Tickets, Mützen, Shirts: Die krassen Zahlen zum Baumgart-Hype beim HSV
Die internen Kalkulationen zu Beginn vergangener Woche führten zu einem – zumindest vergleichsweise – ernüchternden Ergebnis. Mit 49.000, vielleicht 50.000 Zuschauern rechneten die Ticket-Experten des HSV, der Heimspiel-Minusrekord in dieser Saison drohte. Dass dieser abgewendet wurde und am Sonntag doch 54.190 Fans in den Volkspark strömten, geht auf den Namen jener Person zurück, dank der auf weitaus mehr als einer Ebene ein neuer HSV-Hype entstanden ist: Steffen Baumgart. Ein Trainer, dessen Schiebermütze den Verein plötzlich sogar zu kuriosen Handlungen zwang.
Das Paket, das Sascha Steinbrück am Tag vor der Partie gegen die SV Elversberg (1:0) bei sich zu Hause in Empfang nahm, war riesig. Der Inhalt: 250 Schiebermützen. Der Marketing-Leiter des HSV hatte das Kult-Kleidungsstück des neuen Trainers jedoch nicht für sich selbst in 250-facher Ausführung geordert, vielmehr bediente sich der Klub eines Tricks. Der HSV wollte unbedingt noch vor Baumgarts Debüt-Spiel sehr viele Mützen an den Mann oder die Frau bringen, stand aber vor dem Problem, dass am Wochenende keine Briefe und Pakete an die dann unbesetzte Geschäftsstelle im Stadion geliefert werden können. Es war Kreativität gefragt.
Die 2000 Baumgart-Schiebermützen waren sofort weg
Also bestellte Steinbrück die Mützen zu seiner persönlichen Adresse, stand am Spieltag früh auf und brachte die 250 Artikel in den Arena-Fanshop. Und noch vor dem Anpfiff waren nicht nur diese 250 Mützen vergriffen, sondern auch die 1750 zunächst parallel im Online-Shop angebotenen Kopfbedeckungen. Seitdem geht erst einmal: nichts mehr. Aber der HSV, der ohnehin schon auf bestem Wege war, den Merchandising- und Gastronomie-Rekorderlös aus der Vorsaison (15,8 Millionen Euro) in dieser Spielzeit erneut zu toppen, hat für Nachschub gesorgt.
Hatte der 1. FC Köln in Baumgarts Debüt-Saison 2021/22 insgesamt 13.500 Schiebermützen verkauft, rechnet der HSV mit locker 10.000 allein bis zum 34. Spieltag im Mai. Der Verein hat bereits mehrere Zehntausend Mützen nachbestellt und hofft, dass die erste Tranche schon pünktlich zum Heimspiel gegen den VfL Osnabrück am Sonntag da ist. Doch der Zeitplan ist abermals eng, zumal ein Dienstleister vor Ort noch die HSV-Raute auf die Mützen drucken muss – nicht aber die Nummer 72, die Baumgart angesichts seines Geburtsjahrs 1972 exklusiv auf seinem Kopf trägt.
Auf denen der HSV-Anhänger war in jüngerer Vergangenheit bislang vor allem ein anderer Merchandising-Artikel zu sehen: Den blau-weiß-schwarzen Fischerhut „Nils“ verkaufte der Verein in der Vorsaison unglaubliche 50.000-mal, angesichts des Preisunterschieds (9,95 Euro zu 24,95 Euro) wird es bis zu ähnlichen Verkaufszahlen bei der Schiebermütze aber noch dauern. Eine mögliche Wachablösung beim beliebtesten Fan-Utensil in Zukunft ist natürlich auch von Baumgarts Amtsdauer in Hamburg abhängig.
Auch Jacke und Shirt vom HSV-Trainer sehr begehrt
Schon unmittelbar nach seiner Vorstellung vor acht Tagen jedenfalls gab es auch bei anderen Produkten einen Nachfrage-Boom. Die Strickjacke, die Baumgart bei seiner Ankunft getragen hatte, wurde schon am ersten HSV-Tag des neuen Trainers rund 500-mal verkauft. Inzwischen hat der Verein neue dieser Jacken in mehreren Größen nachbestellen müssen. Auch auf das schwarze T-Shirt mit der Aufschrift „Moin“, in dem sich Baumgart am Sonntag am Spielfeldrand präsentiert hatte, gab es seit seinem geglückten Premieren-Spiel – das obendrein die Aufstiegshoffnungen innerhalb des Anhang wieder etwas erhöhte – einen großen Ansturm.
Mit meiner Anmeldung stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Welches Outfit der 52-Jährige für den Tag des nächsten Heimspiels wählen wird, ist noch offen. Dass die Partie nahezu oder sogar gänzlich ausverkauft sein wird, liegt aber nicht nur daran, dass die Fanbase von Nordklub Osnabrück eine größere ist als die des Südklubs Elversberg. Sondern auch und vor allem am irren neuen Baumgart-Hype im Volkspark – auf allen Ebenen.