Rettete dieser Polzin-Kniff den HSV-Sieg in Heidenheim?
So gut stand der HSV schon seit dreieinhalb Monaten nicht mehr da. Rang elf mit 22 Punkten, dazu noch das Nachholspiel gegen Leverkusen (4. März) in der Hinterhand – klar, dass die Laune beim Aufsteiger nach dem 2:0 in Heidenheim prächtig ist. Auch wenn nicht alles, was in der Voith-Arena glänzte, zugleich auch Gold war, legte der HSV ein deutliches Zeugnis darüber ab, wie viel er im Laufe der Saison dazugelernt hat. Auch Trainer Merlin Polzin stellte einen weiteren Entwicklungsschritt unter Beweis und bewahrte sein Team mit einer klugen Entscheidung vor möglicherweise größerem Schaden.
Bereits in der anstehenden Woche wartet auf den HSV-Trainer eine der größten Bühnen, die es in Deutschland gibt. Kommenden Samstag wird Polzin im ZDF-Sportstudio zu Gast sein und einem Millionenpublikum Einblick in seine taktischen Kniffe gewähren. Einer, der auf den ersten Blick recht simpel wirkte, erwies sich nun in Heidenheim als goldrichtig.
HSV kassierte die meisten Roten Karten der Bundesliga
Eines der größten HSV-Probleme dieser Spielzeit sind die Feldverweise. Fünf Gelb-Rote Karten und eine glatte Rote Karte stehen zu Buche – mehr als bei jedem anderen Bundesligisten. Zuletzt erwischte es vor vier Wochen Daniel Elfadli in Freiburg (1:2). Auch, weil Polzin nicht schnell genug reagierte und darauf verzichtete, seinen gefährdeten Abwehrmann auszuwechseln.

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Das tat er nun in Heidenheim. Bereits nach sieben Minuten war Elfadli von Schiedsrichter Daniel Siebert verwarnt worden, leistete sich später ein weiteres Foul. Die Folge: Nach der Pause wurde der Deutsch-Libyer von Jordan Torunarigha ersetzt. Vor allem, weil Polzin um die Intensität der Partie wusste und davon ausging, dass Elfadli in viele heftige Zweikämpfe verwickelt sein könnte. Ein weiteres Spiel in Unterzahl hätte für den HSV fatale Folgen haben können.
Polzin trifft am Samstag auf seinen früheren Chef Baumgart
Diesmal ging es auch aufgrund der Auswechslung gut. Der Trainer folgte damit seiner eigenen Maxime. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Polzin das Thema Feldverweise mehrfach in der Kabine angesprochen und forderte von seinen Profis Eigenverantwortung ein. Für den Fall brenzliger Situationen kündigte er aber auch an: „Ich habe klar thematisiert, dass natürlich auch ich die Entscheidungen treffen kann.“ Das tat er in Heidenheim und nahm Elfadli vom Feld.

Dass Polzin auch in der Lage ist, sich selbst zu disziplinieren, stellte er in den vergangenen Wochen unter Beweis. Seit der Partie in Freiburg, wo er seine dritte gelbe Karte der Saison sah, droht dem Trainer eine Spielsperre. Die wäre nach der vierten Verwarnung fällig. Doch in den vergangenen Partien gegen Gladbach (0:0), St. Pauli (0:0), Bayern (2:2) und nun in Heidenheim zeigte sich Polzin am Spielfeldrand zwar weiterhin entschlossen, im Gespräch mit den Referees aber nicht mehr so impulsiv.
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Die latente Gefahr einer Sperre bleibt natürlich, eine Sorge aber wurde Polzin in Heidenheim genommen – denn ein Fehlen am kommenden Samstag hätte doppelt weh getan. Dann (15.30 Uhr, Liveticker auf mopo.de) kommt Union Berlin mit Ex-HSV-Trainer Steffen Baumgart in den Volkspark. Polzin zählte einst zu seinem Trainerstab, beerbte Baumgart dann im November 2024 als Hamburgs Chefcoach und führte den Verein in die Bundesliga. Nachdem im Hinspiel (0:0) Baumgart eine Sperre absitzen musste, ist der Weg nun frei für das Wiedersehen. Im Übrigen eines ohne Groll: Polzin und Baumgart verfügen weiterhin über einen guten Draht.
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