„Schlechtestes Jahr meiner Karriere“: Der größte HSV-Wunsch von Grønbæk
Es wäre wohl etwas zu kitschig gewesen, wenn Albert Grønbæk den HSV bei seinem Einstand zum Heimsieg geschossen hätte. Die Chance war da. Und sie war ziemlich spektakulär: 16 Minuten nach seiner Einwechslung (67.) traf der Däne aus knapp 30 Metern per Volleyschuss den rechten Außenpfosten (83.). Es war eine Szene, die den Volkspark beim 1:1 gegen den FC Augsburg nur fast zum Explodieren brachte – aber eine, die Lust auf mehr machte. Grønbæk spielt im Saisonfinale um seine Zukunft und hat eine große Hoffnung.
Sie lautet: endlich wieder bei einem Verein anzukommen und in einer Stadt sesshaft zu werden. „Ich bin ein Spieler, der mehr Konstanz braucht“, sagte Grønbæk nach dem Remis am Samstag und spielte damit einerseits auf seine überwundene, wochenlange Verletzungspause an. Andererseits dachte er bei diesem Satz auch an die vielen Klubs, für die er in den vergangenen vier Jahren schon auflief: Aarhus GF, FK Bodø Glimt, Stade Rennes, zuletzt leihweise der FC Southampton sowie CFC Genua – und seit Ende Januar der HSV.
Albert Grønbæk kam gegen Augsburg zum HSV-Debüt
Obwohl der 24-Jährige vor mehr als zwei Monaten im Volkspark vorgestellt worden war, feierte er erst jetzt, Anfang April, die Pflichtspielpremiere für seinen Leihklub. Denn eine Oberschenkelblessur hatte ihn wochenlang außer Gefecht gesetzt. Er will das alles nun hinter sich lassen. Sein Jokereinsatz im Volkspark soll nur der Anfang gewesen sein. „Es war unglaublich“, staunte Grønbæk nach seinem ersten HSV-Heimspiel. „Die Fans haben uns viel Energie gegeben, vor allem, als wir sie am meisten brauchten. Und dann bin ich stolz, auch stolz auf das Team, wie wir mit der Situation umgegangen sind.“ Damit meinte er die Unterzahl wegen Miro Muheims Platzverweis (63.).
Kurz darauf rief Merlin Polzin Grønbæk zu sich und wechselte ihn erstmals ein. Der Offensivmann brachte es in der Schlussphase auf zwölf Ballkontakte, acht Pässe, eine Flanke und 3,06 gelaufene Kilometer. Es sind keine begeisternden Zahlen, manch eine unglückliche Szene war auch dabei – aber Grønbæk bemühte sich. Und er hätte fast traumhaft getroffen. „Das wäre natürlich unglaublich gewesen“, sagte er hinterher. „Ich habe den Ball sehr gut getroffen.“ Er habe das Leder beim Flug ans Aluminium aber nicht verfolgen können, weil ein Augsburger in seinem Sichtfeld gestanden habe. Die Reaktion der Fans auf den Pfostentreffer sagte dann jedoch alles – und ließ Grønbæk die Hände über den Kopf zusammenschlagen.
HSV hat Kaufoption – Grønbæk ist im Endspurt gefordert
Auch Polzin bedauerte die ausgelassene Chance aufs Siegtor an der Seitenlinie. Er zeigte sich nach dem Abpfiff aber einverstanden mit Grønbæks Leistung: „Wir wussten, dass er für uns eine Verstärkung sein kann, wenn er fit und gesund ist.“ Sogar ein Startelfeinsatz für den achtmaligen Nationalspieler stand im Raum. Doch Polzin entschied sich im Sturm für Robert Glatzel und im offensiven Mittelfeld für Ransford Königsdörffer statt Grønbæk. Letzterer war darüber nicht enttäuscht, er sagte vielmehr: „Eins nach dem anderen. Ich kam rein und habe 20 Minuten gespielt. Das war gut, ein schönes Gefühl, denn ich habe seit Dezember keinen Fußball gespielt. Das ist lang.“ Zu lang nach seinem Geschmack. Er urteilte sogar: „Ich denke, das letzte Jahr war vielleicht das schlechteste in meiner Karriere.“ Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück, sowohl in England bei Southampton als auch in Italien, wohin Stade Rennes ihn im Sommer verlieh.
Weil Grønbæk in der Hinrunde dieser Saison in Genua nicht glücklich wurde und am Ende gar nicht mehr zum Zug kam, eröffnete sich dem HSV im Winter die Chance auf einen Transfer. Bislang ging dieser nicht auf. Doch jetzt will Grønbæk die verbleibenden sechs Ligaspiele nutzen, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Nur, wenn er im Endspurt abliefert, besteht eine realistische Chance, dass die Bosse um Claus Costa die Kaufoption in Höhe von rund fünf Millionen Euro ziehen.
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„Natürlich möchte ich so viel wie möglich spielen, aber es liegt an Merlin, darüber zu entscheiden“, sagte die Rennes-Leihgabe. „Für mich ist es einfach wichtig, ihm zu zeigen, dass ich bereit bin, und dann wird er mich hoffentlich einsetzen. Dann werden wir sehen, was passiert.“ Seine große Hoffnung ist, bald dauerhaft bei einem Verein zu bleiben. Ob es der HSV sein wird, bleibt offen. Aber Polzin konstatierte nach dem Augsburg-Spiel zufrieden: „Es war definitiv ein sehr gelungener Auftritt von Albert.“ Jetzt müsse sich Grønbæk im Training weiter anbieten „und vielleicht dann auch mal einen Meter mehr machen als die anderen“. Nur dann kann der Wunsch des Profis in Erfüllung gehen.