Ein Polizist vor dem Weserstadion

Auch am Samstag werden viele Polizisten das Weserstadion absichern. (Archivbild) Foto: imago images/MiS

Spiel „mit erhöhtem Risiko“: So blickt die Bremer Polizei aufs Nordderby

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55 Monate ist es her, das letzte Nordderby im Weserstadion. Am 18. September 2021 siegte der HSV mit 2:0 bei Werder Bremen, damals noch in der 2. Liga. Jetzt steigt das brisante Duell wieder in der Bundesliga, und diesmal fällt es auf den 18. April 2026. Worauf müssen sich die Fußballfans einstellen? Eine erste polizeiliche Entscheidung ist vor der Partie am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) bereits gefallen.

Ein Sprecher der Bremer Polizei bestätigte gegenüber der MOPO, dass das 112. Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und dem HSV als „Spiel mit erhöhtem Risiko“ eingestuft wurde. Von den im Volksmund gängigen Bezeichnungen „Risikospiel“ oder „Hochrisikospiel“ sehen die Behörden in der Regel ab. Unabhängig von der exakten öffentlichen Bezeichnung hat diese Sicherheitsbewertung aber Einfluss auf die Maßnahmen der Polizei.

Werder Bremen gegen HSV: Erste Infos zur Sicherheitslage

Konkrete Details hierzu verrät die Bremer Behörde aus taktischen Gründen nicht – klar ist aber, dass die Partie „mit erhöhtem Risiko“ auch mit einer verstärkten Präsenz von Beamten einhergeht. Am Spieltag wird die Polizei Bremen von Kräften aus anderen Bundesländern unterstützt. Wie viele Polizisten rund ums Nordderby insgesamt im Einsatz sein werden, ist unklar und wird vorab nicht benannt. Noch laufen die Sicherheitsgespräche. Eine Pressemitteilung voraussichtlich am Mittwoch soll den Anhängern und der allgemeinen Öffentlichkeit weitere Informationen bringen.

Vor dem Nordderby im Volkspark: Grüner Rauch stieg über dem Fanmarsch der Werder-Anhänger auf. Lenthe-Medien/Reimer
Grüner Rauch über dem Werder-Fanmarsch
Vor dem Nordderby im Volkspark: Grüner Rauch stieg über dem Fanmarsch der Werder-Anhänger auf.

Zu Fanmärschen vor dem Anpfiff war der Bremer Polizei am Dienstagvormittag noch nichts bekannt. Das allerdings kann sich im Laufe der Woche noch ändern. Vor dem Hinspiel in Hamburg, das der HSV im Dezember mit 3:2 für sich entschied, hatte die Szene des SVW eine gemeinsame Zu-Fuß-Tour zum Volksparkstadion organisiert. Der Werder-Anhang marschierte vom S-Bahnhof Othmarschen in Richtung Arena, an der die HSV-Fans ihre Mannschaft empfingen. Auf einen klassischen Fanmarsch hatten Hamburgs Ultras verzichtet. Stattdessen wurden die Profis auf den letzten Metern Richtung Stadion emotional angefeuert. Diese Aktion hatte auch Coach Merlin Polzin mitinitiiert.

Provokationen – aber Hinspiel verlief weitgehend friedlich

Der Einlass verlief damals weitgehend friedlich. Schlimmere Vorfälle blieben aus – obwohl es im Vorfeld einige Provokationen mutmaßlich vonseiten der Bremer gegeben hatte. Die Plakate, die in Hamburg platziert wurden und unter anderem ein Schwein mit einem HSV-Schal in einem Fadenkreuz zeigten, verfehlten aber ihre Wirkung. Polzin nutzte sie vielmehr, um sein Team zu motivieren – mit Erfolg. Vor der Neuauflage des brisanten Duells ist mit neuen Verschmähungen zu rechnen, zumal sich die sportliche Ausgangslage im Vergleich zum Dezember zugespitzt hat.

Merlin Polzin ging bei der Busankunft am HSV-Stadion durch dichten Pyrotechnik-Rauch. WITTERS
Merlin Polzin geht bei der Busankunft am HSV-Stadion durch dichten Rauch
Merlin Polzin ging bei der Busankunft am HSV-Stadion durch dichten Pyrotechnik-Rauch.

Mit einem Heimsieg könnte Werder (derzeit 28 Punkte, Platz 15) mit dem HSV (31, Rang zwölf) gleichziehen und den ewigen Rivalen wieder tief mit in den Abstiegskampf hineinziehen. Wie viel am Samstag auf dem Spiel steht, hängt auch davon ab, wie sich der Tabellen-16. FC St. Pauli (25 Punkte) am Freitagabend zu Hause gegen den 1. FC Köln (30 Zähler, Platz 13) schlägt. Beim Stadtderby zwischen dem Kiezklub und dem HSV am Millerntor Ende Januar (0:0) waren übrigens bei Weitem nicht so viele Polizisten im Einsatz wie erwartet: lediglich rund 1200 – und damit in etwa 700 weniger als beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Hamburger Vereine in dieser Bundesliga-Saison.

Die Fans der beiden Nordrivalen gelten als feindschaftlich

Der Grund für diese reduzierte Anzahl an Beamten war die veränderte Beurteilung des Lagebilds. Inwiefern dies auch für das Duell zwischen dem HSV und Werder gilt, ist offen. Durch die lange Zweitliga-Angehörigkeit der Hamburger fand das Nordderby im vergangenen Jahrzehnt deutlich seltener statt als zuvor. In der 2. Liga stand man sich in der Serie 2021/22 zweimal gegenüber. In der Bundesliga war der HSV letztmals am 24. Februar 2018 im Westerstadion zu Gast – und verlor aufgrund eines Eigentores von Rick van Drongelen (86.) spät mit 0:1. Bevor es dann im Dezember 2025 erstmals wieder im Oberhaus zum direkten Kräftemessen kam, hatte ein Sprecher der Hamburger Polizei gesagt, dass das Nordderby ein geringeres Gefahrenpotenzial habe als Hamburgs Stadtderby.

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Dennoch: Die Rivalität zwischen den HSV- und SVW-Fans gilt unverändert als feindschaftlich. Auch deshalb erwartet die Bremer Polizei ein „Spiel mit erhöhtem Risiko“. Grundsätzlich werde die Sicherheitslage fortlaufend neu bewertet und man reagiere immer wieder auf neue Entwicklungen. Was das konkret mit Blick auf den Samstag heißt, bleibt abzuwarten. Die anreisenden Anhänger können sich aber bereits darauf einstellen, dass das übliche Verkehrskonzept bei Heimspielen von Werder angewandt wird. Kurzfristige Straßensperrungen rund um den Osterdeich sind am Samstag je nach Einsatzlage möglich. Zudem kommt es am Ufer der Weser zu Teilsperrungen.

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