Schiedsrichterin Selina Menzel zeigt Annaleen Böhler vom HSV die Rote Karte

Annaleen Böhler (r.) sieht die Rote Karte von Schiedsrichterin Selina Menzel, der HSV muss eine halbe Stunde in Unterzahl spielen. Foto: IMAGO / Lobeca

Rote Karte, zweimal Latte! HSV-Frauen erkämpfen Remis in Unterzahl

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Das war genau das, was Liése Brancão von ihrer Mannschaft sehen wollte. „Heute wollen wir auf jeden Fall kämpfen“, hatte die HSV-Trainerin vor dem Auswärtsspiel bei Carl Zeiss Jena angekündigt. Und das setzten die Hamburgerinnen dann auch auf dem Platz um – trotz Blitz-Gegentor und Roter Karte. Doch am Ende feierte der HSV – abermals vor einer Rekordkulisse – mit seinen Fans beim 1:1 (0:0) einen weiteren wichtigen Punkt im Bundesliga-Abstiegskampf. Mehr noch: Die Hamburgerinnen sind damit die großen Gewinnerinnen im Tabellenkeller.

So richtig zufrieden waren sie aber trotzdem nicht nach Spielschluss. „Wir haben uns natürlich mehr vorgenommen“, sagte Paulina Bartz etwas enttäuscht und haderte: „Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen für uns. Aber wir sind einfach direkt ein bisschen schwierig ins Spiel gestartet.“

Jena geht gegen die HSV-Frauen ganz früh in Führung

Worauf sie anspielt: Schlusslicht Jena brauchte gerade mal 65 Sekunden, um durch Winter-Zugang Olivia Alcaide in Führung zu gehen (2.). Ein Katastrophen-Start aus Hamburger Sicht vor einer besonderen Kulisse im Ernst-Abbe-Sportfeld: 4125 Fans hatte Jena mit günstigen Tickets ab zwei Euro in die „große“ Arena der Männer gelockt und damit für einen neuen Vereinsrekord gesorgt.

Und der Anhang hätte beinahe direkt noch ein zweites Mal jubeln dürfen, als Melina Reuter mit einem Distanzschuss an der Unterkante der Latte scheiterte (11.). Zu diesem Zeitpunkt war der HSV noch überhaupt nicht angekommen in Thüringen. „Dann aber haben wir es richtig gut gemacht, uns reingekämpft und waren die bessere Mannschaft“, fasste Bartz zusammen.

Paulina Bartz erzielte in Jena ihr erstes Tor für die HSV-Frauen. WITTERS
Paulina Bartz erzielt in Jena ihr erstes Tor für die HSV-Frauen
Paulina Bartz erzielte in Jena ihr erstes Tor für die HSV-Frauen.

Sie selbst war es, die mit ihrem Ausgleichstor (17.) dafür sorgte. Es war das erste Bundesliga-Tor überhaupt für Bartz, die „natürlich glücklich“ darüber sei, aber schnell klarstellte: „Also drei Punkte hätten mir besser gefallen.“

Doch es war ein Wachmacher, die Hamburgerinnen waren jetzt spielbestimmend und nahmem den Abstiegskampf voll an. Bezeichnend: Bei einer erfolgreichen Grätsche von Magou Doucouré an der Seitenlinie sprangen gleich mehrere Spielerinnen von der HSV-Bank auf, bejubelten die Aktion beinahe wie einen Treffer.

HSV-Frauen müssen 30 Minuten in Unterzahl spielen

In dieser Druckphase jedoch verpasste es Hamburg in Führung zu gehen. Lotta Wrede (20.) und Camilla Linberg (21.) vergaben beste Chancen aufs 2:1, gleich mehrere Patzer in der Jenaer Defensive wurden nicht bestraft. Wrede hatte nach einer sehenswerten Einzelaktion dann auch noch Pech, als sie ebenfalls nur die Latte traf (45.+1).

Umkämpft: Die HSV-Frauen um Pauline Machtens (l./im Zweikampf mit Isabella Jaron) warfen in Jena alles rein. IMAGO / Lobeca
Pauline Machtens vom HSV im Zweikampf mit Isabella Jaron von Jena
Umkämpft: Die HSV-Frauen um Pauline Machtens (l./im Zweikampf mit Isabella Jaron) warfen in Jena alles rein.

In einer enorm kämpferischen Partie (27 Fouls, sieben Gelbe Karten) musste der HSV dann aber kurz nach der Pause den nächsten Rückschlag hinnehmen. Innenverteidigern Annalena Böhler sah nach einer Notbremse gegen Torschützin Alcaide die Rote Karte (57.). „Es war das erwartet kampfbetonte und sehr schwere Spiel“, analysierte Kapitänin Pauline Machtens. „Dadurch, dass wir 30 Minuten in Unterzahl gespielt haben, sind wir aber doch ganz froh mit dem 1:1.“

Denn die dezimierten Hamburgerinnen wackelten jetzt auch defensiv, Jena witterte seine Chance. Weil dem Tabellenletzten aber die offensive Qualität fehlte und der HSV mit einer Frau weniger leidenschaftlich verteidigte und alles reinwarf, kämpften sie das Remis über die Zeit.

Bartz glaubt an Klassenerhalt in der Frauen-Bundesliga

Etwas Glück hatte Svea Stoldt allerdings in der Nachspielzeit, dass ihr Handspiel im Strafraum nicht geahndet wurde. Oder wie Jena-Trainer Florian Kästner nach Abpfiff über die Szene schimpfte: „Ich muss versuchen, das diplomatisch auf den Punkt zu bringen. Es waren sehr knifflige Schiedsrichter-Entscheidungen. Alles ist gegen uns gepfiffen worden. Heute fand ich persönlich, dass das schon sehr eindeutig war. Und dann noch das Handspiel zum Schluss …“

Der Ärger ist nachvollziehbar. Schließlich bringt Jena der Punkt nicht wirklich weiter im Abstiegskampf, in dem sich die HSV-Frauen als große Gewinnerinnen des Spieltags fühlen dürfen. Nach der 0:4-Pleite der SGS Essen am Vormittag in Hoffenheim wächst der Vorsprung auf die Abstiegszone auf drei Punkte an – und mit ihm auch das Selbstbewusstsein im Kampf um dem Klassenerhalt.

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„Wir glauben alle zu einhundert Prozent daran“, bekräftigte Bartz nach der dritten ungeschlagenen Bundesliga-Partie in Serie. „Auch wenn es heute mit den drei Punkten nicht geklappt hat – die Mentalität, die wir in der letzten halben Stunde zu zehnt gezeigt haben, werden wir mitnehmen in die nächsten Spiele. Und dann werden wir ganz klar die Klasse halten.“

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