Der HSV-Nachwuchs jubelt

Der HSV-Nachwuchs rund um Louis Lemke (Mitte) vergrößerte die Abstiegssorgen von Eintracht Norderstedt. Foto: IMAGO/Niklas Heiden

Toptalent (16) lässt HSV-Nachwuchs in Norderstedt jubeln

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Langsam, aber sicher wird die Luft so richtig dünn für Eintracht Norderstedt. Auch im siebten Pflichtspiel in Folge konnte das Team von Trainer Jörn Großkopf nicht gewinnen. Zu effizient war der HSV-Nachwuchs rund um Matchwinner Louis Lemke. Der 16-Jährige ebnete vor 1085 Fans im Edmund-Plambeck-Stadion mit einem Tor und einer Vorlage den Weg zum 1:2 (0:2)-Erfolg für die Rothosen.

Durch den Sieg der Zweitvertretung des FC St. Pauli in Emden (0:1) ging Norderstedt mit ordentlichem Druck ins Spiel. Nur ein Punkt trennte die Eintracht von einem direkten Abstiegsplatz – und die Kiezkicker hatten schon vor der Partie ein Spiel weniger auf dem Konto.

Den Druck merkte man den Gastgebern früh an. Schon nach vier Sekunden der erste große Aufreger, als Norderstedt-Keeper Niklas Petzsch ein langer Ball abrutschte und an HSV-Stürmer Maurice Boakye abprallte. Das anschließende Laufduell konnte Petzsch für sich entscheiden und den Ball in die Norderstedter Nachbarschaft klären.

Yalcinkaya trifft früh für den HSV – Norderstedt ohne Ideen

Zeit zum Durchatmen bestand dennoch nicht. In der vierten Minute der nächste Angriff des HSV. Louis Lemke passte in den gegnerischen Strafraum, Boakye ließ durch und Bilal Yalcinkaya verwertete zum frühen 0:1. Anschließend kam von beiden Seiten wenig. Norderstedt wirkte ideenlos und versuchte es regelmäßig mit langen Bällen, die jedoch überwiegend den Kopf von HSV-Verteidiger Lukas Bornschein fanden.


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Zu allem Übel setzte sich Fabian Grau wenig später auf den Boden und griff sich an den hinteren Oberschenkel (19.). Zwar versuchte er es noch einmal, dann musste er sich doch auswechseln lassen. Bitter für die Hausherren, denen die Innenverteidiger langsam ausgehen. Lucas Schulze ersetzte Grau als gelernter Achter in der Defensive (27.).

Norderstedts Fabian Grau musste schon in der ersten Halbzeit verletzungsbedingt vom Platz. IMAGO/Niklas Heiden
Fabian Grau sitzt am Boden
Norderstedts Fabian Grau musste schon in der ersten Halbzeit verletzungsbedingt vom Platz.

In der 24. Minute durfte sich HSV-Torwart Bennet Schmidt erstmals als Rothose auszeichnen. Bei seinem Debüt parierte der 26-Jährige einen sehenswerten Distanzschuss von Yevhenii Obushnyi. Kurz zuvor hätte Jonas Behounek bereits die Chance zum Ausgleich haben können, doch er verzögerte zu lange. Sinnbildlich für das Spiel der Heimmannschaft – zu inkonsequent.

Lemke erhöht auf 0:2 – Norderstedt vergibt Riesenchance

Das bestraften die Gäste. Sie kreierten zwar weniger selbst, doch wenn, dann wurde es gefährlich. So auch in der 41. Minute, als ein Ball von Dorian Migalic von außen durch die gesamte Eintracht-Defensive rutschte. Louis Lemke kam völlig ohne Druck an den Ball und schob gegen die Laufrichtung von Petzsch zum 0:2 ein.

Auch in der zweiten Hälfte fand der HSV den besseren Start. Erst vergab Lemke nach einem schönen Steckpass von Boakye die Chance aufs 0:3, dann konnte Petzsch erstmals glänzen (51.). Einen satten Dropkick von Davis Rath konnte der Eintracht-Keeper traumhaft aus dem oberen linken Eck kratzen.

Dann die Riesenschance auf den Anschlusstreffer auf der anderen Seite. Lemke zog das Foul im Halbfeld, doch Schiedsrichter Tim-Alexander Strampe ließ mit lobenswerter Auslegung der Vorteilsregel weiterlaufen. Wieder war es Schmidt, der erst gegen Melvin Zimmer parierte und sich dann in den Schuss aus kürzester Distanz von Lukas Krüger warf.

