„Von den Besten gelernt“: Ex-Bayern-Boss schwärmt von HSV-Chefin Krüger
Kathleen Krüger ist da – und soll die Strategie der Zukunft vorgeben. Sie soll den Nachwuchs stärken und den HSV öffentlich repräsentieren. Die Vorschusslorbeeren sind groß, nicht erst seit ihrer Vorstellung am Dienstag. Warum aber wurde sie von vielen Trainern und Spielern des FC Bayern verehrt? Der ehemalige Münchner Boss Christian Nerlinger erklärt die Managerin Krüger sowie den Menschen dahinter – und schwärmt selbst. Nicht einmal eine Unklarheit besorgt ihn.
Nerlinger kennt Krüger bestens und Claus Costa ebenfalls gut. Denn als Inhaber der Berateragentur CN Sports hat Nerlinger immer mal wieder Kontakt zu den Chefs im Volkspark – und auch deshalb ein Gefühl für das Innenleben des Klubs. „Der HSV ist ein komplexer Verein, in dem man inhaltlich gut arbeiten und eine Mannschaft gut aufstellen muss“, sagt der 53-Jährige im Gespräch mit der MOPO und ahnt: „Sich darüber hinaus öffentlich zu präsentieren, wird für Kathleen sicherlich neu sein.“ Es ist das wohl größte Fragezeichen, das Krügers Schritt zum HSV begleitet.
Kathleen Krüger war Assistentin von Christian Nerlinger
Kann sie als neue Sportvorständin auch Krisenkommunikation? Kommt sie mit dem Rampenlicht klar? Kann sie auch den Job in der allerersten Reihe, nachdem sie bei den Bayern bisher vornehmlich im Hintergrund arbeitete? „Kathleen ist kein Neuling in dem Geschäft“, stellt Nerlinger klar. „Für sie wird es überhaupt kein Problem sein, nach außen zu kommunizieren und den HSV sehr seriös zu repräsentieren.“ Auch das wird künftig die Aufgabe der 40-Jährigen sein. Vor fast 16 Jahren hatte sie als Nerlingers Assistentin auf der Geschäftsstelle des FC Bayern angefangen.
Nerlinger, von 2009 bis 2012 Sportdirektor bei den Münchnern, erinnert sich: „Als Assistentin hat Kathleen schnell neue, eigene Impulse gesetzt. Sie hat diesen Job sehr erfrischend angenommen.“ Und so erarbeitete sich Krüger, die von 2004 bis 2009 noch für die Bayern-Frauen in der Bundesliga aufgelaufen war, zügig den Respekt der Bayern-Chefs. „Kathleen ist eine harte Arbeiterin, extrem fleißig, im Ton sehr klar, aber trotzdem angenehm“, beschreibt Nerlinger. „Sie ist sehr verlässlich. Man kann sehr vertrauensvoll mit ihr zusammenarbeiten.“ Als Nerlingers Zeit an der Säbener Straße im Sommer 2012 endete, stieg Krüger zur Teammanagerin auf.
Krüger hat den Umgang mit den Bayern-Stars „gemeistert“
„Kathleen war sehr nah dran an der Mannschaft und hat den Umgang mit den Spielern super professionell gemeistert. Das ist das A und O – und das spüren die Profis“, erzählt Nerlinger, der ihren Werdegang stets verfolgte. Er weiß: „Ehemalige Spieler und Trainer schwärmen alle in den höchsten Tönen von ihr.“ Thomas Müller sagte über Krüger einmal: „Sie ist die, die die Mannschaft zusammenhält.“ Franck Ribéry bezeichnete sie als „beste Frau der Welt“. Krüger hielt den FCB-Stars den Rücken frei, verbesserte teaminterne Abläufe und war sogar in der Spieler-Chatgruppe. Und wenn mal jemand aus der Reihe tanzte, ging sie dazwischen.
„Kathleen hat beim FC Bayern von den Besten gelernt. Sie hatte eine direkte Kommunikation zum Vorstand und hat auch von Spielern und Trainern viel mitgenommen“, erklärt Nerlinger. Pep Guardiola hätte Krüger 2016 gerne mit zu Manchester City genommen, auch ihr Draht zu Uli Hoeneß stimmte. Seit Juli 2024 war sie Leiterin für Sportstrategie und Entwicklung und widmete sich mit Leidenschaft dem Campus des FCB.
„Gutes Netzwerk“: Sportdirektor Costa kennt sie schon
Sich beim deutschen Branchenprimus durchzusetzen und auf vielen Ebenen Akzente zu setzen, ist nicht leicht. „Der FC Bayern ist herausfordernd“, weiß Nerlinger. „Kathleen ist aber immer ihre Schritte gegangen. Ich glaube nicht, dass sie schon damals als Assistentin gedacht hat, dass sie in 15 Jahren mal Vorständin werden würde. Sie hat sicherlich mit der Zeit gemerkt, dass sie es kann und sie sich so einen Job zutraut. Ich denke, das war ein Prozess.“
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Nerlinger hebt besonders Krügers Entwicklungsdrang hervor – und ihre „hohe Fußballkompetenz“ als Ex-Fußballerin: „Sie hat jahrelang hautnah erlebt, wie die Arbeit mit Top-Trainern und -Managern läuft. Sie pflegt ein sehr gutes Netzwerk.“ HSV-Sportdirektor Costa, der den Kader auch künftig federführend planen wird, kennt sie bereits aus dem Manager-Lehrgang des DFB. Vor wenigen Monaten erhielt sie dann einen Anruf vom Hamburger Aufsichtsrat, den sie von sich überzeugen konnte.
Krüger rückt an die Seite von HSV-Vorstand Eric Huwer
Nerlinger war überrascht, dass es der HSV geschafft hat, Gespräche mit Krüger zu führen, ohne dass die Öffentlichkeit frühzeitig davon erfuhr. Der Schritt an sich überrascht den Agenten aber nicht. „Der HSV-Posten ist sicherlich einer der spannendsten der Liga. Inhaltlich, fachlich und von der Professionalität her traue ich Kathleen den Job in Hamburg zu 100 Prozent zu“, betont Nerlinger und lobt: „Sie schafft es, in extremen Stresssituationen Lösungen zu finden und cool zu bleiben. Mich würde es sehr freuen, wenn der HSV sich mit ihr weiter nach oben orientieren kann.“
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Ab dem 1. Juli geht es offiziell los, präsentiert wurde Krüger aber schon jetzt. Und sie betonte: „Es ist ein echtes Privileg, einen der ganz großen Namen im deutschen Fußball künftig auf sportlicher Ebene entscheidend mitprägen zu dürfen.“