„Spüre mehr…“: Sahiti über Aufschwung unter Polzin und eine Baumgart-Ansage

Emir Sahiti jubelt mit Davie Selke
HSV-Profi Emir Sahiti möchte am Ende der Saison den Aufstieg bejubeln.

Emir Sahiti steigt zügig in sein Auto, als das Interview beendet ist. Seine Familie wartet. Der 26-Jährige freut sich nach dem Termin mit der MOPO auf seine Frau und seine Tochter – und auf das Sofa in seinem Zuhause, der alten Wohnung von Mario Vuskovic. Denn das Training, gibt er zu, war am Mittwoch sehr hart – genauso wie seine Anfangszeit beim HSV. Sahiti spricht über seine kleine Family, über das Gefühl, angekommen zu sein, über Hackentrick-Ansagen von Steffen Baumgart und Risiken. Und der Kosovare verrät, wie es Merlin Polzin geschafft hat, ihn nach einigen Problemen zu einem der derzeit formstärksten HSV-Profis zu machen.

MOPO: Herr Sahiti, wie groß war Ihre Freude am vergangenen Samstag, als Sie Ihre fünf Monate alte Tochter nach neun Tagen im Türkei-Trainingslager wiedergesehen haben?

Emir Sahiti: Sehr groß. Ich konnte es nicht erwarten, sie und meine Frau wiederzusehen. Ihr geht es top und wir genießen jeden Tag mit ihr.

Sind Sie manchmal selbst überrascht darüber, wie schnell Ihre Tochter wächst und in der Welt ankommt?

Ja, das ist wahr. Sie ist gesund und fängt mittlerweile sogar an, ein bisschen zu lächeln. Das macht uns sehr glücklich.

Sahiti: „Fühle mich sehr wohl in Hamburg und beim HSV“

Auch im Fußball kann es schnell gehen – in beide Richtungen. Vor der Winterpause standen Sie nach langer Zeit wieder in der Startelf, auch in Belek zählten Sie nun zu den Gewinnern. Fühlen Sie sich beim HSV angekommen?

Das kann man so sagen. Jeder Spieler, der wechselt und in ein anderes Land, in eine andere Stadt umzieht, muss sich erst einmal an das neue Leben und den neuen Spielstil gewöhnen. Es war am Anfang nicht so leicht für mich, die Art, Fußball zu spielen, sofort zu verstehen. Aber alle im Team sind sehr positiv, wir lachen viel gemeinsam. Ich fühle mich sehr wohl in Hamburg und beim HSV – und hoffe, dass ich künftig viel Spielzeit bekomme, dafür werde ich im Training alles geben.

Gleich schlägt’s ein: Emir Sahiti (l.) ist nicht zu stoppen und trifft zur HSV-Führung gegen FCSB Bukarest.
Gleich schlägt’s ein: Emir Sahiti (l.) ist nicht zu stoppen und trifft zur HSV-Führung gegen FCSB Bukarest.

Im Sommer spät zum HSV gekommen, ab Oktober auch noch wochenlang am Sprunggelenk verletzt: In Ihrer Anfangszeit hatten Sie mit Problemen zu kämpfen.

Das stimmt. Ich bin erst am letzten Tag der Transferperiode gewechselt, das darf man nicht vergessen. Anschließend war ich ein paar Wochen verletzt und habe fast zwei Monate lang nicht gespielt, das war eine harte Zeit. Jetzt bin ich aber wieder fit und fühle mich unter Merlin Polzin und dem Trainerteam sehr wohl.

War der Konkurrenzkampf im HSV-Kader doch größer als Sie bei Ihrem Wechsel dachten?

Nein, der HSV ist ein großer Klub, deshalb war mir bewusst, dass jeder Spieler hier eine große Qualität besitzt. Es ist nicht einfach, sich beim HSV durchzusetzen. Das Trainerteam verlangt viel von uns und wir müssen stets am Maximum sein. Das steht auch für mich an erster Stelle: Ich möchte auf dem Platz immer 100 Prozent geben.

Emir Sahiti über Baumgart: „Als Trainer hat man das Recht“

Ihr Ex-Trainer Steffen Baumgart sagte vor seiner Entlassung, dass Sie lernen müssten, die vielen Hackentricks in Ihrem Spiel wegzulassen.

Das stimmt, das hat er mir ein paarmal erklärt. Als Trainer hat man immer das Recht, so etwas zu sagen. Das nehme ich dann auch an. Aber das gehört auch einfach zu meinem Stil, wie ich Fußball spiele. Wenn ich auf dem Rasen das richtige Gefühl dafür habe, mache ich gerne auch mal einen Hackentrick.

Hat Merlin Polzin Ihnen das mit den Hackentricks auch schon gesagt – oder genießen Sie unter ihm offensiv mehr Freiheiten?

Ja, unter Merlin und dem Trainerteam spüre ich noch mehr Freiheiten. Merlin spricht sehr viel mit mir – auch, wenn ich Fehler begehe und er mir dann sagt, was ich nicht gut mache. Das schätze ich wert, weil es mir und meinem Spiel guttut. Merlin und sein Team möchten mir viel helfen und geben mir Freiheiten auf dem Platz. Ich soll ins Eins-gegen-Eins gehen und meine Stärken ausspielen.

Emir Sahiti zeigt das Peace-Zeichen
Gewinner der Vorbereitung: Emir Sahiti zeigte, welches Potenzial in ihm steckt.

Vor Ihrem Wechsel nach Hamburg haben Sie nur im Kosovo, in Nordmazedonien und in Kroatien gespielt: Ist der deutsche Fußball härter und intensiver als Sie dachten?

