Robert Hoyzer manipuliert das Spiel des HSV gegen Paderborn, während die Spieler protestieren

Die HSV-Profis beschweren sich vergeblich: Schiedsrichter Robert Hoyzer hat das DFB-Pokalspiel in Paderborn im August 2004 absichtlich manipuliert. Foto: WITTERS

Vor 21 Jahren verurteilt: Als Hoyzer den HSV betrog – ein Skandal mit Folgen

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Es ist mehr als 20 Jahre her – und doch können Fußballfans bis heute kaum glauben, was damals passiert ist. In der Saison 2004/05 sorgte Schiedsrichter Robert Hoyzer weltweit für unrühmliche Schlagzeilen, als er unter anderem ein DFB-Pokal-Spiel des HSV beim SC Paderborn (2:4) mit voller Absicht manipulierte. Hamburg verlor das Spiel – und Hoyzer kassierte dafür kräftig Geld von der kroatischen Mafia. Der Betrug flog wenig später auf und wurde zu einem der größten Fußball-Skandale in Deutschland. Am 28. April 2005, vor genau 21 Jahren, wurde Hoyzer offiziell für seine Taten verurteilt. Es ist ein Skandal, der seine Kreise bis heute zieht.

Eigentlich ist seine Laufbahn makellos. Zu Beginn des Jahrtausends ist Robert Hoyzer eines der aufstrebenden Schiedsrichter-Talente in Deutschland, pfeift schon im Alter von nur 23 Jahren in der 2. Bundesliga. Dem gebürtigen West-Berliner wird sogar eine große Karriere als Profi-Schiri zugetraut. Nicht umsonst setzt ihn der DFB am 21. August 2004 – eine Woche vor seinem 25. Geburtstag – für das Pokalspiel des HSV beim SC Paderborn an.

Hoyzer sorgt absichtlich dafür, dass der HSV verliert

Das Erstrunden-Spiel entwickelt sich zu einer Farce. Der damalige Regionalligist Paderborn erhält im Laufe der Partie zwei unberechtigte Elfmeter, HSV-Stürmer Emile Mpenza sieht zudem die Rote Karte wegen einer vermeintlichen Schiedsrichterbeleidigung. Der Außenseiter gewinnt schließlich völlig überraschend mit 4:2 und wirft Hamburg in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal. Und schon unmittelbar nach Spielschluss wittern die Verantwortlichen, dass hier etwas nicht stimmen kann.

Fassungslos, aber auch machtlos: Die HSV-Profis Daniel van Buyten, Sergej Barbarez und Raphael Wicky (v.r.) beschweren sich im Skandal-Spiel bei Schiri Hoyzer. WITTERS
Robert Hoyzer manipuliert das Spiel des HSV gegen Paderborn, während die Spieler protestieren
Fassungslos, aber auch machtlos: Die HSV-Profis Daniel van Buyten, Sergej Barbarez und Raphael Wicky (v.r.) beschweren sich im Skandal-Spiel bei Schiri Hoyzer.

„Nach dem Spiel kam unser Vorstandsboss Bernd Hoffmann in die Kabine und sagte, dass auch er das Gefühl habe, dass da irgendwas lief“, wird der damalige HSV-Profi Christian Rahn viele Jahre später der MOPO erzählen. Schmerzhaft am Abend nach dem Spiel, als drei Paderborner Spieler „im Sportstudio saßen und sich für den Sieg gefeiert haben“, erinnert er sich: „Das war die größte Demütigung, denn sie müssen ja gewusst haben, dass das Spiel verschaukelt wurde.“

Kroatische Mafia erzielt mit den Spielen hohe Wettgewinne

Denn genau so ist es auch. Erst Monate nach der Partie gibt Hoyzer zu, dieses Spiel absichtlich zugunsten des SC Paderborn manipuliert zu haben. Und damit nicht genug – eine ganze Reihe von Begegnungen sollen verschoben worden sein, in der 2. Liga, in der Regionalliga und im DFB-Pokal. Das perfide Vorgehen: Zuvor wird auf ein bestimmtes Ergebnis gewettet und Hoyzer sorgt als Schiedsrichter auf dem Platz schließlich dafür, dass dieses gewünschte Ergebnis auch wirklich eintritt. Der HSV ist Opfer organisierter Kriminalität.

