Protest im Volkspark: Das steckte hinter dem Schweigen der HSV-Fans
Am Ende war die Erleichterung riesig, nämlich über den ersten Heimsieg der Saison, der mit mehr als 4000 Zuschauern gefeiert wurde. Das Finish inklusive Last-Minute-Tor zum 2:1 war dramatisch. So richtig Stimmung war beim Spiel der HSV-Frauen gegen die SGS Essen zunächst aber nicht aufgekommen. Das ist ungewöhnlich für das Volksparkstadion und lag weniger an der höhepunktarmen Anfangsphase – sondern am gemeinsamen Protest der Heim- und Auswärtsfans gegen die Montagsspiele in der Frauen-Bundesliga.
Zu diesem hatte das FannetzwerkFF, der Zusammenschluss organisierter und unorganisierter Fans der Frauen-Bundesligisten, in der vergangenen Woche aufgerufen. „Für uns aktive Fans, die viel Zeit im Stadion, auf dem Weg dorthin oder wieder nach Hause verbringen oder sich unter der Woche intensiv auf einen Spieltag vorbereiten, wird ein aktives Fanleben zunehmend schwieriger“, hieß es in einem Offenen Brief. Kritisiert wird auch, dass die Anstoßzeit montags von 19.30 Uhr auf 18 Uhr vorverlegt wurde. Das gilt seit der vergangenen Saison 2024/25. Und das macht einen Stadionbesuch zu Beginn der Woche noch schwieriger – vor allem für Gästeans.
Fans beklagen Montagsspiele in der Frauen-Bundesliga
„Allein dieser kleine Schritt verdeutlicht, was Fußball für die Manager:innen der Fernsehsender ist, nämlich ein Spielzeug, das nach Belieben verschoben werden kann“, schrieb das Fannetzwerk. Und generell: „Für die meisten Fans bedeutet ein Spiel am Montagabend, Urlaub nehmen zu müssen, lange Nachtfahrten auf sich zu nehmen, teure Übernachtungen zu bezahlen oder dem Spiel fernzubleiben.“

Im Volkspark wurde in dieser Spielzeit auch schon zweimal montags gespielt – am 6. Oktober gegen die TSG Hoffenheim und am 8. Dezember gegen den 1. FC Köln. Beide Partien gingen mit 1:4 verloren. Nun, beim ersten Ligaspiel nach der Winterpause, gaben die HSV-Frauen an einem Sonntagnachmittag ein Lebenszeichen von sich. Protestiert wurde beim Kellerduell mit Essen aber trotzdem – in den ersten 14 Minuten, angelehnt an die 14 Bundesligisten, deren Anhänger dieselben Interessen vertreten.
Nach 14 Minuten wurde es auf der HSV-Nordtribüne laut
„Alle vereint gegen Montagsspiele“, hieß es dann auch auf Bannern – einerseits unterhalb der Nordtribüne, die wie bei den meisten Heimspielen der HSV-Frauen zumindest in Teilen geöffnet war, und andererseits im Gästeblock im Süd-West-Bereich des Stadions, wo sich bei Eiseskälte rund 30 tapfere Essen-Fans eingefunden hatten. Erst nach knapp einer Viertelstunde wurde es laut: Die links hinter der neuen HSV-Torhüterin Lea Paulick positionierten Hamburg-Fans beendeten den Protest, indem sie die letzten Sekunden bis zum Anbruch der 15. Spielminute laut herunterzählten. Und als dann „14:00“ auf der Anzeigetafel auftauchte, schoss sogar Konfetti von der Nordtribüne aus in die Höhe.
„Unglaublich, jedes Mal aufs Neue“, sagte Doppelpackerin Sophie Hillebrand über den eigenen Anhang, der nach dem anfänglichen Schweigen mit Gesang und Getrommel losgelegt hatte. „Wir freuen uns extrem auf die Heimspiele – und für die Fans ist es viel Wert, wenn wir ihnen mit einem Heimsieg etwas zurückgeben können.“ Das 2:1 gegen unangenehme Gästespielerinnen bedeutete den ersten Volkspark-Dreier der Bundesliga-Saison. Auch die angereisten Essenerinnen und Essener hatten eine Trommel mitgebracht, der 14-Minuten-Protest beeinflusste beide Teams sportlich nicht.
In mehreren Bundesliga-Stadien wurde protestiert
Auch an anderen Bundesliga-Standorten wurde am ersten Spieltag nach der Winterpause ein Zeichen gesetzt – etwa im Franz-Kremer-Stadion, wo sich der 1. FC Köln am Samstag mit 1:0 gegen den SC Freiburg durchgesetzt hatte. Der „Frauen Supporters Köln Fanclub“ sowie die „Geißböckinnen Supporters“ waren dem Aufruf des Fannetzwerks gefolgt. Am Freitagabend beim Duell zwischen dem 1. FC Union Berlin und Bayer Leverkusen (1:2) im Stadion An der Alten Försterei waren sogar gut 6000 Anhänger zunächst ruhig geblieben. Am Montagabend fand ausnahmsweise keine Partie statt, doch in der kommenden Woche ändert sich das wieder (VfL Wolfsburg gegen Köln am 2. Februar).

Das Fannetzwerk hatte in der Vorwoche von „wachsendem Unmut“ darüber geschrieben, wie mit den „so wertvollen Fans umgegangen“ werde. In der Frauen-Bundesliga waren die Montagsspiele zur Saison 2023/2024 eingeführt worden – mit dem Ziel, die Sichtbarkeit der Liga zu erhöhen und ein eigenes TV-Angebot zu schaffen. Denn die männlichen Profis kicken an diesem Wochentag nicht, weder in nationalen noch internationelen Wettbewerben.
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Sport1 übertragt die Montagspartien der Frauen live im Free-TV, so sieht es der noch bis zum Ende der kommenden Spielzeit 2026/27 gültige Medienrechtevertrag vor. Demnächst werden die neuen, ab der Saison 2027/28 gültigen TV-Verträge ausgeschrieben – das ist der Hintergrund für die neuerlichen Proteste. Der Widerstand der Fans gegen die Ideen des DFB und der übertragenden Sender wurde am 15. Spieltag deutschlandweit sichtbar. Es dürften nicht die letzten Unmutsbekundungen bleiben, auch nicht im Volkspark. Die HSV-Frauen empfangen am Sonntag (14 Uhr) die Freiburger.
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