Rekordjagd zum HSV-Abschied: Vuskovic kann auch Bayern-Star Olise beerben

HSV-Profi Luka Vuskovic jubelt
Luka Vuskovic (r.) steht vor seinen voraussichtlich letzten Einsätzen als Profi des HSV.

Offiziell ist Luka Vuskovic noch bis zum 30. Juni ein HSV-Profi. Bis dahin läuft seine Leihe. Auf einem Hamburger Fußballplatz wird man ihn in zwölf Wochen aber nicht mehr sehen können, sondern bei der WM in Nordamerika. Am 27. Juni trifft Kroatien im letzten Gruppenspiel auf Ghana. Seine HSV-Abschiedstour wird dann längst vorbei sein. Sie beginnt jetzt – und handelt von Rekorden, letzten Highlights, Auszeichnungen und einem ganz speziellen Datum.

Vuskovic steht seit erst sieben Monaten im Volkspark unter Vertrag – und trotzdem bereits auf Platz 35 der torgefährlichsten HSV-Abwehrspieler jemals. In 26 Partien war er fünfmal selbst erfolgreich, das macht 0,19 Treffer pro Spiel. Zum Vergleich: Manfred Kaltz, der mit großem Abstand beste Defensiv-Knipser in der Geschichte des Vereins mit 101 Buden (!) bei 741 Einsätzen, brachte es auf einen Schnitt von 0,14. Aus dem aktuellen Kader liegt nur Linksverteidiger Miro Muheim (zehn HSV-Tore) in diesem historischen Ranking vor Vuskovic.

Luka Vuskovic geht in sein persönliches HSV-Finale

In der Klub-internen Torjägerliste der laufenden Saison teilt sich der Kroate den Spitzenplatz derzeit mit Rayan Philippe, Albert Sambi Lokonga und Fábio Vieira. Sie alle stehen bei fünf Bundesliga-Treffern. Auf dieselbe Ausbeute kamen Nicolai Müller, Michael Gregoritsch und Bobby Wood 2015/16 – es war bis heute die letzte Spielzeit, in der mehrere HSV-Profis zugleich auf Rang eins lagen. Den Minusrekord halten Rafael van der Vaart und Pierre-Michel Lasogga: Bevor es 2014/15 in die Relegation ging, hatten sie an 34 Bundesliga-Spieltagen jeweils nur vier Tore erzielt. Vuskovic übertrumpft sie also schon jetzt, sieben Partien vor dem Saisonende.

Ob er den persönlichen Bestwert von Hans-Jörg Butt noch knacken wird, ist offen. Der Ex-Keeper schaffte 1999/2000 neun (!) Ligatreffer – genauso viele wie die Stürmer Anthony Yeboah und Roy Präger. Butt schoss damals all seine Tore vom Elfmeterpunkt. Von dort war zuletzt auch Vuskovic erfolgreich, beim 2:1 in Wolfsburg. Sollte der 19-Jährige auch den oder die nächsten Elfer treten, wäre es umso wahrscheinlicher, dass er diese Saison ganz vorn in der Tor-Rangliste des HSV beendet. Das wäre fraglos speziell, wenn auch kein Alleinstellungsmerkmal.

Tor-Rekorde: Vuskovic auf den Spuren von Butt und Nogly

Der einzige Verteidiger, der seit der Bundesliga-Gründung mal zum besten HSV-Schützen avancierte, war Peter Nogly: Der heute 79-Jährige netzte in der Saison 1975/76 insgesamt neunmal ein – und überbot damit seine Kollegen Caspar Memering, Willi Reimann, Georg Volkert und Ole Bjørnmose (alle sieben). Nogly war seinerzeit 29 Jahre alt. Dem 19-jährigen Vuskovic ist heute alles zuzutrauen. Das glaubt auch der 57-jährige Nico Hoogma.

Luka Vuskovic geht mit gestrecktem Bein zum Ball
Zug zum Tor: Luka Vuskovic ist mit fünf Treffern bester Torschütze des HSV.

„Es ist unglaublich, wie erwachsen Luka spielt“, staunt Hoogma im Gespräch mit der MOPO. „Er ist kopfballstark und hat einen Riecher, auf der richtigen Position zu stehen. Das ist natürlich Qualität.“ Über ebendiese verfügte auch der Ex-HSV-Kapitän zu aktiven Zeiten: 2001/02 knipste Hoogma als zentraler Abwehrmann fünfmal. Er erinnert sich sogar: „Ich hatte einen Schnitt von drei Toren pro Saison. Das ist ziemlich viel für unsere Position.“ Vuskovic kann sogar noch mehr: Vergangenes Jahr verbuchte er bei Ex-Leihverein KVC Westerlo sieben Buden.

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Auch wegen seiner Treffsicherheit wurde Vuskovic kürzlich zum vierten Mal zum „Rookie of the Month“ der Bundesliga gekürt – diesmal im Monat März, in dem er sich gegen Yan Diomande (RB Leipzig) und Hennes Behrens (1. FC Heidenheim) durchsetzte. Im Bewertungszeitraum leistete er sich kein einziges Foul. Zuvor hatte Vuskovic bereits im September, Oktober und Januar bei der offiziellen DFL-Abstimmung triumphiert, an der sich sowohl Fans (zu 40 Prozent) als auch Klubs und Experten (je 30 Prozent) beteiligen. Zur Wahl stehen ausschließlich Spieler, die vor dem Saisonstart unter 23 waren.