Schon. Es geht intensiv und aggressiv zu. Aber das ist kein Problem. Es ist nicht leicht, in dieser Liga zu spielen. Aber wenn man für den HSV spielt, muss man damit umgehen können. Denn wir wollen auf dem Platz zeigen, dass wir in die Bundesliga gehören.

Sahiti über Dribblings: „Dann muss ich vorsichtig sein“

Mussten Sie erst verstehen, dass Sie in Deutschland mit weniger Risiko spielen müssen?

Ich weiß: Wenn ich 20 Meter vor unserem Tor am Ball bin, dann muss ich vorsichtig sein. Dann darf ich im Dribbling nicht zu viel Risiko eingehen. Aber wenn ich 20 Meter vor dem gegnerischen Tor bin, kann ich etwas riskieren und mache das auch. Wenn ich das als Flügelspieler nicht mache, wer dann? Damit möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass wir die Spiele gewinnen.

Anders als unter Baumgart lässt Merlin Polzin jetzt in einem 4-3-3-System mit zwei klaren offensiven Flügelspielern spielen. Ist das die Position, nach der Sie sich gesehnt haben?

Ja, das ist die Position, auf der ich am stärksten bin. Unter Steffen Baumgart haben wir oft mit Fünferkette gespielt und ich war zweimal offensiver Rechtsverteidiger. Das kann ich auch, aber der offensive Flügel ist meine Lieblingsposition.

Auch im Training wurde zuletzt wieder verstärkt an Ihren Stärken gearbeitet, Polzin hat die Einheiten dementsprechend angepasst. Hilft Ihnen das?

Auf jeden Fall. Beispielsweise spielen wir viel Elf gegen Elf. Und wenn etwas nicht so läuft wie er sich es wünscht, kommt Merlin zu uns und hilft jedem Spieler. Auch nach den Trainings arbeitet das Trainerteam gerne noch separat mit uns Flügelspielern oder mit Spielern auf anderen Positionen. Merlin weiß, wie er mich stärken muss – und dass ich ihm vertraue.

Für HSV-Offensivmann Sahiti steht die Familie über allem

Gibt es bestimmte Mitspieler, die Ihnen in Ihren ersten HSV-Monaten am meisten geholfen haben?

Ich vertraue jedem Spieler. Wir sind wie eine Familie und genießen den Fußball. Jeder versucht, mir zu helfen. Ich sage den Spielern, die hinter mir spielen wie Willy (William Mikelbrencis; d. Red.) oder Hefti (Silvan Hefti; d. Red.): Sprecht immer mit mir! Denn nur, wenn wir auf dem Feld miteinander sprechen, machen wir uns gegenseitig besser.

Fällt es Ihnen seit der Geburt Ihrer Tochter leichter, schwierige Phasen durchzustehen, weil zu Hause und unabhängig von der sportlichen Situation des HSV immer das Lächeln eines kleinen Menschen auf Sie wartet?

Absolut. Wenn ich nach Hause komme zu meiner Familie, bin ich glücklich. Meine Tochter gibt mir Kraft und hilft mir, immer positiv zu bleiben. Wenn ich nicht spiele oder wir verlieren, bin ich unzufrieden. Das trägt man mit sich herum, weil Fußball mein Beruf ist, den ich liebe. Ich lebe für diesen Sport. Aber Fußball ist Fußball – und Familie ist Familie. Die Familie ist immer an erster Stelle.

Merlin Polzin spricht mit Emir Sahiti
Merlin Polzin brachte Emir Sahiti beim HSV in die Spur.

War Ihre Tochter schon einmal bei einem Heimspiel des HSV?

Ja, das war vor etwa drei Monaten. Das war beim 3:1 gegen Magdeburg (am 20. Oktober 2024; d. Red.), als ich auf der Bank saß und leider nicht gespielt habe. Ich hoffe, sie wird mich bald auch auf dem Platz spielen sehen.

Vielleicht schon am Samstagabend gegen Köln – als Ihr Glücksbringer?

Nein, das Spiel ist erst um 20.30 Uhr, da muss sie leider schon schlafen (lacht).

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Es wird das erste Mal sein, dass Sie bei einem Abendspiel unter Flutlicht im Volkspark auf dem Rasen stehen. Beim 2:2 gegen Schalke waren Sie nicht im Kader, jetzt geht es gegen den Tabellenführer. Ein Highlight-Spiel Ihrer Karriere?

Das wird ein großes Spiel, definitiv. Wir als HSV haben viel Qualität und werden alles geben, um das Spiel zu gewinnen. Dann wird der kommende Samstag genauso schön wie der letzte, als ich meine Tochter nach dem Trainingslager wiedergesehen habe (grinst).

Emir Sahiti steigt zügig in sein Auto, als das Interview beendet ist. Seine Familie wartet. Der 26-Jährige freut sich nach dem Termin mit der MOPO auf seine Frau und seine Tochter – und auf das Sofa in seinem Zuhause, der alten Wohnung von Mario Vuskovic. Denn das Training, gibt er zu, war am Mittwoch sehr hart – genauso wie seine Anfangszeit beim HSV. Sahiti spricht über seine kleine Family, über das Gefühl, angekommen zu sein, über Hackentrick-Ansagen von Steffen Baumgart und Risiken. Und der Kosovare verrät, wie es Merlin Polzin geschafft hat, ihn nach einigen Problemen zu einem der derzeit formstärksten HSV-Profis zu machen.