„Auf dem Weg in die Kabine hörte ich, dass der Schiri zu zwei Paderborner Spielern sagte: Ihr spielt so weiter, den Rest erledige ich. Und so war es dann ja auch.“

Ex-HSV-Profi Christian Rahn in der MOPO rückblickend über die Halbzeit im Skandalspiel 2004

Es dauert allerdings noch eine ganze Weile, bis der Schwindel auffliegt. Ein halbes Jahr nach dem Pokalspiel des HSV, im Januar 2005, melden vier Schiedsrichter-Kollegen ihren Verdacht gegen Hoyzer beim DFB. Auch die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Nach und nach wird bekannt, dass der Referee im Berliner „Café King“ offenbar Kontakte in die kroatische Mafia gepflegt haben soll. Die beiden kroatischen Brüder Milan und Ante Sapina stellen sich später als Auftraggeber heraus, die dank der verschobenen Spiele hohe Wettgewinne erzielen.

Lohn für den Skandal sind 67.000 Euro und ein Fernseher

Zunächst streitet Hoyzer die Vorwürfe ab, gesteht Ende Januar dann aber die umfassende Manipulation. Insgesamt erhält er von der kroatischen Wettmafia 67.000 Euro und einen Plasma-Fernseher für seine Taten. Auch Schiri-Kollege Dominik Marks (ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung) und Hoyzers noch heute in der Bundesliga aktiver Assistent Felix Zwayer (sechs Monate Sperre vom DFB) sind in die Manipulation verwickelt. Nach Abschluss der internen Ermittlungen des DFB wird Hoyzer vor genau 21 Jahren – am 28. April 2005 – lebenslang vom Verband gesperrt. Später folgen auch strafrechtliche Konsequenzen, er wird zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Im Jahr 2008 verlässt der Ex-Referee das Gefängnis nach eineinhalb Jahren wegen guter Führung.

Für die Manipulation im Wettskandal wird Hoyzer vom Landgericht Berlin zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. WITTERS
Robert Hoyzer verlässt den Gerichtssaal im Prozess des Wettskandals
Für die Manipulation im Wettskandal wird Hoyzer vom Landgericht Berlin zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.

Zu diesem Zeitpunkt jedoch sind die sportlichen Folgen für den HSV längst im Gang. Das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal kann natürlich nicht mehr rückgängig gemacht werden, weil mittlerweile schon mehrere Runden gespielt sind. Auch, dass der damalige HSV-Trainer Klaus Toppmöller wenige Wochen – unter anderem wegen der manipulierten Niederlage – seinen Job verlor, lässt sich nicht mehr korrigieren. Stattdessen bekommt der HSV vom DFB eine Entschädigung in Höhe von 500.000 Euro sowie ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen China (1:0) im Volksparkstadion, das rund 1,5 Millionen Euro Einnahmen generiert.