Norderstedt fordert Elfmeter – Schmidt rettet HSV

In der 70. Minute wurde es noch mal richtig laut im Edmund-Plambeck-Stadion. Die Heimfans wollen ein strafwürdiges Foul im gegnerischen Strafraum gesehen haben, doch der Schiedsrichter entschied auf ein offensives Handspiel.

Es ging Schlag auf Schlag. Vom HSV kam wenig, doch die Norderstedter nutzten ihre Chancen nicht. Kurz darauf die Definition einer hundertprozentigen Chance: Krüger musste eigentlich nur aufs leere Tor einschieben, doch vollbrachte das Kunststück, den Ball so langsam zu treffen, dass Migalic noch dazwischen gehen und auf der Linie retten konnte (71.). „Was soll ich dazu sagen… Ich hätte ihn gerne drin gesehen, dann haben wir noch 15, 20 Minuten, den Ausgleich zu machen. Aber er macht das nicht mit Absicht“, zeigte sich Norderstedt-Coach Jörn Großkopf nach dem Spiel ratlos über die Szene.

Krügers Anschlusstreffer kommt zu spät

Es machte fast den Eindruck, als hätte der HSV Erbarmen mit den abstiegsbedrohten Gastgebern. In der 84. Minute geschah dann doch das, was zuvor unmöglich schien. Ohene Köhl brachte Jonas Behounek in eine Abschlussposition. Dessen Schuss wurde zur Vorlage für Krüger, der es jetzt besser machte und aus dem Fünfmeterraum zum 1:2 traf. Zu spät das Aufbäumen der Gastgeber. Anschließend schafften es die Norderstedter nicht mehr, das Spiel gänzlich zu drehen oder zumindest einen Punkt mitzunehmen. Mit 1:2 verlor die Eintracht gegen den HSV-Nachwuchs.

Entsprechend enttäuscht war Großkopf nach Abpfiff: „Im Prinzip kann ich die Leier der letzten Wochen wiederholen. Wir machen viele Sachen richtig, aber auch ein paar sehr verkehrt. Vor allem in der ersten Viertelstunde sehen wir nicht gut aus, waren ein wenig schläfrig“, so der Coach auf der Pressekonferenz.

HSV-Coach Lukas Anderer zeigte sich nach dem Spiel vor allem mit der Einstellung seines Teams zufrieden: „Wir haben alles reingeworfen. Ich musste zwei Jungs auswechseln, die einfach am Ende waren. Das kommt auch nicht so oft vor – das war schon ein gutes Engagement von unseren Jungs.“

HSV-Trainer Anderer über Lemke: „Schauen, wo die Reise hingeht“

Einer, der alles auf dem Platz gelassen hat und mit Krämpfen ausgewechselt werden musste, war Lemke, wie Anderer verriet. „Ich weiß gar nicht, ob ihm was fehlt. Der Junge ist gefühlt gerade erst 16 geworden, trainiert jede Woche bei den Profis, geht noch zur Schule und spielt am Wochenende bei uns. Ich glaube, dass er gerade ganz viel auf dem Zettel hat, sich aber dafür unglaublich gut entwickelt. Er war dann auch einer, der mit Krämpfen runter muss, weil er alles reinhaut“, lobte Anderer den 16-Jährigen.

Auch über Lemkes Zukunft äußerte sich der Trainer: „Ich glaube, das ist genau der richtige Weg, bei ihm diese Phase gut zu begleiten, ihm möglichst viele Möglichkeiten zu geben, besser zu werden. Und dann schauen wir mal, wo die Reise hingeht, aber man muss auch immer daran denken, dass er erst 16 ist.“

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Durch den verpassten Befreiungsschlag wird es jetzt noch mal richtig eng für Norderstedt. In den letzten fünf Spielen der Saison trifft die Eintracht noch auf drei Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel. „Ich habe den Jungs gesagt: Ab jetzt zählt es noch mehr denn je“, so Großkopf. Auch Anderer sprach den Norderstedtern noch Mut zu: „Euch wünsche ich alles Gute. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr drinnen bleibt. Wenn ich mir die zweite Halbzeit angucke, ist das auf jeden Fall möglich.“ Für den HSV, der sich am Bremer SV vorbei auf Platz sechs schieben konnte, geht es lediglich noch um die Endplatzierung.

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