HSV-Profis enttäuscht vor der Hamburger Fankurve in Hoffenheim

Die HSV-Profis traten enttäuscht vor die Gäste-Fankurve in Hoffenheim. Foto: IMAGO/Eibner

„Es tut uns leid für sie!“ Desaströser HSV versaut Fans die Hoffenheim-Party

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So unterlegen war der HSV seit dem 0:5 in München nicht. Und dennoch versuchten es die mitgereisten Fans nach dem 1:4 (0:2) in Hoffenheim mit Aufmunterung. „HSV, HSV“, skandierten sie. Und die Profis klatschten vorsichtig in die Hände, um sich zu bedanken. Miro Muheim fasste dann aber treffend zusammen, was neben ihm auch seine Mitspieler gedacht haben dürften: „Es tut uns vor allem leid für die Fans.“ Denn der HSV war bei der TSG hoffnungslos unterlegen und bleibt in der Auswärtstabelle somit Letzter. Ein Samstag zum Vergessen.

Die erste Minute der Nachspielzeit rundete den verkorksten HSV-Auftritt ab. Da rutschte Joker Rayan Philippe am Elfmeterpunkt aus und verpasste das 2:4. Es wäre Ergebniskosmetik gewesen. An der verdienten Niederlage gab es längst keine Zweifel mehr. „Wir sind enttäuscht“, sprach Muheim das aus, was offensichtlich war. „Wir haben viel von dem vermissen lassen, was uns gegen Bremen stark gemacht hat.“ Das Nordderby hatte der HSV auf dramatische Art mit 3:2 gewonnen. Nun jedoch musste Merlin Polzin einen „sehr verdienten“ Sieg für die Gastgeber anerkennen.

HSV verliert das Bundesliga-Spiel in Hoffenheim mit 1:4

„Es war weit weg von dem, was wir in den letzten Wochen gezeigt haben“, bemängelte Hamburgs Coach, der unter anderem Cleverness und Aggressivität bei seinem Team vermisst hatte. Polzins hartes Resümee: „Es war ein langer Nachmittag, der sich für alle HSVer nicht schön anfühlt. Aber auf unserer Reise gibt es immer wieder Tage wie heute – auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren.“ Den Coaches, Profis und Fans bleibt letztlich nichts anderes übrig.

Die HSV-Profis Luka Vuskovic (l.) und Jonas Meffert bei der Pleite in Hoffenheim. WITTERS
Die HSV-Profis Luka Vuskovic und Jonas Meffert reagieren auf den frühen Rückstand in Hoffenheim
Die HSV-Profis Luka Vuskovic (l.) und Jonas Meffert bei der Pleite in Hoffenheim.

Polzin hatte gleich fünf Startelfwechsel vorgenommen. Für den weiterhin angeschlagenen Jean-Luc Dompé begann Fabio Baldé erstmals in der Bundesliga. Zudem rotierten im Vergleich zum Erfolg über Werder Giorgi Gocholeishvili, Muheim, Jonas Meffert und Ransford Königsdörffer für Bakery Jatta, Aboubaka Soumahoro, Nicolai Remberg und Philippe in die Anfangsformation. Der HSV-Matchplan lautete: hinten sicher stehen und bei Ballgewinnen schnell kontern. Doch diese Idee schien früh hinfällig, weil Muheim zu spät einrückte und Grischa Prömel freistehend zur Hoffenheimer Führung einköpfte (8.). Zudem attackierte Fábio Vieira Flankengeber Wouter Burger nicht wirklich.

Früher Schock: Prömel traf für die TSG zur 1:0-Führung

Trotz des frühen Schocks blieb der HSV der vorab ausgearbeiteten Idee der Trainer treu. Im Ballbesitz der TSG positionierten sich häufig alle Hamburger in der eigenen Hälfte. Auch mithilfe von langen Bällen von Daniel Heuer Fernandes auf Königsdörffer sollten Torchancen erzwungen werden. Der Deutsch-Ghanaer erledigte diese Aufgabe grundsätzlich in Ordnung, tat sich gegen die Hintermänner um Ozan Kabak aber schwer. Und es war dann sogar der TSG-Abwehrchef, der auf 2:0 stellte: In Stürmermanier drehte er sich zwischen Luka Vuskovic und Muheim auf und netzte ein (31.). Die zweite Großchance, und das zweite Gegentor – der HSV verteidigte aber auch jeweils schlecht.