Bundesliga-Spiele, die Hoyzer nachweislich manipuliert hat

DatumWettbewerbPaarungVorfälleKonsequenzen
30.05.2004Regionalliga NordWuppertaler SV – Werder Bremen II 1:0Hoyzer manipuliert das Spiel zugunsten von Wuppertal. Außerdem bezahlt er seinem Linienrichter Felix Zwayer 300 Euro dafür, dass er kritische Situationen für Wuppertal vermeidet.Das Spiel wird nicht wiederholt, weil die Saison schon beendet ist.
13.08.2004Regionalliga NordHertha BSC II – Arminia Bielefeld II 2:1Hoyzer behauptet, dass Schiri-Kollege Dominik Marks das Spiel manipuliert habe. Demnach habe Marks 6000 Euro von der kroatischen Wettmafia dafür angenommen.Das Spiel wird annulliert und wiederholt. Hertha BSC II gewinnt mit 6:0.
21.08.2004DFB-PokalSC Paderborn – HSV 4:2Hoyzer manipuliert das Spiel zugunsten von Paderborn. Er gibt zwei fragwürdige Elfmeter und eine Rote Karte gegen HSV-Stürmer Emile Mpenza.Das Spiel wird nicht wiederholt, weil schon zu viele Pokal-Runden gespielt sind. Der HSV erhält eine Entschädigung.
26.09.20042. LigaMSV Duisburg – Greuther Fürth 1:0Greuther Fürth legt Einspruch gegen die Spielwertung wegen angeblicher Manipulation ein.Der DFB sieht die Vorwürfe als hart an, kann aber keine Manipulation feststellen. Das Spiel wird nicht wiederholt.
22.10.20042. LigaLR Ahlen – Wacker Burghausen 1:0Hoyzer manipuliert das Spiel zugunsten von Ahlen. Er gibt einen fragwürdigen Elfmeter und gesteht später die Manipulation dieser Begegnung.Das Spiel wird annulliert und wiederholt. Burghausen gewinnt mit 3:1.
28.11.20042. LigaSpVgg Unterhaching – 1. FC Saarbrücken 1:3Hoyzer versucht das Spiel zugunsten von Unterhaching manipulieren, schafft dies aber nicht. Er gibt einen fragwürdigen Elfmeter, der jedoch verschossen wird.Das Spiel wird nicht wiederholt, weil die Manipulation gar nicht gelungen ist.
03.12.20042. LigaKarlsruher SC – MSV Duisburg 0:3Hoyzer behauptet, dass Schiri-Kollege Dominik Marks das Spiel manipuliert habe. Demnach habe Marks 30.000 Euro von der kroatischen Wettmafia dafür angenommen. Der KSC legt Einspruch ein.Der DFB sieht die Vorwürfe als hart an, kann aber keine Manipulation feststellen. Das Spiel wird nicht wiederholt.

Doch auch darüber hinaus sind die Konsequenzen aus dem Fall Hoyzer bis heute spürbar. So gilt seither ein gesetzliches Wettverbot für Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter im Profifußball. Verbände wie der DFB, die UEFA und die FIFA führen verschiedene Frühwarnsysteme zur Erkennung von Spielmanipulation ein. Und auch die Einführung technischer Hilfsmittel – wie Torlinientechnik oder Videobeweis – wird nach diesem Vorfall erstmals diskutiert und in ersten Konzepten auf den Weg gebracht. Vor allem aber gilt der Name Hoyzer als Inbegriff von Manipulation und Wettbetrug. So sehr, dass es „hoyzern“ als Synonym für betrügen sogar zwischenzeitlich bis in die Wahl zum Wort des Jahres in Deutschland schafft.

DFB-Präsident Zwanziger begnadigt Hoyzer teilweise

Der Protagonist von damals hat sich inzwischen allerdings rehabilitiert. DFB-Präsident Theo Zwanziger begnadigt Hoyzer auf dessen Gesuch hin und hebt die lebenslange Sperre im Jahr 2011 teilweise auf, sodass er zumindest wieder im Amateurfußball tätig sein darf. Kurz darauf läuft Hoyzer wieder als Mittelfeldspieler beim SSC Teutonia Spandau in der Berliner Landesliga auf und übernimmt im Anschluss das Amt des Sportlichen Leiters. 2014 arbeitet er als Technischer Direktor beim Berliner AK, ein Jahr später dann in gleicher Funktion bei Viktoria Berlin. Seit 2017 jedoch ist Hoyzer nicht mehr im Fußball tätig, sondern arbeitet beim Online-Preisvergleichsportal „idealo“.

Hoyzer kehrt von 2011 bis 2017 in den Fußball zurück, arbeitet unter anderem für Viktoria Berlin (wie hier im Sommer 2014). imago/Matthias Koch
Robert Hoyzer als Technischer Direktor von Viktoria Berlin
Hoyzer kehrt von 2011 bis 2017 in den Fußball zurück, arbeitet unter anderem für Viktoria Berlin (wie hier im Sommer 2014).

