TV-Geld, Verträge, Werder: Darum ist das Saison-Finale für den HSV so wichtig

HSV-Profis feiern den Sieg in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt mit den Fans
Der Tanz in den Mai brachte dem HSV den Klassenerhalt, nun gibt es weitere Ziele.

Der 10. Mai 2025 war einer für die HSV-Geschichte. Das ist der Tag des 6:1 gegen Ulm, das Datum hinter der Bundesliga-Rückkehr. Der 10. Mai 2026 dagegen wird nicht als DER Feiertag in die Vereinshistorie eingehen, denn der Klassenerhalt ist bereits fix. 365 Tage nach dem Aufstiegsspiel ist dennoch wieder Matchday im Volkspark. Diesmal kommt der SC Freiburg – und für den HSV geht es anders als vor einem Jahr zwar nicht mehr um alles, aber trotzdem noch um viel.

Den inoffiziellen Titel als Hamburgs Fußballklub Nummer eins hat der HSV seit Sonntag zurück. Weil der FC St. Pauli mit 1:2 gegen Mainz verlor, kann er den Stadtrivalen definitiv nicht mehr einholen. Der HSV wird somit erstmals seit 2022/23 wieder eine Saison vor dem Kiezklub beenden.

HSV hat diese Saison so viele Zuschauer wie nie zuvor

Ein neuer Rekord steht auch schon fest: Die erst im Vorjahr aufgestellte Zuschauer-Bestmarke bei Heimspielen (durchschnittlich 56.324) wird klar getoppt. Nach der ausverkauften Freiburg-Partie wird der Schnitt bei 56.947 liegen. Dass es der neue Rekordwert nicht 57.000 beträgt, ist auf das Nordderby-Hinspiel gegen Bremen im Dezember (3:2) zurückzuführen, als 900 Plätze sicherheitsbedingt frei blieben. Die Fans rennen dem HSV am Sonntag zum 17. Mal die Bude ein. Was aber steht noch auf dem Spiel? Warum lohnt es sich, noch zweimal zu gewinnen oder zumindest das letzte Heimspiel? Eine Auswahl.

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TV-Geld: Knapp 32 Millionen Euro erhielt der HSV vor dieser Saison aus dem TV-Topf und damit den geringsten Betrag aller Erstligisten. Zumindest das wird sich in der neuen Saison ändern. Unabhängig davon, ob Stadtrivale St. Pauli absteigt, überholt der HSV die Kiezkicker in der für die Ausschüttung maßgeblichen Fünfjahreswertung. Auch die Aufsteiger müssen sich im TV-Geld-Ranking hinter dem HSV einsortieren. Im Volkspark rechnete man zuletzt vorsichtig mit einem um etwa drei Millionen Euro höheren Betrag als in der Vorsaison. Aber: Jeder einzelne Tabellenplatz wird einen Unterschied ausmachen.

Schließt der HSV diese Saison auf Rang zwölf oder besser ab, wäre das auch in Sachen TV-Geld von Vorteil. Für den HSV wäre es übrigens besser, wenn Wolfsburg statt St. Pauli die Liga verlässt. Der VfL kassierte vor dieser Saison fast 20 Millionen Euro mehr als der HSV, dieser Betrag würde bei einem Abstieg drastisch schrumpfen und das Geld auf andere Klubs (auch auf den HSV) umverteilt werden.

Vuskovic verlässt den HSV – aber wer bleibt hier?

Luka Vuskovic’ Abschied: Vor zwölf Monaten gegen Ulm saß er auf der Tribüne. Im September schoss er gegen Heidenheim (2:1) das erste Bundesliga-Tor des HSV seit acht Jahren. Im Dezember erzielte er im Nordderby per Scorpion-Kick den wohl schönsten Treffer der HSV-Saison. Ende Januar überwand er Bayern-Keeper Manuel Neuer (2:2). Nun schließt sich der Kreis. In Frankfurt (2:1) feierte der 19-Jährige sein Comeback, für sein Abschieds-Heimspiel ist ihm die Startelf-Rückkehr zu wünschen. Vuskovic zählt unabhängig davon zu den Garanten für den Ligaverbleib. Nach Leverkusen (16. Mai) geht es für ihn zur WM und danach zurück zu Tottenham.

Neue Verträge: Vuskovic muss niemanden mehr überzeugen. Das gilt auch für Fábio Vieira, dessen Verbleib wahrscheinlicher ist. Bevor ein fester Transfer des Portugiesen aber sogar realistisch würde, müsste er sich klar zum HSV bekennen – und Arsenal müsste zu Abstrichen bei der Kaufoption (rund 20 Millionen Euro) bereit sein. Der Ausgang ist offen. Beschlossen sind die Abgänge der beiden Leihgaben Damion Downs (FC Sou­thampton) und Giorgi Gocholeishvili (Schachtar Donezk). Bei Philip Otele (FC Basel) und Albert Grønbæk (Stade Rennes) kann sich der HSV eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen, insbesondere Letzterer betrieb zuletzt Eigenwerbung. Das sollte Grønbæk nun noch zweimal tun, um sein Preisschild von rund fünf Millionen Euro zu rechtfertigen.