Die HSV-Fans sorgten in Sinsheim für ein Hamburger Heimspiel. WITTERS
Die HSV-Fans sorgen in Sinsheim für ein Hamburger Heimspiel
Die HSV-Fans sorgten in Sinsheim für ein Hamburger Heimspiel.

Gut waren die beiden Gegenstöße, die mit wuchtigen Abschlüssen von Königsdörffer (40.) und Baldé (42.) endeten. Zugleich lief der HSV Gefahr, ausgekontert zu werden: Vuskovic (37.) und Muheim (43.) verhinderten Schlimmeres. Das 0:2 zur Pause war jedenfalls verdient. Und es veranlasste Polzin dazu, personell zu reagieren: Für Gocholeishvili kam Philippe, und die beiden ersten Schüsse des zweiten Durchgangs gehörten dann auch den Gästen. Muheim scheiterte aus der Distanz am deutschen Nationalkeeper Oliver Baumann (49.), zudem zielte Vieira zu hoch (52.).

Hoffenheim bestraft die sehr schwache HSV-Defensive

Die Kontrolle über die Partie behielt dennoch die läuferisch starke, im Ballbesitz sehr abgezockte Mannschaft von Christian Ilzer. Während das Pressing der TSG vor allem Heuer Fernandes mehrfach in die Bredouille brachte, funktionierte das Anlaufen des HSV nicht – auch, weil die Hoffenheimer zu sauber herauskombinierten. Und vorne trafen sie zum dritten Mal, weil sich Tim Lemperle an der Grenze des Erlaubten gegen Nicolás Capaldo durchsetzte und durch die Beine von Heuer Fernandes traf (65.). Mit dem 0:3 war das Spiel für den HSV erledigt. Doch die Ilzer-Truppe war noch nicht satt, spielte den Aufsteiger her. Als dann auch noch Vuskovic patzte und die Grätsche von Capaldo ihr Ziel verfehlte, stand es 0:4 – der eingewechselte Fisnik Asllani stand am ersten Pfosten richtig (72.).

Rayan Philippe traf für den HSV in Hoffenheim – vergab aber auch einen Elfmeter. WITTERS
Rayan Philippe in Hoffenheim
Rayan Philippe traf für den HSV in Hoffenheim – vergab aber auch einen Elfmeter.

„Hoffenheim hatte nicht so viele Chancen, aber die waren leider zu groß“, haderte Kapitän Yussuf Poulsen, der in der 78. Minute gekommen war. „Wir haben es nicht geschickt verteidigt in ein paar Situationen.“ Um nicht zu sagen: Da agierte der HSV als Kollektiv nicht bundesligatauglich. Poulsen erkannte an: „Heute waren wir einfach insgesamt die schlechtere Mannschaft in vielen Bereichen – und dann verliert man das Spiel.“ Und zwar mit 1:4. Denn immerhin erlief Philippe in der Schlussphase einen Steilpass von Vieira und ließ die mehr als 10.000 Auswärtsanhänger einmal jubeln, weil Baumann seinen Linksschuss passieren ließ (82.). Den Handelfmeter, den der Franzose in Hoffenheims Strafraum herausholte, schoss er aber drüber (90.+1). „Dass Rayan wegrutscht, ist sinnbildlich“, bedauerte Polzin.

HSV-Kapitän Yussuf Poulsen kritisiert: „Es war zu wenig“

Seine Mannschaft konnte nun auch im siebten Versuch auswärts nicht gewinnen. Den letzten Punktgewinn in der Ferne verbuchte der HSV im September, auswärts bei Union Berlin (0:0). In Hoffenheim setzte es nach dem 1:2 in Leipzig, dem 1:4 in Köln und dem 0:1 in Augsburg die vierte Auswärtsniederlage am Stück. „Es war zu wenig, um den 10.000 oder 15.000 Hamburgern eine Freude zu machen“, hielt Poulsen fest und richtete sich an die Fans: „Ich hoffe, dass es weiter so eine Unterstützung geben wird. Das brauchen wir unbedingt, um die Punkte zu holen. Irgendwann werden wir auch wieder einen Dreier auswärts bekommen, dann wird es eine lustige Fahrt nach Hause für die Fans.“

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Die letzte Auswärtsheimtour des Jahres aber treten alle Hamburger enttäuscht an. Die Anhänger werden das Beste daraus machen, da ist sich auch Polzin sicher. „An den Fans hat es nicht gelegen. Die Jungs und Mädels haben uns bestmöglich unterstützt“, lobte er. An seine Profis indes richtete der HSV-Coach diesmal vor allem kritische Worte.

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