Und die Betroffenen von damals? Denen ist wichtig, dass man auch 21 Jahre später immer noch über den Skandal spricht. Paderborns damaliger Trainer Pavel Dotchev entschuldigt sich im August 2024 in der MOPO öffentlich beim HSV für die Vorkommnisse. Und Ex-HSV-Coach Toppmöller betont daraufhin: „Auch wenn diese Geschichten nun schon so oft erzählt wurden, ist es wichtig, immer wieder daran zu erinnern. Denn so etwas wie damals darf sich nie wiederholen.“

Die Realität zeigt, dass das nicht immer der Fall ist. Bereits 2009 werden weitere über 200 Fußballspiele in ganz Europa manipuliert, darunter mindestens 32 in Deutschland. Erneut sind die kroatischen Sapina-Brüder die Drahtzieher. Sie werden abermals zu Haftstrafen verurteilt. Und erst 2024 enthüllt die MOPO, dass mindestens 17 deutsche Spiele aus der aus 3. Liga, Regionalliga und Oberliga unter Manipulationsverdacht stehen – auch in Hamburg. Die Ermittlungen in diesem Fall dauern noch immer an.


Chronik im Fall Robert Hoyzer: Wie der Skandal begann

  • 30. Mai 2004: Hoyzer manipuliert sein erstes nachgewiesenes Spiel in der Regionalliga Nord, den 1:0-Sieg von Wuppertal gegen Werder Bremen II.
  • 21. August 2004: Das DFB-Pokalspiel zwischen Paderborn und dem HSV (4:2) sorgt für Schlagzeilen. Eine Manipulation steht fortan im Raum.
  • 21. Januar 2005: Die vier Schiedsrichter-Kollegen Lutz Michael Fröhlich, Olaf Blumenstein, Manuel Gräfe und Felix Zwayer melden erstmals einen Manipulationsverdacht gegen Hoyzer beim DFB. Daraufhin legt der Angeklagte sein Amt als Schiri nieder, bestreitet aber die Vorwürfe.
  • 27. Januar 2005: Hoyzer gesteht die Manipulation umfassend und belastet dabei unter anderem auch Marks und Zwayer sowie drei Spieler von Hertha BSC.
  • 12. Februar 2005: Die Staatsanwaltschaft Berlin vollstreckt einen Haftbefehl gegen Hoyzer wegen „mittäterschaftlich begangenen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in acht Fällen“.
  • 25. Februar 2005: Hoyzer wird aus der Untersuchungshaft entlassen, darf das Land jedoch zunächst nicht verlassen. Er versichert, die Ermittlungen zu unterstützen.
  • 28. April 2005: Der DFB sperrt Hoyzer lebenslang von allen Fußball-Aktivitäten.
  • 27. Mai 2005: Das Amtsgericht Salzgitter verurteilt Hoyzer erstmals. Dieser legt Einspruch ein, sodass der Prozess vor dem Landgericht Berlin fortgesetzt wird.
  • 17. November 2005: Hoyzer wird vom Landgericht zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Der Tatvorwurf lautet Beihilfe zum gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Der angeklagte Schiedsrichter legt Revision beim Bundesgerichtshof ein.
  • 15. Dezember 2006: Der Bundesgerichtshof in Leipzig bestätigt das Landgerichtsurteil. Dadurch wird es rechtskräftig.
  • 18. Mai 2007: Hoyzer tritt seine Haftstrafe im Gefängnis Hakenfelde in Berlin an.
  • 18. Juli 2008: Wegen guter Führung darf Hoyzer die Haft vorzeitig verlassen. Er hat seine Strafe vollständig abgesessen.
  • 13. April 2011: Der DFB begnadigt Hoyzer und hebt die lebenslange Sperre teilweise auf, damit er zumindest auf Amateurebene wieder im Fußball aktiv sein darf.
  • 16. Mai 2011: Hoyzer unterschreibt einen Vertrag als Spieler beim SSC Teutonia Spandau und kehrt somit in den Fußball zurück.

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