Damion Downs im Aufwärm-Outfit

Damion Downs bleiben noch neun Bundesliga-Spiele, ehe seine HSV-Leihe endet. Foto: IMAGO/Steinsiek.ch

Unfaire Kritik an Downs? HSV denkt an Frankfurt-Trainer Riera

kommentar icon
arrow down

Der 23. September 2023 wird auf ewig ein spezieller Tag sein im Lebenskalender von Damion Downs. Denn da feierte er als 19-Jähriger sein Bundesliga-Debüt, bei der 1:2-Pleite des 1. FC Köln in Bremen. Zweieinhalb Jahre später ist der „Effzeh“ für den Stürmer Vergangenheit, in seinem Herzen trägt er den Verein aus der Domstadt aber noch immer – und am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) trifft er erstmals im Profibereich auf ihn. Setzt Merlin Polzin entgegen aller Kritik erneut auf Downs? Es könnte sein, denn der Trainer denkt anders.

Polzin drückte sich am Donnerstag etwas verklausuliert aus, als er auf Downs angesprochen wurde: „Wir bewerten einen Spieler nicht nur daran, welche Lösungen er im Ballbesitz findet, sondern auch daran, was in den Minuten passiert, in denen er nicht den Ball hat. Das sind meistens deutlich mehr als andersherum.“ Und der Zusatz: „Das hat ein Trainerkollege ja letztens ganz ansehnlich beschrieben.“ Was zunächst nicht klar wurde: Polzin spielte hiermit auf Eintracht Frankfurts neuen Chefcoach Albert Riera an.

Albert Riera erklärt das Spiel ohne Ball am Beispiel Xavi

Der 43-jährige Spanier hat bei den Hessen seit Anfang Februar schon so manche Pressekonferenz abgehalten, die Fans und Journalisten zum Nachdenken brachte. So meinte er nur einen Tag nach seiner offiziellen Vorstellung: „Ich werde den Spielern morgen sagen: ‚Wir springen da vom Balkon.‘ Und sie werden springen.“ Vergangene Woche packte Ex-Profi Riera dann eine neue Geschichte aus. Sie handelte von Xavi (46), seinem ehemaligen Teamkollegen in der spanischen Nationalmannschaft, der das Mittelfeld des FC Barcelona von 1998 bis 2015 prägte.


MOPO

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • Alarm, Dreck, Chaos: Feuerwehrmann über dramatische Zustände in Flüchtlingsunterkunft
  • Fahrschein, bitte: An welchen Bahnhöfen am häufigsten kontrolliert wird
  • Feuer-Drama: Welche Rolle eine Kloschüssel bei der Rettung einer Familie spielte
  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche
  • 16 Seiten Sport: HSV-Juwel Baldé im Fokus & Sky-Kommentator über St. Paulis Abstiegskampf
  • 28 Seiten Plan 7: Eine Ausstellung wie „ein Tauchgang“ & ein aufwühlendes Stück an den Kammerspielen

Vor Frankfurts Auswärtsspiel beim FC St. Pauli (0:0) erzählte Riera, dass er bei seinem Trainerexamen gefragt worden sei, wie lange ein einzelner Profi im Laufe der 90 Spielminuten selbst am Ball sei. Die Antwort lieferte er direkt mit: „Den Rekord hat Xavi in einer Partie gegen Getafe mit 80 Prozent Ballbesitz aufgestellt – da war er in etwa viereinhalb Minuten am Ball.“ Riera selbst, der zu aktiven Zeiten offensiver Flügelspieler war, habe das Leder in einem Spiel dagegen „nicht mal eine Minute“ am Fuß gehabt. Was er damit ausdrücken wollte, ist, dass er in seiner Karriere gelernt hat, wie wichtig das Spiel gegen den Ball ist – also das Defensivverhalten, das im Angriff beginnt.

HSV-Trainer Polzin überträgt Rieras Worte auf Downs

„Stell dir vor, du weißt nicht, was du in den anderen 89 Minuten ohne den Ball machen sollst“, sagte Riera zu den Reportern und stellte eine rhetorische Frage: „Wie wichtig ist also der Job, den du ohne Ball machen musst?“ Seiner Meinung nach: extrem wichtig. Doch mit dieser Ansicht ist Riera nicht allein. Auch Polzin vertritt sie energisch – nicht zuletzt mit Blick auf Downs, den in Hamburg noch torlosen Profi. Doch die HSV-Trainer bewerten ihre Stürmer nicht allein anhand ihrer Treffer-Ausbeute, das stellte Polzin vor dem Heimspiel gegen Köln noch einmal klar und musste dabei auch an die Worte des Frankfurt-Coaches denken. Der 35-Jährige übertrug sie indirekt auf Downs, der ganz nach Rieras Logik „viele Sachen extrem gut“ mache, wenn er selbst nicht den Ball habe.

Yussuf Poulsen, Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer (v.l.) bilden zusammen mit Damion Downs und Otto Stange aktuell den HSV-Sturm. WITTERS
Yussuf Poulsen, Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer bei einer Auswechslung im Spiel des HSV
Yussuf Poulsen, Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer (v.l.) bilden zusammen mit Damion Downs und Otto Stange aktuell den HSV-Sturm.

Polzin führte aus: „Damion schafft es, das Pressing zu steuern und auszulösen, für die Mitspieler die Räume freizuziehen.“ Diese Stärken hatte der HSV-Coach in den vergangenen Monaten auch bei Ransford Königsdörffer, der in dieser Saison viermal traf, hervorgehoben. Der Deutsch-Ghanaer durfte zuletzt in Wolfsburg (2:1) mal wieder in der zentralen Spitze beginnen. Dafür rückte Downs, der zuvor zweimal begonnen hatte, wieder auf die Bank. Polzin betonte nun aber: „Es ist weniger eine Entscheidung von uns nur für einen und gegen den anderen – sondern eine für die Mannschaft und dafür, wie wir erfolgreich sein können.“ Der HSV benötige im Angriff sämtliche Profile.

HSV-Profi Damion Downs wartet seit April 2025 auf ein Tor

Auf die Spieler-Eigenschaften des erneut verletzten Yussuf Poulsen kann Polzin in den kommenden Wochen nicht zurückgreifen. Ihm stehen mit Downs, Königsdörffer, Robert Glatzel und Otto Stange aber noch immer viele verschiedene Torjäger-Typen zur Verfügung. „Wir brauchen alle und haben unseren Kader bewusst so gebaut“, unterstrich Polzin. „Und ich bin sehr froh, dass Damion ein Teil von ist. Aber natürlich weiß ich, dass du als Stürmer auf die Tore wartest und ein bisschen danach lechzt.

Das könnte Sie auch interessieren: „Herausragend!“ Funkel lobt Polzin – und gibt HSV-Prognose ab

Downs hat in seinen bisher sieben Einsätzen für den HSV noch gar nicht getroffen. Es bleiben ihm noch neun Bundesligapartien, ehe die mit dem FC Southampton ausgehandelte Leihe endet. Die nächste Chance auf seine Premieren-Bude bietet sich am Samstag – gegen seinen Ex-Klub. Letztmals erfolgreich war der US-Amerikaner übrigens im FC-Trikot: am 20. April 2025 noch in der 2. Liga. Wenige Monate später wechselte Downs für acht Millionen Euro nach Southampton, wo er in der Hinrunde jedoch torlos blieb. Beim HSV soll sich diese magere Ausbeute in der Rückrunde nicht wiederholen.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test