Remberg beschrieb, war gegen Freiburg zum vorletzten Mal in dieser Saison zu bestaunen. Aber auch Arsenal-Leihgabe Fábio Vieira, der zweimal den Pfosten getroffen hatte, wurde bei seiner Auswechslung mit stehenden Ovationen bedacht. Der Portugiese zählte wie Vuskovic zu den Unterschiedsspielern der kompletten HSV‑Saison.

Albert Grønbæk kam erst im Winter von Stade Rennes und hatte zunächst Verletzungspech – auch an den Dänen dachte Remberg aber, als er die ausgeliehenen Profis hervorhob. Grønbæk war im Endspurt ein zentraler Faktor für den gesicherten Klassenerhalt.

HSV-Profi Luka Vuskovic feiert sein Tor zum 2:1 gegen Freiburg.
Ein Tag, den er nie vergessen wird: Luka Vuskovic verabschiedete sich mit einem Tor und einem Sieg aus dem Volkspark.

Ein Verbleib des 24-Jährigen über den Sommer hinaus gilt als realistisch – zumindest realistischer als eine HSV-Zukunft von Vieira, von dem es zumindest positive Signale gibt, und Vuskovic, bei dem das nahezu ausgeschlossen ist. Claus Costa wird mindestens einen der diesjährigen X-Faktoren ersetzen müssen. Remberg ist aber optimistisch, dass dem Sportdirektor dies in Zusammenarbeit mit dem Scouting-Team gelingen wird. „Man hat gesehen, was die zaubern können“, erinnerte der Abräumer an den vergangenen Transfer-Sommer. „Was die an Spielern bekommen, wo man nicht vorher mit gerechnet hätte.“

Sambi Lokonga, Capaldo und Remberg bleiben HSV-Säulen

Auch Albert Sambi Lokonga ist dieser Kategorie zuzuordnen. Der Belgier kam Ende August, kurz vor der Wechselfrist, für einen Schnäppchenpreis vom FC Arsenal und überzeugte schnell. Fast immer, wenn er auf dem Platz fehlte, fehlte es in Merlin Polzins Mannschaft an Struktur, Kompaktheit und dem passenden Spielrhythmus. Und das Gute für den HSV ist: Sambi Lokonga steht auch nach dem 30. Juni im Volkspark unter Vertrag. Bei Basel-Leihgabe Philip Otele, für den es eine Kaufoption in Höhe von rund fünf Millionen Euro gibt, ist dies noch unklar. Damion Downs (FC Southampton) und Giorgi Gocholeishvili (Schachter Donzek) werden zu ihren Stammklubs zurückkehren.

Die HSV-Profis feiern das 1:0 des HSV von Bakery Jatta.
Die HSV-Profis um Fábio Vieira (2.v.r.) und Nicolás Capaldo (r.) hatten gegen Freiburg viel Grund zum Jubeln.

In Jordan Torunarigha, Nicolás Capaldo und Remberg sollen neben Sambi Lokonga drei weitere Neuzugänge aus dem Vorjahressommer prägende Gesichter des Teams bleiben. Hinzu kommen, auch wenn beide im Laufe der Saison mit Formschwankungen zu kämpfen hatten, Warmed Omari sowie wohl auch Rayan Philippe. Und bei allem Schmerz über den Abgang von Luka Vuskovic vergaß Remberg am Sonntag dessen Bruder nicht: „Mario wird im Herbst auch wieder kommen.“ Aus den Erzählungen seiner Kollegen wisse er, dass der ältere Vuskovic-Bruder „ein unglaublicher Spieler“ sei. Wie schnell der noch wegen EPO-Dopings gesperrte Abwehrmann dem HSV wieder wird helfen können, ist noch völlig offen. Klar ist, dass die ersten Monate der neuen Saison noch ohne ihn absolviert werden müssen.

„Ist deren Job“: Vertrauen in die Kaderplaner um Costa

Remberg hat aber keine Zweifel, dass der Kader auch ohne einen Vuskovic wieder stark genug sein wird, um in der Bundesliga sofort mithalten zu können. Mit Blick auf Costa und Co. sagte der Ex-Kieler: „Ich mache mir überhaupt keinen Kopf, dass sie etwas Tolles zusammenstellen werden. Das ist deren Job.“ Und den haben die Transferchefs, so viel lässt sich jetzt endgültig sagen, bereits nach dem Aufstieg hervorragend erledigt. Der nie ernsthaft gefährdete Klassenerhalt ist auch ein Verdienst der Verantwortlichen um Costa. Ohne die cleveren Last-minute-Leihdeals wäre das Saisonziel womöglich nicht erreicht worden. Zumindest nicht so früh.

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„Ich habe es ein-, zweimal mitbekommen, dass gesagt wurde: ‚Ohne Vuskovic hat der HSV keine Bundesliga-Qualität.‘ Das würde ich nicht so sagen“, stellte Remberg einerseits klar. Andererseits gab er zu: „Die Qualität, die Luka hat, hat halt einfach keiner. So ehrlich muss man sein.“ Vuskovic‘ Abwesenheiten in Stuttgart (0:4), in Bremen (1:3) und gegen Hoffenheim (1:2) trafen den HSV hart. Remberg hob nach dem Sieg gegen Freiburg aber noch etwas anderes hervor: „Wenn mal jemand ausgefallen ist und Jungs reinkamen, die vorher nicht unbedingt gestartet haben, haben die auch auf dem Level performt. Das hast du tagtäglich im Training gesehen, wie sich jeder reingehauen hat.“

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Der mannschaftsinterne Zusammenhalt, das Einstehen des einen Profis für den anderen habe „im Gesamten einfach den Unterschied“ ausgemacht, erklärte Remberg und schloss: „Es gab so viele tolle Momente in dieser Saison.“ Die meisten davon hingen nicht zuletzt mit der gelungenen Transfer-Arbeit im vergangenen Sommer zusammen. Aber die Wahrheit ist auch: In den kommenden Wochen wird sich der HSV davon nicht mehr viel kaufen können. Es stehen neue Kader-Entscheidungen an – mindestens genauso wichtige wie vor einem Jahr. Polzin aber versprach am frühen Sonntagabend: „Es muss sich keiner Sorgen machen, dass wir nächste Saison nicht bereit sind für das, was auf uns wartet.“