Schulz-Schock bei Bayer-Pleite! HSV-Frauen zittern weiter – „Basics haben gefehlt“
Der Abstiegskampf bleibt für die HSV-Kickerinnen eine Zitterpartie – die nun erstmal für knapp vier Wochen unterbrochen ist. Mit dem 1:3 (1:1) gegen Bayer Leverkusen verpassten es die Aufsteigerinnen, sich im Volksparkstadion eine komfortable Ausgangsposition für die letzten vier Runden zu verschaffen. Die Niederlage blieb nicht die einzige schlechte Nachricht für die Rothosen.
In den ersten 20 Minuten erwischte es den HSV doppelt hart: Loreen Bender (9.) köpfte nach einer Ecke noch in die Arme von HSV-Torhüterin Lea Paulick, doch beim nächsten Bayer-Angriff war es so weit: Vanessa Fudalla (10.) zimmerte die Kugel nach Vorarbeit von Katharina Piljic in den Giebel. 1:0 für Leverkusen. Zu allem Überfluss verletzte sich kurz darauf auch noch Victoria Schulz bei einem Klärungsversuch und musste nach längerer vergeblicher Behandlung durch Nigah Mirzaliyeva (18.) ersetzt werden. Nach erster Einschätzung besteht der Verdacht auf eine Bänderverletzung bei Schulz, die sich nach dem Schlusspfiff mit bandagiertem rechten Fuß und Gehhilfen gen Kabine aufmachte. Eine Diagnose soll am Dienstag erfolgen.

Der HSV verdaute diesen Doppel-Rückschlag nur schwer und musste die mangelnde Treffsicherheit der Gäste in Anspruch nehmen, um nicht höher in Rückstand zu geraten: Cornelia Kramer (22.) schoss übers Tor, Bender (24.) machte es ihr nach und schließlich verhinderte der Pfosten einen Torerfolg Kramers (25.). Die Hamburgerinnen kamen in dieser Phase nicht einmal in die Nähe des Bayer-Strafraums. „Wir hatten Glück, dass wir im Spiel gelassen worden sind und Leverkusen nicht mit 3:0 in die Halbzeit gehen kann“, fasste HSV-Kapitänin Pauline Machtens das Geschehen zusammen.
Bartz-Premiere gegen ihren Ex-Klub
Es war ein ernüchternder Spielverlauf, denn eigentlich liegt Leverkusen den Hamburgerinnen. Das Hinspiel am Rhein hatte der HSV erst in letzter Minute verloren, war dafür aber kurz darauf durch einen Sieg nach Elfmeterschießen gegen Bayer ins Pokal-Viertelfinale eingezogen. In diesen beiden Spielen war Paulina Bartz noch für Leverkusen unterwegs, nun spielte die gebürtige Hamburgerin erstmals im HSV-Mittelfeld gegen ihren Ex-Klub.
Mit einem Diagonalpass auf Mia Büchele (29.) sorgte Bartz für etwas Entlastung, doch Büchele wurde an der Strafraumkante gestoppt, ehe es für Leverkusen wirklich gefährlich werden konnte. Lotta Wrede (39.) versuchte es auf eigene Faust beziehungsweise auf eigenen Fuß, kam auch in den Strafraum, verdribbelte sich aber dort.
HSV-Ausgleich durch Linberg-Lupfer
Kleine Zeichen, keine wirklichen Chancen, doch der HSV hatte die Drangphase überstanden und schlug beim dritten eigenen Angriff tatsächlich zu – und wie! Camilla Linberg (41.) ließ auf der linken Seite Bayer-Verteidigerin Claudia Wenger stehen und mit ihrem abgefälschten Lupfer Leverkusens Torhüterin Rafaela Borggräfe keine Chance. Der Ausgleich, bejubelt von 4493 Zuschauer:innen, die sich vom Anstoß an einem Montag um 18 Uhr nicht hatten abschrecken lassen. Ihre Meinung zum ungeliebten Termin verdeutlichten einige HSV-Fans auf einem „Gegen Montagsspiele“-Transparent.

Cheftrainerin Liese Brancao verfolgte das Geschehen wegen einer Gelbsperre von der Tribüne. Vertreten wurde sie von Eren Sen, der in seiner aktiven Zeit ein Bundesliga-Spiel für den HSV bestritten hat. Ausgerechnet bei Bayer Leverkusen, als er in der Schlussviertelstunde für Stefan Beinlich eingewechselt wurde. Bei seinem Chefcoach-Debüt brachte Sen zur zweiten Hälfte Annalena Wucher für Büchele – und musste ansehen, wie sich sein nun mutigeres Team auskontern ließ. Piljic (54.) erhielt den Ball von Bender und schloss zur erneuten Bayer-Führung ab.

Der HSV bemühte sich: Linberg (62.) kam im Strafraum zu Fall, ohne dass es für einen Elfmeter reichte. Die kurz zuvor für Lotta Wrede eingewechselte Melina Krüger (65.) setzte den Ball rechts nebens Tor. Kramer (69.) verpasste auf der Gegenseite den Knockout, als sie eine Hereingabe kurz vor der Torlinie nicht richtig erwischte.
Mickenhagen sorgt für die Entscheidung
Die letzte Chance auf Zählbares für Hamburg ergab sich in der 76. Minute, als Maria Mikolajova und Krüger den Ball in den Strafraum kombinierten, wo Melanie Brunnthaler allerdings nicht entschlossen genug zu Werke ging, um zu einem Abschluss zu kommen. Im Gegenzug bewies Bayer-Jokerin Julia Mickenhagen (77.) mehr Konsequenz und traf zum 1:3 – die Entscheidung. „In der zweiten Halbzeit hat es ein bisschen besser funktioniert, aber trotzdem hat der Zug nach vorne gefehlt“, bemängelte Machtens.
HSV-Trainer Sen: „Die Basics haben gefehlt“
„Eigentlich sind wir mit dem 1:3 noch gut bedient“, resümierte Sen, dem bei seiner Brancao-Vertretung der erhoffte Befreiungsschlag versagt blieb. „Wir sind schwer ins Spiel gekommen und haben die Zweikämpfe nicht richtig angenommen“, zog er als Fazit: „Im Abstiegskampf brauchst du immer mindestens die Einstellung, den Willen, die Aggressivität. Diese Basics haben gefehlt.“
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Auch deshalb bleibt der Kampf um den Klassenerhalt ein kribbliges Unterfangen. Mit 15 Punkten liegt der HSV in der Tabelle als Zwölfter weiter nur knapp vor Essen (12) und Jena (11), die die beiden Abstiegsplätze einnehmen. Vier Spiele sind es noch, doch nun folgt erstmal eine lange Pause. Erst am 26. April geht es für den HSV mit dem Spiel beim Mitaufsteiger 1. FC Nürnberg weiter. Dann spielen auch die Konkurrentinnen aus Essen und Jena gegeneinander – mindestens einer von ihnen wird punkten.
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