Giorgi Gocholeishvili und Daniel Elfadli beruhigen Luka Vuskovic

Giorgi Gocholeishvili (l.) und Daniel Elfadli (r.) mussten Luka Vuskovic nach dem Derby beruhigen. Foto: IMAGO/DeFodi Images

Trotz der Vuskovic-Vorfälle: Wichtige Bayern-Nachricht beim HSV

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Die Vorfälle um Luka Vuskovic überschatteten das 113. Hamburger Stadtderby. Die Familie des Kroaten wurde auf Bannern attackiert, mutmaßlich wurde der 18-Jährige während seines Sky-Interviews auch von St. Pauli-Fans bespuckt, ehe er in den Katakomben die Fassung verlor und sich aufgrund seiner Emotionen wohl zu einer ebenfalls ekligen Aktion hinreißen ließ. Der Kiezklub reagierte am Samstag mit einem Statement, nachdem sich HSV-Coach Merlin Polzin noch am Freitagabend geäußert hatte. Eine sportliche Nachricht ging da fast unter.

Gegenüber der MOPO hatte Vuskovic in der Derby-Woche verraten, dass die drohende Gelbsperre ihn in seinen Leistungen nicht beeinflussen würde. Das bewies er auch am Freitag. Die Tottenham-Leihgabe wich in keinem Zweikampf zurück, verbuchte vielmehr starke Quoten von 86 Prozent gewonnener Duelle am Boden und 83 Prozent in der Luft. Vuskovic agierte ungeachtet der Provokationen von den Rängen so wie immer: resolut, kompromisslos, zudem technisch sauber und mutig am Ball, selbst unter Gegnerdruck. Und vor allem: Er kickte auf dem Platz fair.

Vuskovic und Capaldo verhindern im Derby eine Sperre

Ungeachtet dessen, was nach dem Stadtduell passierte und beiderseits nicht hätte passieren dürfen, kam Vuskovic dank seiner cleveren Spielweise um seine fünfte Gelbe Karte der Saison herum. Das bedeutet, dass der Youngster am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) gegen den FC Bayern einsatzfähig ist. Und das dürfte ihn freuen, weil die Hinspiel-Pleite in München, wo er sein HSV-Debüt gefeiert hatte, etwas länger an ihm nagte. Seine Leistung gegen Harry Kane und Co. im September sei „unglücklich“ gewesen, räumte Vuskovic unlängst noch mal ein.

Ricky-Jade Jones wurde erfolgreich von HSV-Verteidiger Nicolás Capaldo gestoppt. imago/Oliver Ruhnke
Ricky-Jade Jones im Derby gegen den HSV
Ricky-Jade Jones wurde erfolgreich von HSV-Verteidiger Nicolás Capaldo gestoppt.

Am kommenden Wochenende hat er die Chance, es besser zu machen. Und auch Nicolás Capaldo wird Polzin zur Verfügung stehen. Der Argentinier hatte vorm Derby ebenfalls vier Gelbe Karten gesammelt, fing sich am Millerntor aber nicht seine fünfte – obwohl er mehrfach kurz davor stand. Nach einem langen Ball und einer unglücklichen Kopfball-Klärungsaktion von Vuskovic stand Capaldo zum Beispiel quer in der Luft, um gegen Mathias Pereira Lage zu bereinigen (56.). Nach einem tiefen Steckpass auf den schnellen St. Pauli-Joker Ricky-Jade Jones ging er dann ins volle Risiko und klärte im Sprint per Grätsche (66.). Etwas später, nach vermeintlichem Foul an Jones, schlug er sich die Hände vor sein Gesicht – bremste sich bei seinem Protest aber selbst, um nicht verwarnt zu werden (73.).

Wenige Nickligkeiten zwischen HSV- und St. Pauli-Profis

Tobias Welz beließ es bei einer freundlichen Ermahnung für den physisch am Limit spielenden HSV-Kapitän. Und der Schiedsrichter leitete generell ein eher ruhiges Derby. Zu Beginn des Spiels gab es wegen des Fouls von Adam Dzwigala an Alexander Røssing-Lelesiit eine kleine Rudelbildung, an der sich auch die Ex-Kieler Hauke Wahl und Nicolai Remberg beteiligten (7.). Der für den angeschlagenen Røssing-Lelesiit eingewechselte Fabio Baldé leistete sich vor der eigenen Fankurve einen kleinen Schubser gegen Arkadiusz Pyrka (40.). Und im zweiten Durchgang hatte auch Miro Muheim ein kleines Thema mit dem polnischen Rechtsverteidiger des Stadtrivalen, weil dieser ihn bei einem Rückpass zu Daniel Heuer Fernandes von hinten anging (86.). Und dann war da noch die Verwirrung um die Gelbe Karte für Remberg, die sogar auf einen Platzverweis überprüft wurde, was den HSV-Profi verwunderte.


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Ansonsten aber blieben größere Aufreger während der 90 Minuten aus. Referee Welz verwarnte lediglich Dzwigala (7.) und Remberg (24.), im zweiten Durchgang also niemanden – obwohl viel auf dem Spiel stand. Das sagt einiges aus über das zwar nicht leidenschaftslose, aber doch niveauarme Derby. Nun könnten einige Fans argumentieren, dass sich Vuskovic und Capaldo doch lieber ihre fünfte Gelbe Karte hätten abholen können, um ihre Sperre gegen die vermeintlich unschlagbaren Bayern abzusitzen. Hätte es gegen St. Pauli beide erwischt, wäre Polzin nun aber zu großen Umbauarbeiten in der Dreier-Abwehrkette gezwungen. Natürlich will er gegen den FCB seine bestmögliche Abwehr aufbieten. Nicht, um nur Schadensbegrenzung zu betreiben – sondern, um Kane und Co. lange zu ärgern.

Elfadli zurück im Kader – und bald auch in der Startelf?

Warmed Omari stand beim Derby noch nicht wieder im Kader, seine Rückkehr auf den Platz wird aber vor allem dann wichtig sein, wenn Capaldo und Vuskovic demnächst gesperrt sind. Für die Startelf dürfte es bei Omari zeitnah noch nicht reichen. Auch angesichts des Abgangs von Guilherme Ramos zum chinesischen Erstligisten Beijing Guoan könnte Daniel Elfadli zügig in die Startelf zurückkehren. Jordan Torunarigha erhielt gegen St. Pauli erneut den Vorzug vor dem Deutsch-Libyer, bei einer Vuskovic-Sperre gilt dieser aber als erster Vertreter fürs Abwehrzentrum.

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Im Stadtderby kehrte Elfadli nach Gelb-Rot-Sperre erst einmal ins Aufgebot zurück. Und nach dem Abpfiff war es dann auch der Allrounder, der versuchte, den emotional extrem aufgewühlten Vuskovic auf dem Platz zu beruhigen.

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