Sexuelle Belästigung? Heftige Vorwürfe gegen Ex-HSV-Boss Kuntz
Erst wenige Tage ist es her, da machten sich bei vielen HSV-Anhängern Verwunderung und etwas Wehmut breit. Einen Tag nach dem Jahreswechsel hatte der Verein die Trennung von Sportvorstand Stefan Kuntz vermeldet – aus „persönlichen familiären Gründen“, wie es damals hieß. Tatsächlich aber soll der Aufsichtsrat des Vereins noch ganz andere Argumente für das Ende der Zusammenarbeit gehabt haben. Wie die „Bild“ berichtet, soll es erhebliche Vorwürfe von HSV-Mitarbeiterinnen gegen Kuntz geben, die dem 63-Jährigen sexuelle Belästigung vorwerfen. Kuntz selbst weist die Vorwürfe zurück.
Um kurz nach Mitternacht platzte in der Nacht zu Sonntag die mediale Bombe, die den gesamten HSV in Aufregung versetzt. Demnach soll sich eine Mitarbeiterin des HSV Anfang Dezember an den Aufsichtsrat gewendet und Kuntz erheblich belastet haben. Die Frau habe sich verbal sexuell belästigt gefühlt, heißt es.
Ursprünglich wollte der HSV-Aufsichtsrat den Vertrag mit Kuntz verlängern
Extrem harte Vorwürfe, die von drei weiteren Personen unabhängig voneinander bestätigt worden sein sollen und offenbar für die entscheidende Wende im Vertragspoker der Bosse mit Kuntz sorgten. Ursprünglich hatten die Räte vor, den bis Sommer 2026 datierten Vertrag des Sportvorstandes vorzeitig auszuweiten, ehe die Gespräche im Laufe des Dezembers dann ins Stocken gerieten.

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Statt mit Kuntz zu verlängern, soll der Aufsichtsrat eine externe Anwaltskanzlei eingeschaltet haben, die Gespräche mit der betroffenen HSV-Mitarbeiterin führte. Im Zuge dieses Austauschs soll der Name einer anderen Kollegin gefallen sein, die den Anwälten von ähnlichen Erfahrungen mit Kuntz berichtet haben soll. Mittlerweile sollen noch weitere Betroffene bekannt sein. Als HSV-Aufsichtsratsboss Michael Papenfuß Kuntz mit den Vorwürfen konfrontierte, soll dieser angekündigt haben, Stellung beziehen zu wollen. Dazu sei es aber nie gekommen.
Ex-HSV-Sportvorstand Kuntz nimmt Stellung zu den Vorwürfen
Was ist dran an den Vorwürfen? Die MOPO versuchte am Sonntag vergeblich, eine Stellungnahme von Kuntz einzuholen. Am Abend äußerte der sich dann via Instagram, schrieb: „Mich erreichen zahlreiche Anfragen wegen der aktuellen Berichterstattung über meine Person. Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen. Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück! Im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen habe ich meine Anwälte (Kanzlei Schertz Bergmann) darum gebeten, gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen vorzugehen.“
Schon zuvor war aus dem Umfeld des Ex-Profis zu vernehmen, die Vorwürfe seien falsch. Es sei stattdessen eine Verleumdungskampagne im Gange. Die Trennung vom HSV sei auf Bitten von Kuntz entstanden, da dieser aufgrund familiärer Gründe öfter an seinem Wohnort im saarländischen Neunkirchen gebraucht werde und sich nicht darauf einlassen wollte, dem HSV nicht mehr mit hundertprozentiger Kraft zur Verfügung stehen zu können. Ganz oder gar nicht.
Hört man sich im Volkspark um, wird allerdings hinter vorgehaltener Hand etwas anders gesprochen. Schon direkt nach der Vertragsauflösung machten Gerüchte die Runde, der Verein habe seinem Sportvorstand die Möglichkeit einer eleganten Lösung anbieten wollen, mit der eine nach außen hin saubere Trennung kommuniziert werden könne. Tatsächlich aber hätten die Räte die Beendigung der Zusammenarbeit selbst als unausweichlich angesehen. Auch über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus wurde innerhalb der Fußball-Szene schnell über die wahren Gründe für das Kuntz-Aus gerätselt und philosophiert. Der Verdacht möglicher schwerwiegender Vorfälle wurde zügig zum Tuschelthema.
Der HSV ist weiter um Aufklärung des Falles bemüht
Der HSV ist in der Angelegenheit weiter um Aufklärung bemüht. Kuntz, so berichtet es die „Bild“, habe seinerseits bei der Staatsanwaltschaft Hamburg Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings gestellt. Seit Ende Juli soll er mehrfach anonyme Nachrichten von einer Verehrerin erhalten haben und sei zunehmend beunruhigt gewesen. Kuntz‘ Anzeige, so heißt es, sei wenige Tage nach der internen Anzeige der HSV-Mitarbeiterin erfolgt.
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In jedem Fall überschatten die Vorwürfe gegen Kuntz das Ende der Zusammenarbeit. Unter dem Sportvorstand hatte der HSV im Sommer nach sieben vergeblichen Anläufen endlich den Sprung zurück in die Bundesliga geschafft und sich dort nach anfänglichen Problemen rasch akklimatisiert. Erfolge, die zumindest aktuell komplett in den Hintergrund rücken.
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