So planen die HSV-Frauen für Volkspark-Kracher und Bundesliga-Aufstieg
Wochen der Wahrheit für die Zweitliga-Kickerinnen des HSV: Im Februar spielen sie erstmals im Volksparkstadion – und können die Weichen Richtung Aufstieg stellen. Doch wie fit ist der HSV für die Erste Liga? Frauen-Chefin Saskia Breuer gibt in der MOPO Einblicke.
Am Sonntag musste der nächste Bundesliga-Klub dran glauben. Der HSV besiegte Turbine Potsdam in einem Test mit 3:2, es war schon der zweite Erfolg der Aufstiegskandidatinnen gegen ein Team aus der Eliteliga. Im November gelang der weitaus wichtigere: Durch ein 4:2 gegen Carl Zeiss Jena zog der HSV ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein – und damit auch ins Volksparkstadion, in dem das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am 12. Februar stattfinden wird.
12.000 Karten für Pokal-Spiel im Volksparkstadion verkauft
„Dass wir als erstes Frauenteam im Stadion spielen werden, ist etwas total Historisches, ein unfassbar tolles Erlebnis“, freut sich Saskia Breuer, die Koordinatorin des Frauenfußballs im Verein. Die 41-Jährige trat im Sommer die Nachfolge von Catharina Schimpf an, zuvor war sie Fußball-Abteilungsleiterin beim SC Alstertal-Langenhorn.
Der Pokal-Hit vor großer Kulisse (über 12.000 Karten sind schon weg) stellt derzeit alles in den Schatten, aber das mittelfristige Ziel ist es, in die Bundesliga aufzusteigen und sich dort zu etablieren. Nach der Hinrunde steht das Team um Kapitänin Sarah Stöckmann zwei Punkte hinter einem Aufstiegsplatz, am 8. Februar kommt es zum Topspiel gegen den Zweiten Union Berlin.
HSV-Torjägerin wechselte im Winter nach Dortmund
Von solchen Highlights unbeeindruckt kümmert sich Breuer darum, dass die Infrastruktur stimmt. „Rein sportlich haben wir die Voraussetzungen“, sagt sie: „Wir haben tolle, talentierte Spielerinnen, die alles mitbringen. Auch die erfahreneren Spielerinnen sind ja teilweise noch recht jung.“ Wie etwa Lisa Baum, die mit 18 ihr zweites Zweitliga-Jahr spielt und im Test gegen Potsdam einen Hattrick erzielte.
Schon jetzt unsere größte Heimkulisse aller Zeiten. 💙
— HSV-Frauen (@hsvfrauen_) 21. Januar 2025
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Eine andere Torjägerin ist aber im Winter abhanden gekommen: Dana Marquardt wechselte in die viertklassige Westfalenliga, weil Borussia Dortmund der 27-Jährigen eine berufliche Perspektive bot. Transfer-Gründe aus dem Männerfußball der 1960er-Jahre – aber bei den Kickerinnen sitzt das Geld eben nicht so locker.
HSV-Koordinatorin Breuer will Spielerinnen begleiten
„Augenblicklich müssen sich Fußballerinnen neben ihrer Karriere im Sport auch noch ein berufliches Standbein aufbauen“, schildert Breuer: „Es bleibt abzuwarten, ob wir irgendwann an einen Punkt kommen, an dem Spielerinnen sich gar nicht mehr beruflich absichern müssen. Deshalb ist es uns auch wichtig, jede einzelne Spielerin bei Abitur, Ausbildung oder Studium bestmöglich zu begleiten.“
Frauenfußball wächst weiter – aber das erhöht auch den Ausgabendruck. Die derzeitigen Erstliga-Klubs haben im Herbst den „Geschäftsplan Frauen-Bundesliga“ auf den Weg gebracht, um die Spielklasse finanziell zu einem „sich selbst tragenden und eigenständigen Ökosystem“ zu machen.
HSV-Heimspiele mittlerweile im Volkspark
Die Mehrheit der zwölf Vereine pumpt viel Geld in den Männerfußball und sorgt mit ihrer Bekanntheit auch für weiteren Zulauf zu den Frauen – doch die Gefahr einer ökonomischen Abhängigkeit ist kaum von der Hand zu weisen. In Hamburg stellt sich die Frage, ob die Fußballerinnen im Verein bleiben oder in die Profi-AG wechseln sollten. „Im Alltagsbetrieb spielt die Trennung zwischen e.V. und AG keine Rolle“, erklärt Breuer: „Wir prüfen aber im Hintergrund die Optionen.“
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Eine Entwicklung gab es bereits: Zweitliga-Heimspiele finden nicht mehr in Norderstedt oder Eimsbüttel statt, sondern auf Platz 6 direkt am Volksparkstadion. „Ein ganz wichtiger Schritt für die Sichtbarkeit“, sagt Breuer und wünscht sich, „dass noch mehr erkannt wird, dass bei uns mindestens derselbe Aufwand betrieben wird wie bei den Männern. Es ist derselbe Schweiß und dieselbe Leidenschaft.“