Spuckte Vuskovic aufs St. Pauli-Logo? HSV-Star kocht vor Wut auf Fans am Millerntor
Beim vereinseigenen Medienteam des HSV machte Luka Vuskovic noch Halt, nach diesem Interview aber marschierte er schnurstracks in die Kabine. Der Kroate wirkte aufgebracht, nicht zufrieden, natürlich auch wegen des Ergebnisses im Stadtderby (0:0). Doch da war noch etwas, was ihn unmittelbar nach Spielschluss beschäftigte, was er als sehr störend empfand. Merlin Polzin sah das ähnlich. Es ging um die Fans des FC St. Pauli, mehrere Banner – und Vuskovic‘ älteren Bruder Mario.
Der noch bis Ende des Jahres wegen Dopings gesperrte Abwehrmann war nicht mit im Millerntor-Stadion, so hatte es Luka bereits vor dem Stadtduell im MOPO-Interview angekündigt. Nach der Nullnummer gegen den Kiezklub erklärte der 18-Jährige bei TV-Sender Sky: „Nein, er war nicht hier. Mario trainiert in Kroatien, um noch stärker zurückzukommen.“ Dann wurde er deutlich – weil sich einige Heim-Anhänger daneben benommen hatten.
St. Pauli-Anhänger nahmen die Familie Vuskovic ins Visier
„Es ist sehr respektlos, meine Familie und meinen Bruder anzugreifen“, sagte Vuskovic, ohne konkreter zu werden. Die Tottenham-Leihgabe sagte in Richtung des Stadtnachbarn nur noch: „Ich habe nichts Gutes über die Fans zu sagen.“ Nach dem Abpfiff und dem Sky-Interview blieb zunächst unklar, welches Fehlverhalten Vuskovic konkret meinte – und was ihm sauer aufstieß. Doch schnell gingen Gerüchte herum, dass es vonseiten St. Paulis zu Gesten und/oder Worten gekommen war, die auf Dopingvergehen anspielten und damit auf die Sperre von Mario Vuskovic, der wegen eines positiven EPO-Tests aus dem Verkehr gezogen worden war.
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In den sozialen Medien tauchten rund eine Stunde nach dem Derby dann Fotos mehrerer Banner auf, die in einem St. Pauli-Block in die Höhe gehalten worden waren. Darauf stand geschrieben: „Aufputschmittel & ehrliche Arbeit? Mach ’ne Handwerkslehre, Mario #44! Irgendein HSVer lügt immer …“ Der Buchstabe „i“ im Namen „Mario“ wurde dabei von einer Spritze dargestellt – offensichtlich eine Anspielung auf Doping.
Mehrere Banner im St. Pauli-Block – Ärger im Kabinentrakt
Vuskovic war in jedem Fall auch im Kabinengang noch in Rage. Augenzeugen berichteten, dass der Kroate gespuckt habe, mutmaßlich auf ein St. Pauli-Logo an einer Tür oder Wand. In jedem Fall kam es zu einem Wortgefecht. Kiezklub-Verteidiger Karol Mets und Co-Trainer Peter Nemeth riefen dem Verteidiger einige Worte hinterher. St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine hatte die Szene selbst nicht gesehen, wurde darauf aber kurz danach angesprochen. „Er hat auf das Logo gespuckt?“, fragte der Australier nach. „Ich bin mir nicht sicher, was passiert ist, einige Leute haben geschrien. Ich kann dazu nichts sagen. Aber das ist interessant, wenn das stimmt.“

Auf der Pressekonferenz sprach Polzin über das, was dieser vermeintlichen Aktion vorangegangen war. „Ein sehr wichtiges und spannendes Thema“, leitete Polzin ein und sprach über „einen 18-jährigen Jungen, der sehr viel Last auf sich trägt“. Damit muss Vuskovic allein schon aufgrund der großen sportlichen Erwartungen an ihn zurechtkommen. Und dann ist da noch der Doping-Fall um seinen Bruder, der ihn emotional belastet. „Nicht nur der HSV, sondern auch der FC St. Pauli steht dafür, dass diese Themen normalerweise sehr sensibel behandelt werden und dass man da auch Verständnis füreinander hat“, sagte Polzin. Bei diesem 113. Stadtderby gestaltete es sich offenbar anders.
Polzin kann Luka Vuskovic‘ „Unmut extrem nachvollziehen“
„Ich kann seinen Unmut extrem nachvollziehen“, sagte Polzin über seinen Innenverteidiger. „Wenn einem diese Sprüche, Worte, Aufforderungen, Gesten oder Handlungen entgegengebracht werden, dann hat das nichts mit dem zu tun, wofür beide Vereine stehen sollten – und auch Hamburg als weltoffene Stadt.“

Polzin wurde grundsätzlich: „Es ist neben dem Spiel, das kein Leckerbissen war, ein Moment, den wir nicht vergessen sollten, weil das Thema zu wichtig ist – den wir aber schnellstmöglich korrigieren sollten, damit so etwas nicht wieder vorkommt.“ Es war ein flammendes Plädoyer des HSV-Coaches.
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Sportlich lieferte Vuskovic auch am Freitagabend wieder einige Ausrufezeichen. Der Youngster räumte in der Defensive so gut wie alles ab, hätte vorne – nach einer Ecke von Miro Muheim – beinahe das 1:0 geköpft (54.). Und er sorgte mit seinen 136 Ballkontakten für einen Rekord in dieser Saison. Diese Bestmarke dürfte ihm an diesem Abend aber ziemlich egal sein. „Die Enttäuschung ist da, weil ich glaube, dass wir drei Punkte verdient hätten“, sagte Vuskovic. „Wir hatten das Gefühl, dass wir sie hatten – deshalb ist das ganze Team ein bisschen enttäuscht.“ Oder auch sauer. Wegen des Resultats. Und der unschönen Ereignisse.
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