Problem-Bereich: Woran Richter leidet – und welcher HSV-Transfer erst scheiterte
Immanuel Pherai hatte im Sommer 2023 Angebote von mindestens zwei Bundesligisten. Er lehnte ab – und wechselte nach Hamburg. Zu diesem Zeitpunkt hatte der HSV auch einen anderen Spielmacher auf der Liste, der jedoch erst mit Verspätung im Volkspark landete und der in dieser Saison noch am ehesten zu überzeugen wusste. Trotzdem stellt sich die Frage: Wie groß ist das Problem auf der Zehn? Es gibt drei Kreativköpfe mit allerlei Sorgen – und Erklärungen.
Zwei Tage vor Schließung des Transfermarkts holte der HSV auch noch Marco Richter. Wer dachte, Stefan Kuntz und Claus Costa wollten László Bénes’ Abgang einzig mit Adam Karabec auffangen, lag falsch. Stattdessen: drei Top-Zehner für die Zweite Liga. Zwei davon, Richter und Karabec, bringen es zusammen auf stolze 283 Erstliga-Einsätze in Deutschland respektive Tschechien. Und der dritte, Pherai, hatte nach einem insgesamt enttäuschenden Debüt-Jahr beim HSV mit vier Toren und fünf Assists in 32 Partien angekündigt: „Ich muss deutlich mehr zeigen als letzte Saison.“
Immanuel Pherai muss beim HSV noch mehr zeigen
Er hat es bisher nicht geschafft. „Man muss weitermachen und gucken, was dieser Trainer fordert“, sagt Steffen Baumgart über Pherai, der in der Liga erst zweimal beginnen durfte, nur einen Assist verbucht hat – und der jetzt, da Ludovit Reis bis 2025 ausfällt, ebenfalls in der Pflicht steht. Die Wahrheit ist vor der Rückkehr des 23-Jährigen zu seinem Ex-Klub Braunschweig aber: Pherai muss mehr zeigen. Nicht als einziger Zehner das HSV. Das sehen auch die Verantwortlichen so.
Als Kuntz und Costa den Druck auf Pherai im Sommer erhöhten, indem sie Karabec und Richter als direkte Konkurrenten holten, lautete die interne HSV-Hoffnung: Mindestens einer aus dem Trio muss immer performen. Wenn einer schwächelt, vielleicht zwei, muss der Dritte liefern. Richter hat dies, zumindest zahlenmäßig, noch gar nicht getan. Keine Vorlage, kein Tor. Obwohl man sich von einer Erstliga-Leihgabe (Mainz) verspricht, sofort da zu sein.
HSV-Bosse haben bei Leihgabe Richter weiterhin Geduld
Beim HSV versteht man dieses Argument. Allerdings verweist man weiter darauf, was hinter Richter liegt. Hätte der 26-Jährige in der Rückrunde in Mainz nicht so einen schlechten Stand gehabt (kein Scorerpunkt, nur einmal Startelf), hätte der HSV keine Chance gehabt, ihn auszuleihen. Richter verzichtet auf viel Geld, um mehr spielen zu können, auch in Liga zwei. Und die Chefs bringen weiter Geduld mit ihm auf. In der Kabine soll Richter belebenden Einfluss haben; er ist glücklich, nachdem er unter der Vorsaison zu leiden hatte. Nur im Spiel trifft er zu viele falsche Entscheidungen.
„Bitte setz’ dich nicht unter Druck!“, riet Kuntz seinem Ex-Schützling aus der DFB-U21 kürzlich. Und noch immer meinen die Bosse, dass Richter teils zu übereifrig handelt. Die Überzeugung nach elf Spieltagen ist aber, dass seine gewinnbringende Zeit noch kommt. Selbst, wenn es erst das letzte Saisondrittel sein wird.
HSV hatte Karabec schon 2022 und 2023 auf der Liste
Das erste gehörte unter den HSV-Zehnern am ehesten Karabec (fünf Assists). Die Leihgabe von Sparta Prag war nach MOPO-Informationen schon 2022 und 2023 ein Transfer-Thema im Volkspark, ein Deal wegen der finanziellen Forderungen seines Stammklubs aber nicht leistbar. Dass Karabec vom HSV-Interesse aus den Vorjahren wusste, half nun im Sommer. Doch ob Kuntz die Kaufoption für den 21-Jährigen zieht, entscheidet sich erst im April 2025.
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Zunächst muss Karabec Konstanz nachweisen – und als einer von drei Zehnern die Probleme bekämpfen, die Baumgart nicht nur, aber auch auf den Tschechen ummünzt: „Wir haben ja viele Zauberkünstler, die Spiele im Eins-gegen-eins entscheiden können – aber leider auch dadurch, wenn sie ihren Hintern nicht nach hinten bewegen.“