Riesen-Challenge für den „Gamechanger“: Gegner-Trainer adelt HSV-Star
Betrachtet man die europäischen Top-5-Ligen, also neben der Bundesliga auch die Premier League, die La Liga, die Serie A und die Ligue 1, ist Luka Vuskovic der torgefährlichste Innenverteidiger Europas. Der Kroate war in dieser Saison bereits fünfmal erfolgreich und somit einmal mehr als etwa Nico Schlotterbeck (BVB), Ex-St. Pauli-Profi Leo Östigard (jetzt CFC Genua) oder Cristian Romero und Micky van de Ven, die für Vuskovic‘ Stammklub Tottenham spielen. Nicht ohne Grund adelt Lukas Kwasniok den HSV-Profil als „Gamechanger“.
Der Trainer des 1. FC Köln kam nicht an Vuskovic vorbei, als er über die starke Entwicklung des Gegners aus dem Norden sprach. „Wenn man sich die Hamburger anschaut, muss man einfach sagen, dass sie nach einem nicht ganz so leichten Start …“, setzte Kwasniok zunächst an und verwies auch auf die 1:4-Pleite des HSV im November in der Domstadt. „Aber ich habe da nie eine Diskussion um einzelne Personen mitbekommen – außer vielleicht im Winter. Da ging es aber um andere Dinge.“ Damit meinte Kwasniok die Unruhe um das Aus von Ex-HSV-Boss Stefan Kuntz.
Köln-Coach Kwasniok lobt den HSV: „Das ist eine Einheit“
Auf diese Causa ging der 44-Jährige nicht weiter ein. Vielmehr hielt er anerkennend fest: „Ich hatte (beim HSV; d. Red.) ansonsten immer das Gefühl, dass da eine Einheit zugegen ist, dass sie auch in einer schwierigen Situation sehr wohl um die Qualitäten von Merlin (Polzin; d. Red.) und dem Trainerteam wussten.“ Tatsächlich wurde seit dem Aufstieg noch kein einziges Mal ernsthaft über Polzins Trainerjob diskutiert – was natürlich ein Verdienst des 35-Jährigen und seiner Kollegen selbst ist. In Köln dagegen steht Kwasniok momentan mit dem Rücken zur Wand. Nach nur zwei Siegen aus den vergangenen 16 Ligaspielen braucht der Coach gegen den HSV einen Befreiungsschlag.

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Vor dem Kölner Gastspiel in Hamburg warb Kwasniok um Vertrauen: „Ich glaube, für den Verein, für diesen Standort, ist nachhaltige Arbeit – wenn du von etwas überzeugt bist – der richtige Weg.“ Beim HSV setzen sie mit Polzin und Co. längst auf Kontinuität. Das nötigt Kwasniok Respekt ab. Der Übungsleiter des FC blickt aber auch staunend auf den Hamburger Kader. „Sie haben am letzten Transfertag noch einiges gemacht, oder relativ spät in der Sommer-Transferperiode“, wusste Kwasniok zu berichten. „Dadurch haben sie ein bisschen gebraucht – aber es ist keine Überraschung, dass sie sich mit kontinuierlicher Arbeit herausgearbeitet haben. Weil sie echt zugeschlagen haben.“
HSV-Transfers hinterlassen auch beim 1. FC Köln Eindruck
Namentlich nannte Kwasniok zunächst Fábio Vieira und Albert Sambi Lokonga, die vom FC Arsenal zum HSV kamen. „Und vor allem Vuskovic, der einfach ein Gamechanger ist für sie“, hob der Köln-Coach hervor. Der 19-Jährige bringt die gesamte Bundesliga zum Staunen, nicht zuletzt aufgrund seiner (Über-)Macht in der Luft. Aber Vorsicht: Am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) wartet Schwerstarbeit auf Vuskovic, denn FC-Stürmer Ragnar Ache hat in dieser Saison genauso viele Kopfballduelle gewonnen (jeweils 124). Gemeinsam stehen sie in dieser Statistik an der Spitze aller Bundesliga-Profis – und das, obwohl der körperlich starke Ache nur 1,83 Meter groß ist und damit zehn Zentimeter kleiner als Vuskovic. Im Hinspiel lieferten sich die beiden Kraftpakete einige harte Zweikämpfe.

Nach dem Heimsieg gegen den HSV am 9. Spieltag standen die Kölner plötzlich auf Rang sieben, während der HSV Tabellen-13. war. Viereinhalb Monate später ist die Ausgangslage umgekehrt. Polzins Mannschaft ist mit 29 Punkten Zehnter und Kwasnioks Team (24 Zähler) steht nur aufgrund des Torverhältnisses nicht auf dem Relegationsplatz. „Die Vorzeichen haben sich ein wenig geändert“, stellte Kwasniok fest. „Aber ich glaube, dass wir sehr wohl in der Lage sind, in Hamburg zu bestehen – wohl wissend um ihre Qualitäten vor allem in der Rotation ihrer Spielanlage.“
Ache oder Vuskovic: Welcher Hüne jubelt am Samstag?
Dem ehemaligen Paderborn-Coach gefällt auch die „defensive Kompaktheit“ des HSV, „die es schwermacht, sie zu bespielen“. Und dann sei da noch der Fan-Faktor: „Sie haben das Publikum im Rücken, das etwas entfachen kann.“ 57.000 Zuschauer werden die Partie live im Stadion verfolgen, die meisten halten es selbstredend mit dem HSV.
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„Aber ganz ehrlich: Ich freue mich unheimlich auf dieses Spiel“, stellte Kwasniok klar. „Ein Samstagabendspiel in Hamburg – was willst du mehr? Wir freuen uns drauf!“ Polzin ergeht es genauso: „Köln ist ein Mitaufsteiger und es ist ein Traditionsduell. Für beide Mannschaften geht es um viel – das liegt in der Natur der Sache, wenn die Spiele weniger werden.“ Neun Duelle sind es noch, bis die Saison für den HSV und den „Effzeh“ endet. Neun Duelle, die für Vuskovic vermutlich die letzten im HSV-Trikot sein werden. Dann wird es ihn aller Voraussicht nach zurück zu den „Spurs“ ziehen. Vorher will der Youngster aber den Klassenerhalt perfekt machen und schon gegen Köln einen ganz großen Schritt für dieses HSV-Ziel setzen. Ache wird ihn fordern – so wie im Hinspiel, als der 27-Jährige zum 1:0 traf und sein erstes von mittlerweile fünf Saisontoren erzielte. Doch diesmal will Vuskovic der „Gamechanger“ sein.
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