Seit Einführung dieser Auszeichnung in der Saison 2016/17 wurde nur Victor Boniface so oft geehrt wie Vuskovic. Der Nigerianer holte sich 2023/24, als er für Leverkusen 14 Tore schoss, sogar den Titel „Rookie of the Season“. Es würde nicht verwundern, wenn der Nach-Nachfolger von Boniface in ein paar Wochen Vuskovic heißt. Im letzten Jahr siegte Bayerns Michael Olise.

Tor des Jahres: Vuskovic auf Platz zwei hinter Díaz

„Rookie of the Month“ wurde vor Vuskovic nur ein anderer HSV-Profi: Fiete Arp im November 2017. Das damals größte Juwel des Vereins hatte keine zwei Monate zuvor sein Bundesliga-Debüt gefeiert: Beim damaligen Duell mit Werder (0:0) war Arp kurz vor Schluss eingewechselt worden. Gut acht Jahre später gab Vuskovic im Dezember 2025 seine Nordderby-Premiere – und was für eine. Beim 3:2-Heimsieg traf er traumhaft mit der Hacke hinter dem Rücken. Im Voting der ARD-„Sportschau“ reichte es für Vuskovic „nur“ zum zweiten Platz hinter Bayern-Star Luis Díaz – laut einer Fan-Abstimmung der DFL aber war er der Schütze des „Top-Tor des Jahres“.

Luka Vuskovic läuft Andrej Ilic davon.
Durchsetzungsstark: Luka Vuskovic ist der beste Zweikämpfer der Bundesliga.

„Ich hatte ein bisschen Glück“, gestand Vuskovic nach dem Hinspiel, und betonte: „Dieser Sieg bedeutet uns alles.“ Das Rückspiel in Bremen am 18. April wird aller Voraussicht nach eines der letzten Vuskovic-Highlights im HSV-Trikot sein. Bei aller Berechtigung von Träumen, Luka und Mario nächste Saison Seite an Seite spielen zu sehen, müssen sich die Fans mit dem nahenden Abschied des jüngeren Bruders arrangieren. Er gehört Tottenham. Sein Verbleib ist quasi ausgeschlossen.

10. Mai: Vuskovic-Kreis könnte sich schließen

Vuskovic’ Rückkehr von der Länderspielreise ist deshalb gleichbedeutend mit dem Beginn seiner Abschiedstournee von Hamburg. Davon ausgehend, dass der HSV die Relegation vermeidet, wird der Youngster am Samstag zum (vorerst) drittletzten Mal im Volksparkstadion auflaufen. Nach dem FC Augsburg und dem Nordderby warten nur noch die Heimspiele gegen Hoffenheim am 25. April und Freiburg am 10. Mai.

10. Mai? Da war doch was. An diesem Tag im Jahr 2025 schaute sich Vuskovic das 6:1 gegen Ulm live im Stadion an. Bei der anschließenden Party machte Claus Costa ihm einen Leihwechsel zum HSV schmackhaft. Dreieinhalb Monate später, am 29. August, unterschrieb Luka tatsächlich in Hamburg. Und exakt ein Jahr nach dem Aufstiegsspiel wird sich gegen Freiburg für ihn ein Kreis schließen – am 10. Mai 2026, vielleicht ja sogar inklusive Feier des Klassenerhalts. Die abschließende Partie in Leverkusen am 16. Mai ist womöglich nur noch die Kür. Wobei: Wer Vuskovic kennt, der weiß, dass er bis zur letzten HSV-Sekunde alles reinwerfen wird – zumal es für ihn bis zum 34. Spieltag um individuelle Rekorde geht.

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Bei den siegreichen Kopfbällen wurde er zuletzt von Leipzigs Willi Orbán auf Rang zwei verwiesen, die Differenz (139 zu 137) kann der HSV-Profi aber noch locker aufholen. Für die Statistik ist es unerheblich, ob die Duelle in der Defensive oder Offensive gewonnen werden. Auch Hoogma war früher ein Spezialist in der Luft und sagt: „Es ist schön, wenn man als Abwehrspieler vorne gefährlich sein kann.“ Timing, Sprungkraft, Bogenspannung: Der Niederländer findet, dass Kopfbälle heutzutage „viel zu selten“ trainiert werden – und schränkt gleichzeitig ein: „Das Gefühl, wo der Ball am Ende landet, trägt man in sich oder nicht.“ Vuskovic habe dieses Gespür. Und noch viel mehr.

Hoogma: Vuskovic „kann Großes erreichen“

Bei der Zweikampfquote ist der 1,93-Meter-Hüne laut „Sportschau“ mit einem Wert von 70,54 Prozent der Führende unter allen Erstliga-Profis – vor Bremens schwer am Knie verletzten Amos Pieper (69,43) und Orbán (66,74). Bei den MOPO-Durchschnittsnoten rangiert er mit einem Wert von 3,00 auf Platz zwei hinter Keeper Daniel Heuer Fernandes (2,98). Der „Kicker“ führt ihn ebenfalls mit einem Wert von 3,00 – und auf Platz acht unter allen Bundesliga-Verteidigern.

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Bei seinem Wechsel zum HSV hatte transfermarkt.de Vuskovic’ Marktwert noch auf zwölf Millionen Euro taxiert. Jüngst wurde er hochgestuft – und ist mit 60 Millionen Euro jetzt der teuerste HSV-Spieler jemals. Was ist da noch möglich? „Er ist noch jung“, weiß Hoogma und ahnt: „Wenn seine Entwicklung so weitergeht wie jetzt in der Bundesliga, kann er etwas sehr Großes erreichen.“ Egal, bei welchem Klub. Und wahrscheinlich mit vielen Toren.