Merlin Polzin und Alexander Blessin umarmen sich auf der Pressekonferenz

Merlin Polzins HSV verlor das Stadtderby gegen den FC St. Pauli von Alexander Blessin (r.) am 2. Spieltag mit 0:2. Foto: imago images/Oliver Ruhnke

St. Pauli als Motivation für den HSV? Polzin macht Derby-Andeutung

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Klar, der HSV hätte gerne mindestens genauso viele Punkte auf dem Konto wie Mitaufsteiger Köln (14), und mit der eigenen Ausbeute (neun Zähler, zuletzt fünfmal in Serie sieglos) sind Hamburgs Bosse unter dem Strich auch nicht zufrieden. Die Zwischenbilanz ist aber gar nicht so schlecht, wenn man sie mit jener der beiden Vorjahresaufsteiger vergleicht. Dabei geht es auch um den FC St. Pauli – der dem HSV als Vorbild dienen kann?

Im und um den Volkspark herum ist momentan vor allem die Tor-Ungefährlichkeit des HSV Hauptgegenstand der Diskussionen. Neun Treffer nach elf Spieltagen, das ist – hinter Heidenheim, acht Buden – der zweitschlechteste Wert der Liga und zu wenig. Aber: Historisch betrachtet ist es auch nicht dramatisch. Der FC St. Pauli, der bisher auch nur neunmal geknipst hat, brachte es in der Bundesliga-Vorsaison sogar auf einen noch schlechteren Wert.

HSV schoss bisher mehr Tore als St. Pauli in der Vorsaison

Nach elf Spieltagen der Spielzeit 2024/25 stand der Kiezklub bei erst sieben geschossenen Treffern, das sind zwei weniger als der HSV zum vergleichbaren Zeitpunkt derzeit hat. Betrachtet man die gesamte Saison, kam St. Pauli im Vorjahr sogar nur auf 28 Tore, also auf im Durchschnitt 0,83 pro Partie. Aber: Die Braun-Weißen schafften als Tabellen-14. schließlich mehr oder weniger souverän den Klassenerhalt – trotz der offensiv eher mageren Ausbeute.

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Und das heißt im Umkehrschluss: Die aktuelle Torflaute des HSV ist zwar unverkennbar und es gilt, sie zu beheben. Schreckensszenarien müssen deshalb aber (noch) nicht aufgeworfen werden. St. Pauli hatte vor exakt einem Jahr nur acht Zähler auf dem Konto und der damalige Mitaufsteiger Holstein Kiel sogar nur fünf. Der HSV hat zwar keinen Topstart hingelegt wie der 1. FC Köln, als Aufsteiger – verglichen mit den Vorjahren – jedoch auch keinen Fehlstart.

Kiezklub schaffte Klassenerhalt souverän – und der HSV?

Im Volkspark ist man grundsätzlich bemüht, die jüngsten Ergebnisse sachlich einzuordnen. Das 0:1 in Augsburg war zwar ein Rückschlag, der emotional aufwühlte. Die verdiente Pleite ließ die Bosse um Sportdirektor Claus Costa aber nicht schlecht schlafen – weil man sich intern darüber einig ist, woran es alles gefehlt hat. Stichwörter: defensive Kompaktheit, falsche Timings in der Zweikampfführung, zu große Abstände, zu geringe Intensität beim Anlaufen, und das vor allem in den ersten 30 Minuten. Der Gesamtprozess aber, so heißt es beim HSV, gehe nach wie vor in die richtige Richtung. Und hier könnte ausgerechnet der FC St. Pauli dem Stadtrivalen als eine Motivation dienen.

St. Pauli und der HSV trafen bereits am zweiten Spieltag aufeinander, hier duellieren sich Danel Sinani (l.) und Nicolai Remberg. WITTERS
St. Pauli und der HSV trafen bereits am zweiten Spieltag aufeinander (hier Danel Sinani und Nicolai Remberg).
St. Pauli und der HSV trafen bereits am zweiten Spieltag aufeinander, hier duellieren sich Danel Sinani (l.) und Nicolai Remberg.

Trotz des dünnen Saisonstarts steigerten sich die Kiezkicker im Vorjahr kontinuierlich, sie überstanden mehrere Dellen und blieben letztlich verdient in der Liga, auch weil sie dem unter Alexander Blessin eingeschlagenen Weg vertrauten. Der beruhte vor allem auf einer großen Defensivstärke mit am Saisonende nur 41 Gegentreffern. Die aktuelle HSV-Tendenz (17 Gegentore nach elf Spielen) spricht zwar gegen einen solchen Fabelwert, dennoch steht die Abwehr bisher insgesamt stabil. Mehr als ein Tor kassierte Merlin Polzins Mannschaft nur in den Spielen in Köln (1:4), in Leipzig (1:2), in München (0:5) und gegen St. Pauli (0:2). Die Derbyniederlage am 2. Spieltag schmerzte.

Polzin denkt ans Derby: „Sind gewillt, es anders zu zeigen“

In der Chefetage gab es schon zu Saisonbeginn Stimmen, laut denen man sich das Stadtderby gerne zu einem späteren Zeitpunkt der Saison gewünscht hätte. Damals, Ende August, war der Qualitätsunterschied zwischen dem HSV und St. Pauli offensichtlich. Inzwischen steht Polzins Team seit fast zwei Monaten vor Blessins Mannschaft, die zuletzt achtmal in Folge verloren hat. Ob das Stadtderby anders ausgehen würde, wenn es irgendwann zum jetzigen Zeitpunkt gespielt werden würde, ist spekulativ. Im Volkspark brennt man aber schon auf die erhoffte Revanche.

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So sagte Polzin im Rahmen seines Podcast-Besuchs bei „HSV – meine Frau“ vor knapp zwei Wochen: „Es war nicht optimal, wie der eine oder andere Spieltag am Anfang der Saison abgelaufen ist. Wir hätten es auch gerne anders gehabt.“ Damit spielte der HSV-Trainer offensichtlich auch auf die Niederlage gegen St. Pauli an. Polzin weiß, wie wichtig auch den Fans dieses Derby ist. Deshalb machte er im selben Atemzug auch schon eine Andeutung mit Blick auf das neue Jahr: „Wir sind gewillt, es im Laufe der Rückrunde in bestimmten Spielen anders zu zeigen.“ Für diese Aussage erntete Polzin großen Applaus. St. Pauli als Motivation? Zahlenmäßig vielleicht, oder beim Blick in die Vergangenheit. Gegenwärtig schaut der HSV vor allem auf sich – und in die Zukunft. Inklusive Derby am 23. Januar.

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