St. Pauli, Werder, Hannover: So brisant sind die Nordduelle des HSV
Gegen St. Pauli, Werder oder Hannover – was ist ein Derby und was nicht? Neu ist diese Frage nicht, Einigkeit herrscht trotzdem nicht. Um einen Überblick zu verschaffen, hat sich die MOPO alle acht relevanten Nord-Duelle des HSV angeschaut – und ihr Derby-Würdigkeit im HSV-Brisanz-Barometer bewertet.
FC St. Pauli
Entfernung Luftlinie: 5,8 Kilometer, 111 Pflichtspiele (seit 1919), HSV-Bilanz: 70 Siege / 17 Unentschieden / 24 Niederlagen, letztes Duell: 3. Mai 2024 (1:0/Heim)
Für die meisten hartgesottenen HSV-Fans ist das Stadtderby mittlerweile die brisanteste aller Partien und hat den Nord-Klassiker gegen Werder abgelöst. Der Grund: Viele direkte Duelle in den vergangenen Jahren, offene sportliche Rechnungen und atemberaubende Atmosphären. Nichts geht über das Hamburger Derby!
Werder Bremen
Entfernung Luftlinie: 91,1 Kilometer, 156 Pflichtspiele (seit 1927), HSV-Bilanz: 54 Siege / 42 Unentschieden / 60 Niederlagen, letztes Duell: 27. Februar 2022 (2:3/Heim)
Obwohl sich beide Klubs seit dem HSV-Abstieg 2018 (mit Ausnahme einer Saison) aus dem Weg gehen, hat der Glanz des Derbys nichts eingebüßt. Die Fans begegnen sich weiterhin in aller Regel mit Abneigung, haben aber eines gemeinsam: Sie vermissen die direkten Duelle gegeneinander.
Hansa Rostock
Entfernung Luftlinie: 154,6 Kilometer, 30 Pflichtspiele (seit 1991), HSV-Bilanz: 17 Siege / 6 Unentschieden / 7 Niederlagen, letztes Duell: 17. Februar 2024 (2:2/Auswärts)
Kaum eine Auswärtsreise treten die HSV-Fans mit schlechteren Gefühlen an. Regelmäßig knallt es, die Hansa-Hools haben einen derart schlechten (und rechten) Ruf wie wohl keine andere Fan-Szene. Tenor im Volkspark: Gut, dass man sich vorerst nicht wiedersieht.
Eintracht Braunschweig
Entfernung Luftlinie: 150,1 Kilometer, 87 Pflichtspiele (seit 1923), HSV-Bilanz: 54 Siege / 13 Unentschieden / 20 Niederlagen, letztes Duell: 8. November 2024 (1:3/Auswärts)
Dass das Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße liegt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Denn die Nähe der HSV-Fans zu Hannover 96 sorgt bei vielen Fans für tiefe Abneigung gegenüber der Eintracht und beruht auf totaler Gegenseitigkeit. Das endete in der Vergangenheit bei Aufeinandertreffen der Lager nicht selten schmerzhaft.
Holstein Kiel
Entfernung Luftlinie: 83,2 Kilometer, 80 Pflichtspiele (seit 1920), HSV-Bilanz: 50 Siege / 14 Unentschieden / 16 Niederlagen, letztes Duell: 20. April 2024 (0:1/Heim)
Eine einseitig, aber intensiv gelebte Rivalität des Holstein-Anhangs, die von den HSV-Fans nicht ernst genommen wird. Zu groß sind (trotz des Bundesliga-Aufstiegs der Kieler) die strukturellen Unterschiede zwischen beiden Klubs. Dazu kommt die enge Fan-Freundschaft der Hamburger zum Kieler Rivalen VfB Lübeck. Das HSV-Motto: Kiel ist eine Handball-Stadt.
VfL Wolfsburg
Entfernung Luftlinie: 141,9 Kilometer, 55 Pflichtspiele (seit 1954), HSV-Bilanz: 22 Siege / 15 Unentschieden / 18 Niederlagen, letztes Duell: 28. April 2018 (3:2/Auswärts)
Ähnlich wie die Kieler versuchten sich auch die Wolfsburger Anhänger jahrelang daran, sich am HSV abzuarbeiten. Mit mäßigem Erfolg, der nicht selten in Schmähgesängen der HSV-Fans in der VW-Arena endete („Wir fahr’n nach Haus’, ihr müsst hier wohn’“). Seit dem HSV-Abstieg gab es keine Berührungspunkte mehr.
VfL Osnabrück
Entfernung Luftlinie: 189,9 Kilometer, 45 Pflichtspiele (seit 1939), HSV-Bilanz: 23 Siege / 10 Unentschieden / 12 Niederlagen, letztes Duell: 3. März 2024 (1:2/Heim)
Keine besondere Rivalität zwischen beiden Klubs, allenfalls aus VfL-Sicht der Vergleich des (erstaunlich oft erfolgreichen) Davids mit dem Goliath HSV. Man begegnet sich mit Respekt, ist zwar nicht freundschaftlich miteinander verbunden, aber auch keineswegs verfeindet.
Hannover 96
Entfernung Luftlinie: 136,8 Kilometer, 111 Pflichtspiele (seit 1921), HSV-Bilanz: 53 Siege / 23 Unentschieden / 35 Niederlagen, letztes Duell: 23. August 2024 (0:1/Auswärts)
Die Freundschaft zueinander ist innig und wird seit mehr als 30 Jahren gelebt. So viel steht aber auch fest: Am Sonntag wollen beide Fan-Lager einen Sieg bejubeln, aller Freundschaft zum Trotz.