„War nicht schön“: Glatzel spricht über HSV-Verbleib und macht eine Ansage an Polzin
Ein neuer Stürmer soll und muss her in diesem HSV-Winter, darüber herrscht auch in der Chefetage Einigkeit. Ein anderer Torjäger, der zuletzt fehlte, wird sich zum Jahresstart aber zurückmelden. Robert Glatzel scharrt mit den Hufen und will in der Rückrunde aus Hamburgs Sturm-Not eine Tugend machen. Vor dem 1:1 gegen Frankfurt meldete sich der verletzte Angreifer zu Wort und richtete sich dabei auch mit einer klaren Botschaft an seinen Trainer Merlin Polzin.
Großer Applaus brandete auf, als Glatzel eine Dreiviertelstunde vor der Partie gegen die Eintracht auf der Bühne des „Volksparkett“ erschien. Dort, im Bauch der Nordtribüne, schlägt das Herz der HSV-Fans, vor jedem Heimspiel stehen hier illustre Gäste Rede und Antwort. Für Glatzel der passende Ort, sich zu seiner persönlichen Situation zu äußern und kein Blatt vor den Mund zu nehmen.
HSV-Stürmer Glatzel zog sich einen Muskelfaserriss zu
Drei Wochen sind mittlerweile vergangen, seit sich der 31-Jährige beim 2:1 gegen Stuttgart einen Muskelfaserriss zuzog. Dennoch markierte die Partie gegen den VfB einen Wendepunkt in dieser für Glatzel so schwierigen Saison. Erstmals seit dem Aufstieg stand er in der Startelf und traf prompt zum 1:0. Balsam für seine Seele.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:
- Absturz eines Menschenfängers: Der HSV und die Causa Kuntz
- Der Kampf um Olympia: Der Fakten-Check
- „Wir waren Crash-Kids“: In den 90ern kriminell. Heute?
- Strategie-Wechsel im Block-Prozess: Für den Familienanwalt wird’s eng
- Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag
- 16 Seiten Sport: St. Pauli sucht Irvine-Ersatz
- 28 Seiten Plan 7: Dick Brave steuert auf Hamburg zu! Plus: Ausgeh-Tipps für jeden Tag
Es sei in der Hinrunde nicht immer einfach für ihn gewesen, mit seiner Reservistenrolle klarzukommen, ließ Glatzel nun vor den etwa 200 Zuhörern wissen, die sich vor der „Volksparkett“-Bühne versammelt hatten. „Ich habe schon mehrmals gesagt, dass es nicht schön war“, so Glatzel. „Man hat ganz andere Erwartungen. Aber das hat man nicht immer selbst zu entscheiden. Da sind halt andere, die die Entscheidung treffen: Trainer, sportliche Führung, es ist einfach so. Ich bin nicht der Einzige, das gehört zum Geschäft dazu, und man muss gucken, das Beste daraus zu machen.“ Und weiter: „Man nimmt die Situation an oder nicht. Ich habe sie angenommen und hoffe natürlich trotzdem, dass sie sich in der Rückrunde für mich bessert. Aber das kann nicht nur ich allein entscheiden.“
Robert Glatzel erzielte in 140 HSV-Partien 82 Tore
Glatzel will es Polzin nach der Winterpause so schwer wie möglich machen, ihn nicht mehr aufzustellen. Der Top-Torjäger des HSV-Kaders (82 Treffer in 140 HSV-Pflichtspielen seit Sommer 2021) will sich mit voller Kraft für einen Stammplatz empfehlen und sich den Platz im Angriff sichern, den in dieser Spielzeit vornehmlich Ransford Königsdörffer besetzte. Zudem wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mindestens ein weiterer Stürmer im Winter dazukommen. Yussuf Poulsen (weilte gegen Frankfurt an Krücken im Stadion) fällt wohl über den Januar hinaus aus.

Und Glatzel? Seine für ihn größtenteils unbefriedigende Situation und der vor wenigen Wochen von ihm vollzogene Beraterwechsel heizten Spekulationen hinsichtlich einer möglichen Luftveränderung in diesem Winter an. Davon kann derzeit aber keine Rede sein, wie Glatzel am Samstag erklärte. Ob man über einen möglichen Abgang sprechen müsse, wurde der Fan-Liebling gefragt, stellte aber klar: „Eigentlich nicht, ich habe ja noch bis 2027 Vertrag. Mein Fokus liegt darauf, fit zu werden, damit ich im besten Fall in der Rückrunde sofort wieder spielen kann. Über alles andere muss man nicht reden – und darüber muss ich mir keine Gedanken machen.“
Das könnte Sie auch interessieren: Holen die HSV-Bosse sogar zwei neue Torjäger?
Glatzel hat klare Pläne für die Rückrunde, mit dem HSV und für den Klassenerhalt. Mit Beifall verabschiedeten ihn die Fans vor dem Frankfurt-Spiel, er selbst hatte allerdings noch etwas zu erledigen. Wenige Minuten später stand der Stürmer am Spielfeldrand und verfolgte mit gezücktem Handy die nachträgliche Verabschiedung der Aufstiegs-Helden Ludovit Reis und Sebastian Schonlau. Da leuchteten auch Glatzels Augen. Echte Freunde kann eben niemand trennen. Anders als seine früheren Mitspieler, die nach Brügge und Vancouver wechselten, will Glatzel seiner HSV-Zeit aber noch zumindest ein weiteres Kapitel hinzufügen.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.