Svea Stoldt enttäuscht

Trotz Traumtor von Svea Stoldt (r.) konnten die HSV-Frauen gegen Wolfsburg nicht punkten. Foto: WITTERS

Tor-Raub in Wolfsburg? HSV trotz bizarrer Statistik um mögliche Sensation gebracht

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Fast hätte es wieder geklappt. Die HSV-Frauen konnten zum Rückrundenauftakt nicht ihre Sensation aus dem Hinspiel wiederholen und verloren gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3. Damit verpasst die Mannschaft ihre Chance, sich vor Jahresende aus dem Tabellenkeller zu befreien. Und das, obwohl das Aufeinandertreffen eigentlich freudige Erinnerungen geweckt hatte.

Denn an den Bundesligaauftakt gegen den VfL Wolfsburg wird in Hamburg gerne zurückgedacht. Im Volksparkstadion gelang den Gastgeberinnen in der siebten Minute der Nachspielzeit der sensationelle 3:3-Ausgleichstreffer. Ein erkämpfter Punkt, der im Kampf gegen den Abstieg für die Rothosen noch Gold wert sein kann. Dazu ein Erfolg, der vor dem Aufeinandertreffen am vierten Advent Hoffnung entfacht hatte. Ein Gefühl, das die Aufsteigerinnen dringend gebrauchen konnten. Zum einen, aufgrund der vorausgegangenen 0:6-Pleite gegen den FC Bayern. Zum anderen, da die Mannschaft von Ausfällen geplagt wurde. Mit Melanie Brunnthaler, Vildan Kardesler, Jobina Lahr und Annalena Wucher fehlten Trainerin Liése Brancão gleich vier wichtige Spielerinnen.

Wolfsburg kontrolliert, doch HSV gehört die erste Chance

Auch der Sonntagabend begann so, wie es viele zuvor erwartet hatten: Die Wölfinnen kontrollierten das Spiel, drängten den HSV früh in die eigene Hälfte. Trotzdem gehörte die erste gefährliche Szene den Hamburgerinnen. In der 9. Minute schlug Svea Stoldt eine Ecke steil in Richtung Tor, wo Stina Johannes den Ball nicht ordentlich festhalten konnte. Einen kurzen Moment lang lag die Kugel frei im VfL-Strafraum, doch keine der Stürmerinnen konnte sie rechtzeitig erreichen.

Lattwein fordert Schuldt heraus

Danach wurde die Partie wieder einseitig. Die Tabellenzweiten übten weiterhin ordentlich Druck auf ihre Gäste aus, versuchten immer wieder über die Außenbahnen Flanken auf die in der Mitte lauernde Alexandra Popp zu schlagen. Doch es gelang ihnen trotzdem nicht, die entscheidenden Abschlüsse zu kreieren. Die größte Gelegenheit der ersten Hälfte bekam Lena Lattwein, die von der Strafraumgrenze abzog und Inga Schuldt im Hamburger Kasten herausforderte (21.).

Hamburg hält die Null zur Halbzeit

Insgesamt fiel dem VfL jedoch zu wenig ein. Der HSV ackerte, versuchte jede Spielerin früh zu doppeln und wurde zum Ende der ersten Halbzeit zudem noch mutiger. „Kontrolle!“, rief Brancão der Mannschaft von der Seitenlinie aus zu.

Stoldt-Traumtor bringt HSV in Führung

Nach Wiederanpfiff sah es zunächst danach aus, als würde die Partie so weitergehen, wie sie aufgehört hatte. Wolfsburg drückte, Hamburg verteidigte leidenschaftlich. Doch nach sechs Minuten passierte das Unglaubliche: Die Rothosen waren nach einem Fehlpass zur Abwechslung mal im Angriff, Sophie Hillebrand legte sich den Ball zu weit vor, wodurch eine Verteidigerin vermeintlich klären konnte. Doch dadurch fiel die Kugel Stoldt vor die Füße, die aus knapp 20 Metern das volle Risiko einging, mit Vollspann abzog und sie unter die Latte hämmerte – Traumtor! Und auf einmal führte der HSV in Wolfsburg.

Abseits verhindert Doppel-Schock

Den Champions-League-Teilnehmerinnen blieb kaum Zeit, sich von diesem Schock zu erholen, da lief schon der nächste Konter der Hanseatinnen (54.). Wieder war es Hillebrand, die im letzten Moment auf Christin Meyer ablegte, welche nur noch ins freie Tor passen musste – 2:0! Aber der Jubel blieb aus, denn die Fahne der Assistentin war bei dem Querpass sofort in die Höhe geschnellt und auch wenn die TV-Bilder die Abseitsstellung nicht mit Sicherheit bestätigen konnten, konnte die Entscheidung der Schiedsrichterin ohne VAR nicht rückgängig gemacht werden. Großes Pech aus Hamburger Sicht.


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So blieb Wolfsburg am Leben und erhöhte nun den Druck deutlich. Besonders Svenja Huth schlug immer wieder Flanken vom rechten Flügel, suchte ihre ehemalige Nationalmannschafts-Kollegin. In der 69. Minute fand sie sie schließlich: Huth legte flach auf Popp, die beim Abschluss den Fuß von Stoldt traf, wodurch ihr Schuss unhaltbar ins Hamburger Netz abgefälscht wurde – Ausgleich.

Popp und Huth sorgen für böses Déjà-vu

Selbst ein Unentschieden gegen die Favoritinnen wäre für die Rothosen ein Erfolg, doch die Kräfte schwanden sichtlich. Bei den Gastgeberinnen hingegen hatte der Treffer neue Energie freigesetzt. Und so kam es in der 80. Minute zu einem Déjà-vu: Wieder flankte Huth, wieder fand sie Popp, wieder musste Schuldt hinter sich greifen. Die Wölfinnen hatten die Partie zehn Minuten vor Schluss gedreht. Und dann machte der VfL auch noch den Deckel drauf. In der 93. Minute passte Popp steil auf Kessya Bussy, die im Eins-gegen-eins vor Schuldt cool blieb und zum 3:1-Endstand erhöhte.

„60 Minuten waren sehr, sehr gut. Wir haben nicht nur mitgehalten, sondern sehr gut gespielt“, lobte Brancão später bei DAZN. „Es hat wieder nicht gereicht. Trotzdem bin ich stolz auf meine Spielerinnen.“

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Angesichts von 29:1 (!) Torschüssen und 77 Prozent Ballbesitz war der VfL-Sieg natürlich verdient. Und doch hatte der HSV, der vermeintlich um ein entscheidendes Tor gebracht worden war, gezeigt, dass man kein Kanonenfutter für die Großen ist. „Wir sind auf einem guten Weg“, betonte Brancão, aber „es reicht uns nicht“, gab sie zu. Wobei sie sofort ergänzte: „Noch nicht.“ Mit sieben Punkten bleibt der HSV als Vorletzter auf einem Abstiegsplatz. Mit einem Sieg gegen den Tabellennachbarn SGS Essen könnte man diesen beim Restart am 25. Januar im Volksparkstadion aber wieder verlassen.

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