Daniel Elfadli, Albert Sambi Lokonga, Nicolai Remberg und Luka Vuskovic nebeneinander auf dem Spielfeld

Daniel Elfadli, Albert Sambi Lokonga, Nicolai Remberg und Luka Vuskovic (v.l.) zählen zu den passstärksten Profis des HSV. Foto: imago images/RHR-Foto

Rätsel um HSV-Profi: Erst Pass-König – und plötzlich nicht mal Top 100?

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Der Zwischenstand nach vier Spieltagen war schon erstaunlich. Gar nicht so sehr die tabellarische Situation des HSV, der durch seinen ersten Saisonsieg (2:1 gegen Heidenheim) auf den 15. Platz gesprungen war. Es ging dabei vielmehr um Daniel Elfadli, der mit 96,32 Prozent die beste Passquote aller (!) Bundesliga-Profis aufwies. Der HSV-Allrounder thronte wochenlang ganz oben – ist in der offiziellen Spieler-Statistik der DFL auf bundesliga.com mittlerweile aber nicht mal mehr unter den Top 100 zu finden. Das wirkt doch sehr rätselhaft.

Vielleicht wurde der Datensatz online noch nicht aktualisiert, womöglich liegt ein Synchronisationsfehler vor, beides ist möglich, zumal die Daten-Experten der DFL bisweilen die händische Pflege der Statistiken bevorzugen sollen. Für den Moment jedenfalls hat Elfadlis 61-Minuten-Einsatz am Samstag gegen Frankfurt (1:1) nichts daran geändert, dass er auf bundesliga.com nicht zu den 100 Erstliga-Profis mit der besten Passquote zählt. Stand: Mittwochmittag.

HSV-Profi Elfadli war lange auf Platz 1 in der DFL-Statistik

Ganz vorne in der entsprechenden Spieler-Statistik thront Bayern-Verteidiger Jonathan Tah. Demnach kamen in dieser Saison bisher 96,06 Prozent seiner Zuspiele bei einem seiner Mitspieler an. Auf den weiteren Plätzen folgen die Leverkusener Aleix García (94,24 Prozent), Loic Badé (93,94 Prozent) und Edmond Tapsoba (92,96 Prozent) sowie Münchens Mittelfeldstratege Joshua Kimmich (92,65 Prozent). Der erste HSV-Profi taucht auf Rang 13 auf – es ist Nicolai Remberg (90,37 Prozent). In den Top 100, die online abrufbar sind, sind darüber hinaus noch Luka Vuskovic (86,15 Prozent; Platz 35), Nicolás Capaldo (78,01 Prozent; Rang 70), Miro Muheim (75,16 Prozent, Platz 86) sowie Ransford Königsdörffer (67,95 Prozent; Rang 96) zu finden. Aber Elfadli? Der fehlt in diesem Ranking.


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Das verwundert aus gleich zwei Gründen. Erstens: Laut „Opta“ leistete sich der 28-Jährige bei seinem Comeback gegen Frankfurt keinen einzigen Fehlpass. Demnach kamen alle (!) 45 Pässe, die er spielte, bei einem anderen HSV-Profi an. Eine Quote von 100 Prozent schaffte ansonsten kein einziger Startelfspieler auf dem Platz. Auf Hamburger Seite kamen ihm Remberg (90 Prozent bei 40 Zuspielen), Albert Sambi Lokonga (85 Prozent, 33) und Vuskovic (82 Prozent, 56) am nächsten. Joker wie Immanuel Pherai oder Eintrachts Can Ozun (je 100 Prozent) sind außen vor.

Abrutschen in der Tabelle: Elfadlis Verletzung ist der Grund

Zweitens: Auf anderen Websites wird Elfadli weiterhin mit einer der stärksten Passquoten der Liga geführt. Ein vergleichbares Ranking auf sport.de führt den Deutsch-Libyer etwa mit einem Wert von 95,83 Prozent auf. Dort steht Elfadli unter allen Bundesliga-Spielern mit mindestens fünf Saisoneinsätzen auf Rang zwei hinter Tah (96,23). Und an dieser Stelle kommt die entscheidende Erklärung. Sie ist verbunden mit dem Begriff: „Mindesteinsatzzeit“.

Während Userinnen und User auf sport.de die Möglichkeit haben, das individuelle Pass-Ranking anhand bestimmter Kriterien ausrichten zu lassen (Anzahl an Einsätzen, Anzahl angekommener Pässe, Anzahl an Fehlpässen, Anzahl an gespielten Pässen insgesamt, Passquote), haben die Statistiker der DFL eine Grundsatzentscheidung getroffen

„Den Ranglisten liegt (…) eine benötigte Mindesteinsatzzeit zugrunde“, teilte ein Sprecher der MOPO mit. Demnach werden für das Ranking auf bundesliga.com nur Profis berücksichtigt, die mindestens zwei Drittel der Einsatzzeit in dieser Saison absolviert haben. Eine Rangliste ohne diese Festlegung wäre laut der DFL „irreführend, da dann einige Spieler mit wenigen oder sehr kurzen Einsätzen und wenigen (erfolgreichen) Pässen bei 100 % und Platz 1 landen“.

Daniel Elfadli sprach nach dem 1:1 gegen Frankfurt zu den HSV-Fans. WITTERS
Daniel Elfadli spricht mit dem Mikrofon in der Hand zu den HSV-Fans.
Daniel Elfadli sprach nach dem 1:1 gegen Frankfurt zu den HSV-Fans.

Das leuchtet ein. Wenn man nicht filtert, steht BVB-Profi Salih Özcan bei sport.de mit einer Fabelquote von 100 Prozent auf dem ersten Rang. Das heißt, dass sich Özcan in dieser Spielzeit noch keinen einzigen Fehlpass geleistet hat – der 27-jährige Dauer-Reservist hat bei nur drei Einsätzen insgesamt aber auch erst 28 Pässe gespielt. Diese Umstände kalkuliert die DFL in ihren Statistiken ein. Es bleibt aber dennoch eine Frage: Wieso bringt es Elfadli, der beim HSV normalerweise als Stammkraft gilt, derzeit nicht auf die für das DFL-Ranking benötigte Mindestspielzeit?

66,6 Prozent Spielzeit: HSV-Profi rutschte unter die Quote

Dass Elfadli nicht nur den ersten Platz verloren, sondern sogar aus den Top 100 gerutscht ist, liegt nicht daran, dass seine Pässe erschreckend ungenau geworden sind. Schuld ist vielmehr die Adduktorenblessur, wegen der er vom 10. bis zum 13. Spieltag vier Bundesliga-Partien verpasste. Danach kehrte der Ex-Magdeburger zurück und stand nun bei elf der insgesamt 15 Spiele auf dem Platz, was einer Quote von 73,3 Prozent entspricht – also mehr als zwei Dritteln. Allerdings wurde Elfadli zweimal ein- und dreimal vorzeitig ausgewechselt, zuletzt ja auch gegen Frankfurt.

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Exklusive der Nachspielzeit hat er zur Winterpause nun 832 der insgesamt möglichen 1350 Spielminuten bestritten – das macht einen Anteil von 61,6 Prozent, also weniger als zwei Drittel (66,6 Prozent). Erst, wenn Elfadli im neuen Jahr wieder über diese Grenze rutscht, wird er wohl wieder im DFL-Ranking auftauchen. Und zwar sehr weit oben. Trotz der statistischen Verwirrung bleibt es dabei, dass Elfadli einer der passstärksten Spieler der Bundesliga ist.

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