„Unfassbar geil“: Warum HSV-Trainer Polzin wieder gegen Schalke spielen will
Es ist eine beeindruckende Reise, die Merlin Polzin beim HSV erlebt. Geboren in Hamburg, früher selbst als Fan bei den Heimspielen auf der Nordtribüne, im Sommer 2020 dann der erste Job bei den Profis im Volkspark – als Assistent von Lehrmeister Daniel Thioune. Weitere Trainer kamen und gingen. Polzin blieb. Zunächst als Co-Trainer, später als Chefcoach. Am kommenden Samstag in Augsburg bestreitet der 35-Jährige bereits sein 200. HSV-Spiel als Trainer der Hamburger.
„Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal 200 Spiele vom HSV live mitgestalten darf, weiß ich nicht, wie ich dann reagiert hätte. Das ist schon etwas Besonderes. Es ist ein großes Privileg und bedeutet mir auf jeden Fall etwas“, erzählt Polzin im Gespräch mit der MOPO. Er blickt auf Spiele zurück, die er nie vergessen wird, spricht über Begegnungen, die er gerne noch mal wiederholen würde, und erinnert an Wegbegleiter, die für seine Entwicklung maßgeblich waren.
Merlin Polzin startete beim HSV mitten in der Corona-Zeit
Los ging für Polzin alles mitten in der Corona-Zeit – mit einer 1:4-Niederlage im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden. Ein turbulenter Start, auf und abseits des Platzes. Für den gebürtigen Bramfelder folgten bis heute 14 weitere Partien im DFB-Pokal, vier Relegationsspiele, 170 Auftritte in der Zweiten Liga und in dieser Saison bislang zehn Begegnungen in der Bundesliga. Die meisten Spiele (165) erlebte er als Co-Trainer. Dabei arbeitete Polzin an der Seite von Thioune, Horst Hrubesch, Tim Walter und Steffen Baumgart.

„Es war extrem lehrreich“, sagt Polzin. An erster Stelle nennt er Thioune, mit dem er vor der Zeit beim HSV mehr als fünf Jahre beim VfL Osnabrück gearbeitet hatte. „Dass meine Entwicklung maßgeblich mit Daniel zu tun hat, ist klar. Er ist der Grund, warum ich hier überhaupt anfangen durfte. Ich bin total dankbar für die Erfahrung, die wir hier bei einem so großen Verein gemacht haben. Aber auch über alles, was danach kam.“
Die zweieinhalb Jahre (103 Spiele) an der Seite von Walter bezeichnet er als „besondere Reise auf ganz eigene Art“. Aus der Zusammenarbeit mit Hrubesch entwickelte sich eine Freundschaft. „Dass ich Horst jetzt meinen Freund nennen darf, das ist etwas ganz Besonderes.“
HSV-Drama in Sandhausen ist Polzin noch in Erinnerung
Welche seiner bislang 199 Spiele als HSV-Coach wird Polzin nie vergessen? Als erstes nennt er das dramatische Saisonfinale 2023 in Sandhausen, als der Aufstieg schon geschafft schien. „Das wird trotz des Ausgangs immer speziell bleiben. Allein, wenn ich an die Energie im Stadion mit 12.000 HSVern denke. Das ging schon beim Aufwärmen los.“

Polzin fällt es nicht leicht, weitere Partien herauszupicken. „Es gab viele coole Geschichten“, sagt er. Dazu gehören für ihn auf jeden Fall das Aufstiegsspiel gegen Ulm, die Relegation in Berlin mit über 20.000 HSV-Fans im Olympiastadion, die Pokal-Reise 2021/22 bis ins Halbfinale und natürlich auch das erste Bundesligaspiel in Mönchengladbach, das er als „extrem besonders“ bezeichnet. Doch nicht nur Erfolge bleiben in Erinnerung – „auch Spiele, aus denen du etwas lernen konntest“, so Polzin. „Ich denke da an die Duelle in Karlsruhe. Das waren keine guten Spiele, aber du hast trotzdem etwas mitgenommen.“
Wie sieht es mit den Begegnungen aus, die Polzin beim HSV gerne noch einmal spielen würde? Einerseits gibt es Spiele, die nicht so gut ausgegangen sind und bei denen er überzeugt ist, dass mehr möglich gewesen wäre. „In Köln Elf gegen Elf wäre ganz gut“, schmunzelt der HSV-Coach und ergänzt: „Wolfsburg würde ich auch gerne noch mal spielen, aber dann ohne Pech an den Füßen.“
HSV gegen Schalke war immer das Highlight für Polzin
Auf der anderen Seite gibt es auch einige besonders schöne Spiele, die Polzin gerne noch mal erleben würde. Er nennt die Duelle gegen Schalke in der Zweiten Liga. „Jedes Spiel gegen Schalke ist unfassbar geil, weil in diesen Partien einfach immer eine ganz besondere Atmosphäre herrscht.“ Auch der 4:0-Sieg am 32. Spieltag der vergangenen Saison in Darmstadt, als der HSV zuvor drei Ligaspiele in Folge nicht gewinnen konnte und viele befürchteten, dass die Hamburger im Saisonendspurt den Aufstieg wieder verspielen würden, gehört dazu – allerdings mit einer Einschränkung. „Das war richtig krass und sehr speziell. Da hatte sich vieles davor angestaut“, erzählt Polzin und lacht: „Wenn ich wüsste, wie es ausgeht, würde ich es auch noch mal spielen. Aber wenn ich nicht weiß, wie es ausgeht, dann nicht.“
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Jetzt liegt bei Polzin der volle Fokus auf seinem 200. HSV-Spiel in Augsburg. Weiter denkt er noch nicht – zu groß ist in der Bundesliga die Herausforderung in jeder Partie. „Mit dem, was danach kommt, beschäftigen wir uns erst danach. Neben unseren sportlichen Zielen haben wir ein bisschen den Ansatz mit der Mannschaft, dass wir viele besondere Momente erleben wollen. Das ist das, was bleibt. Jüngstes Beispiel: der hochemotionale Ausgleich gegen Dortmund in der 97. Minute durch Ransi.“
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