Bei Otele geht es um eine ähnliche Summe. Der Nigerianer bremste sich durch die Rote Karte in Bremen selbst – kriegt er jetzt noch mal die Kurve? In beiden Fällen dürfte Claus Costa in neue Verhandlungen über mögliche Kaufpreise einsteigen. William Mikelbrencis pokert um mehr Gehalt, sollte sich nach zuletzt wackligen Auftritten aber erst einmal stabilisieren, ehe er (zu) hohe Forderungen stellt. Der HSV hat für sich finanzielle Grenzen definiert, der Franzose bleibt sportlich in der Bringschuld.

Nur Werder kann als Nord-Klub noch gefährlich werden

Die Nummer 1 im Norden: St. Pauli und Wolfsburg (beide 26 Punkte) kämpfen gegeneinander um den Klassenerhalt und können den HSV (34) nicht mehr überholen. Werder (32 Zähler) kann sich des Ligaverbleibs wegen seines schlechten Torverhältnisses (minus 20) noch nicht final sicher sein. Der SVW könnte dem HSV aber als einziger Nordklub noch „gefährlich“ werden in der Tabelle. Sollten die Hamburger in der Endabrechnung vor dem Rivalen stehen, wäre das eine kleine Genugtuung nach der jüngsten Derbypleite (1:3). Derzeit ist Werder (im Vorjahr Bundesliga-Achter) noch „norddeutscher Meister“. Der HSV holte diesen inoffiziellen Titel letztmals 2013 als Tabellen-Siebter unter Coach Thorsten Fink.

Albert Grønbæk vom HSV im Zweikampf mit Jens Stage von Werder Bremen
Albert Grønbæk (r.) spielt im Saisonfinale noch um seine HSV-Zukunft – und die Hamburger um die Nummer eins im Norden vor Werder (hier Jens Stage).

Zwei einstellige Plätze: Die Hinrunde schloss der HSV als 14. mit 16 Punkten ab. In der zweiten Saisonhälfte wurden schon jetzt, vor dem 33. Spieltag, zwei Zähler mehr geholt (18). Trotz zwischenzeitlich sechs sieglosen Partien liegt der HSV in der Rückrundentabelle auf Platz zehn – und könnte mit einem Dreier am Sonntag am Neunten vorbeziehen: Freiburg (bisher 21 Zähler). Und den Rothosen winkt ein weiterer einstelliger Platz – im Heim-Tableau. Auch da steht zurzeit Rang zehn zu Buche. Der Rückstand des HSV, der 21 von 34 Punkten im Volkspark holte, auf den Neunten Augsburg (23) beträgt aber lediglich zwei Zähler. Und sogar der Rückrunden-Achte Frankfurt (24) ist noch in Reichweite. Losgelöst von allen Tabellen jedoch sollten die Profis alles daran setzen, ihren Fans einen schönen Heimspiel-Abschluss zu schenken.

HSV-WM-Fahrer hoffen auf keine weiteren Verletzungen

Keine weiteren Blessuren vor der WM: Die Resthoffnungen von Alexander Røssing-Lelesiit auf die Weltmeisterschaft sind bereits dahin: Der Norweger, bisher noch ohne Einsatz fürs A-Team, verletzte sich erneut am Knöchel und muss operiert werden. Im Januar hatte der 19-Jährige in Anspielung auf die WM noch gesagt: „Ich habe einen Traum für das Jahr.“ Der ist nun geplatzt.

Auch Miro Muheim erwischte es zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt am Sprunggelenk. Die WM-Teilnahme mit der „Nati“ hat der Schweizer allerdings längst nicht abgehakt, er sagte zuletzt: „Ich bin sehr optimistisch, dass es klappt.“ Merlin Polzin will ihn in Leverkusen noch mal einsetzen. Ein neuerlicher Rückschlag muss bei Muheim aber unbedingt ausbleiben. Gleiches gilt für den zweiten sicheren WM-Fahrer, der noch das HSV-Trikot trägt und zuletzt angeschlagen war: Vuskovic.

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Ransford Königsdörffers Vorteil ist seine gesundheitliche Robustheit. Otto Addo, der ihn im März wieder nominiert hatte, wurde aber als Ghanas Nationaltrainer entlassen. Ob der Stürmer mit zum Turnier reist, entscheidet nun Addo-Nachfolger Carlos Queiroz. Mit dem einen oder anderen HSV-Tor im Endspurt dürften Königsdörffers Chancen steigen.

Der 10. Mai 2025 war einer für die HSV-Geschichte. Das ist der Tag des 6:1 gegen Ulm, das Datum hinter der Bundesliga-Rückkehr. Der 10. Mai 2026 dagegen wird nicht als DER Feiertag in die Vereinshistorie eingehen, denn der Klassenerhalt ist bereits fix. 365 Tage nach dem Aufstiegsspiel ist dennoch wieder Matchday im Volkspark. Diesmal kommt der SC Freiburg – und für den HSV geht es anders als vor einem Jahr zwar nicht mehr um alles, aber trotzdem noch um viel.