Rodolfo Cardoso ist zurück als HSV-Trainer – er hatte schon zwölf verschiedene Jobs!
Der Name Rodolfo Esteban Cardoso steht beim HSV inzwischen für sehr vieles. Für den langjährigen Spielmacher, den man in Hamburg zunächst loswerden wollte, der sich zu Beginn der 2000er-Jahre aber zu einem echten Publikumsliebling entwickelte. Für den emotionalen Leader, der die Fans im Volkspark regelrecht mitreißen konnte. Aber eben auch für den erfolgreichen Trainer, der mittlerweile in zwölf (!) verschiedenen Funktionen beim HSV aktiv war. Jetzt soll der erfahrene Argentinier die HSV-Frauen vor dem Bundesliga-Abstieg retten. Die MOPO erzählt im Rahmen einer Porträt-Reihe über Hamburger Fußball-Profis seine Geschichte.
Eigentlich ist alles dem FC 08 Homburg zu verdanken. Der kleine Verein aus dem Saarland, der in den 80er-Jahren in der Bundesliga spielt, entdeckt 1989 einen damals 20 Jahre jungen Nachwuchskicker in Argentinien. Der talentierte Mittelfeldspieler kickt für Estudiantes de La Plata in der Provinz der Hauptstadt Buenos Aires, unweit seiner Heimatstadt Azul. Sein klangvoller Name: Rodolfo Esteban Cardoso.
Der HSV will Cardoso anfangs unbedingt loswerden
Über Homburg, den SC Freiburg und Werder Bremen findet Cardoso schließlich den Weg nach Hamburg. Doch weder unter Trainer Felix Magath noch unter dessen Nachfolger Frank Pagelsdorf kommt der argentinische Offensivmann wirklich zum Zug. Also versucht der HSV 1998, den Profi irgendwie loszuwerden. Zunächst in seiner Heimat in Argentinien, wo er an die Boca Juniors und an Estudiantes verliehen wird. Beide Klubs aber sind zu verschuldet, um die geforderte Ablöse bezahlen zu können.

Sein damaliger Berater Oscar Iparraguirre versucht Cardoso auch danach zu vermitteln – erfolglos. Transfers nach Mexiko und Griechenland scheitern ebenso wie zu Eintracht Frankfurt, zu Arminia Bielefeld und zurück nach Freiburg. Es scheint, als wolle keiner den argentinischen Spieler haben. Also kehrt Cardoso im Sommer 1999 zum HSV zurück, obwohl er dort keine echte Perspektive mehr hat. Und er beweist es allen.
„Beim HSV hat der keine Chance mehr.“
damaliger HSV-Trainer Frank Pagelsdorf im Sommer 1999 über Cardoso
Völlig überraschend entwickelt sich Cardoso zum Stammspieler in Hamburg. Mit acht Toren in 28 Spielen führt er den HSV in die Champions League, begeistert die Fans und wird zum Publikumsliebling im Volkspark. Zur Belohnung stattet ihn der Verein in der Winterpause mit einem neuen Drei-Jahres-Vertrag aus und erhöht sein Gehalt auf damals immens hohe 2,2 Millionen Mark pro Jahr. Binnen sechs Monaten spielt sich Cardoso vom Abstellgleis mitten ins Rampenlicht.
Verletzungen im Knie machen immer wieder Probleme
Genauso schnell geht es für den Argentinier dann aber auch wieder bergab. Das linke Knie macht Cardoso immer wieder Probleme, er kämpft mit einem Knorpelschaden. Vier Operationen in nur kurzer Zeit sind die Folge, dazu kommt noch ein kurioser Unfall im Januar 2001, als ihm laut „Welt“ eine Eisentür ins Gesicht schlägt und eine Platzwunde am Auge verursacht. Obwohl Cardoso noch bis 2004 beim HSV bleibt, kann er wegen seiner Verletzungen nie mehr an seine Comeback-Saison 1999/00 anknüpfen.

Als am Ende auch noch mehrere Muskelfaserrisse hinzukommen, läuft der Offensivspieler nur noch für die HSV-Amateure auf. Nach 137 Einsätzen für die Hamburger und acht Einsätzen in der argentinischen Nationalmannschaft beendet er seine Profi-Laufbahn. Doch seine Zeit im Volkspark ist damit noch lange nicht zu Ende – sie hat gerade erst so richtig begonnen.
Cardoso übernimmt beim HSV zwölf verschiedene Jobs
2005 übernimmt Cardoso zunächst verschiedene Aufgaben im Jugendbereich des HSV. Später wird er Trainer des HSV II, Co-Trainer der Bundesliga-Mannschaft und 2011 und 2013 jeweils für zwei Spiele sogar Interimstrainer der Profis. Anschließend kehrt er als Techniktrainer in den Nachwuchs zurück. Danach arbeitet er als Scout, assistiert als Co-Trainer bei der U17 und U19 und agiert als Individualtrainer. Und im April 2026 übernimmt er mit dem Amt des HSV-Frauen-Coaches seine insgesamt zwölfte (!) verschiedene Tätigkeit beim HSV. Ein echter Tausendsassa.
| Zeitraum | Team | Job |
|---|---|---|
| seit 2026 | HSV-Frauen | Trainer |
| 2024 – 2026 | U19 | Individualtrainer |
| 2023 – 2024 | U19 | Co-Trainer |
| 2022 – 2023 | U17 | Co-Trainer |
| 2021 – 2022 | Nachwuchs | Co-Trainer |
| 2019 – 2021 | Nachwuchs | Techniktrainer |
| 2018 | Profis | Co-Trainer |
| 2015 – 2018 | Profis | Scout |
| 2015 | HSV II | Trainer |
| 2014 – 2015 | Nachwuchs | Techniktrainer |
| 2013 | Profis | Interimstrainer |
| 2011 | Profis | Interimstrainer |
| 2011 | Profis | Co-Trainer |
| 2009 – 2014 | HSV II | Trainer |
| 2005 – 2008 | Nachwuchs | Trainer |
| 1996 – 2004 | Profis | Spieler |
Für Cardoso ist es der erste Job im Frauenfußball. Seit zwei Wochen leitet er nun das Training der Bundesliga-Frauen des HSV, am Freitagabend (24. April) gab er beim 1:0-Sieg in Nürnberg direkt sein gelungenes Debüt an der Seitenlinie. Oder vielmehr sein Comeback. Schließlich ist Cardoso, wie es der HSV selbst betont, „eine prägende Persönlichkeit des Klubs“. Nun in seiner zwölften Funktion.
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