War sich der HSV schon zu sicher? Klartext von Stefan Effenberg
Betrachtet man die Platzierungen der jeweils vier letzten Gegner und addiert sie miteinander, erhält unter allen Kellerkindern (Rang 11 bis 18) nur Werder eine niedrigere Summe und hat somit ein auf dem Papier noch schwereres Restprogramm (Stuttgart, Augsburg, Hoffenheim, Dortmund) als der HSV. Hamburg misst sich im Saisonfinale noch mit den Vereinen auf den Plätzen fünf (Hoffenheim), acht (Frankfurt), sieben (Freiburg) und sechs (Leverkusen). Es droht ein weiteres Abrutschen im Tableau. Das momentane Tabellenbild ist mit fünf Zählern Vorsprung auf Position 16 und den FC St. Pauli nicht dramatisch, hätte aber auch längst besser sein können. War sich der HSV zu sicher?
Zusammenfassung:
- Werder hat ein schwereres Restprogramm als der HSV.
- Der HSV misst sich im Saisonfinale mit den Plätzen 5 bis 8.
- Effenberg sieht die HSV-Situation nicht überdramatisiert.
Geht es nach Stefan Effenberg, ist diese plakative Frage klar zu beantworten – mit einem Nein. „Das tust du nicht als Aufsteiger. Das tust du nicht, wenn du genau weißt, dass es vom ersten bis zum letzten Spieltag nur gegen den Abstieg geht“, sagte der Sport1-Experte am Sonntag im „Doppelpass“ und stellte mit Blick auf die Spieler und Trainer des HSV klar: „Sie haben sich nicht zu sicher gefühlt.“
Effenberg will die HSV-Situation nicht überdramatisieren
Ja, die Mannschaft von Merlin Polzin stecke spätestens seit dem 1:3 im Nordderby in einer „schwierigen Phase“, befand Effenberg. „Aber der HSV und alle Verantwortlichen wussten: Es geht bis zum letzten Spieltag nur darum, 16. oder 15. zu werden.“ Und deshalb will er die aktuelle Situation rund um den Volkspark nicht überdramatisieren. Als gebürtiger Hamburger hat Effenberg den HSV fest im Auge und scheint sich trotz zuletzt nur eines Sieges aus den vergangenen neun Bundesligapartien nicht die allergrößten Sorgen zu machen. Klartext spricht der 57-Jährige ohnehin immer, und nimmt dabei auch keine Rücksicht auf irgendwelche Klubs.

Werder Bremen zum Beispiel sei ihm „egal“, hatte Effenberg im Januar zunächst gesagt, ehe er live im TV zurückruderte. Damals war noch Horst Steffen der Chefcoach des SVW. Anfang Februar übernahm dann Daniel Thioune – und am Samstag führte der 51-Jährige seine Mannschaft zum Heimsieg über den HSV. „Dieses Spiel war aufgrund der Geschichte, Nordderby und so weiter, enorm wichtig für Werder Bremen“, wusste Effenberg und lobte: „Ich finde, dass Daniel Thioune insgesamt einen guten Job macht. Er hat die richtige Ansprache und erreicht die Spieler – sonst spielst du so ein Spiel auch nicht so, wie sie es (gegen den HSV; d. Red.) gespielt haben.“
Heuer Fernandes nach Derbypleite: „Ein harter Schlag“
Bevor Thioune zum 21. Spieltag an der Weser übernahm, standen Werder und der HSV in der Tabelle jeweils bei 19 Zählern. Jetzt, nach dem Derby und vier Partien vor dem Saisonende, sind sie wieder punktgleich. Und auch der 1. FC Köln sowie Borussia Mönchengladbach stehen seit dem Wochenende bei 31 Zählern. Der Endspurt im Klassenkampf verspricht spannend zu bleiben. Behält der HSV die Nerven? „Es war ein harter Schlag“, sagte Daniel Heuer Fernandes im Weserstadion. „Aber jeder, der uns kennt, weiß, dass wir weitermachen werden.“

Effenberg ist ein großer Fan von Heuer Fernandes’ Torwartspiel und brachte den Deutsch-Portugiesen zuletzt sogar bei der Nationalmannschaft von Julian Nagelsmann ins Spiel. Beim letzten von drei Gegentoren in Bremen sah der ehemalige DFB-Star, der in den 1990er-Jahren 35 A-Länderspiele absolviert hatte, aber zwei Fehler des HSV-Keepers. Alles begann damit, dass Heuer Fernandes beim Versuch eines Befreiungsschlags den Ball „nicht perfekt“ traf, wie er hinterher selbst erklärte. Das Leder landete bei einem Bremer, der sofort Fahrt aufnahm – und schließlich traf Cameron Puertas von der Strafraumlinie zum 1:3 ins kurze Eck (90.+1).
Stefan Effenberg sah in Bremen Fehler des HSV-Torwarts
„Es ist ja doppelt schlecht von Ferro“, beurteilte Effenberg am Tag nach dem Spiel. „Erst mal dieser Schlag nach vorn, den er nicht sauber trifft. Dadurch kommt er in diese Situation. Und natürlich muss er den (Schuss von Puertas; d. Red.) halten, das weiß er auch.“ Der HSV, in der Schlussphase nur noch zu zehnt, hätte das Derby wohl auch ohne die unglückliche Aktion von Heuer Fernandes verloren. Sie fiel nicht schwerer ins Gewicht. Das Ergebnis schmerzte aber auch so, und der HSV muss es verkraften.
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Heuer Fernandes versuchte, direkt nach Abpfiff Optimismus auszustrahlen. Als er auf das harte Restprogramm angesprochen wurde, entgegnete der 33-Jährige: „Es gilt, das Spiel schnell abzuhaken und uns auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Wir haben jetzt noch vier Spiele – und die wollen wir ziehen, egal wie. Wir bleiben strikt bei unserem Plan, um unser Ziel zu erreichen.“ Dieses Vorhaben ist am Samstag nicht einfacher geworden. Bei einem Sieg gegen die TSG Hoffenheim am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) sähe die Lage aber schon wieder ganz anders aus.
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