Kyriakos Papadopoulos im Training des HSV vor seinem Wechsel nach Griechenland

So kennen ihn die HSV-Fans: Kyriakos Papadopoulos gegen Ende seiner Hamburger Zeit im Training Foto: WITTERS

Kyriakos Papadopoulos: Ex-HSV-Profi ist jetzt ein Star im Amateurfußball

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Mit seinem Kampfgeist und seiner Mentalität auf dem Platz hat Kyriakos Papadopoulos in der Bundesliga einen bleibenden Eindruck hinterlassen – erst auf Schalke, dann in Leverkusen, kurz in Leipzig und schließlich beim HSV. Doch die Profikarriere des Abwehr-Stars aus Griechenland endete nach seiner Zeit in Hamburg schleichend. Plötzlich hatte kein Klub mehr Verwendung für den Fan-Liebling, der sein Glück erst einige Jahre später wiederfand. Heute ist Papadopoulos wieder ein gefeierter Held – allerdings längst nicht mehr auf europäischer Bühne, sondern tief im Amateurfußball. In der vierten griechischen Liga. Die MOPO erzählt im Rahmen einer Porträt-Reihe über Hamburger Fußball-Profis seine Geschichte.

In gewisser Weise schließt sich für Papadopoulos ein Kreis. Inzwischen ist der Grieche dorthin zurückgekehrt, wo er einst das Fußballspielen gelernt hat: Svoronos. Das knapp 2000-Einwohner-Dorf nahe der Kleinstadt Katerini in der griechischen Provinz Makedonien ist für den als Κυριάκος Παπαδόπουλος geborenen Abwehr-Star der Ort, an dem alles beginnt – und an dem er heute wieder zu seinem Glück zurückgefunden hat.

Papadopoulos macht als Teenager auf sich aufmerksam

In der Amateurliga in Griechenland macht der damals erst 15-Jährige schnell auf sich aufmerksam und begeistert die Scouts des Rekordmeisters Olympiakos Piräus. Papadopoulos wechselt 2007 prompt von Svoronos zu dem Spitzenklub und legt dort den Grundstein für seine spätere Profi-Laufbahn. Im Alter von 15 Jahren und 283 Tagen feiert er sein Debüt in der griechischen Super League und wird zum jüngsten eingesetzten Spieler aller Zeiten. Schon als Teenager ist er in Griechenland ein kleiner Star, wird noch vor seiner Volljährigkeit zweimal Meister und einmal Pokalsieger.

Auf Schalke schafft Papadopoulos den Durchbruch zum internationalen Profi. IMAGO / Team 2c
Kyriakos Papadopoulos bei einem Testspiel von Schalke 04
Auf Schalke schafft Papadopoulos den Durchbruch zum internationalen Profi.

Drei Jahre später, kurz nach seinem 18. Geburtstag, wagt Papadopoulos den logischen nächsten Schritt nach Europa. Der FC Schalke 04 lotst die griechische Abwehr-Kante 2010 nach Deutschland – und macht aus ihr jetzt auch einen internationalen Spitzenfußballer. In Gelsenkirchen wird „Papa“ trotz seines jungen Alters auf Anhieb Stammspieler in der Innenverteidigung, spielt regelmäßig in der Champions League und holt in der Saison 2010/11 sogar mit Schalke den DFB-Pokal. Sein Marktwert schießt auf damals vergleichsweise ziemlich hohe 18 Millionen Euro.

Verletzungen stoppen ihn bei Schalke und Leverkusen

Doch gerade dann, als es für Papadopoulos – mittlerweile auch griechischer Nationalspieler – so richtig rund läuft, erleidet er immer wieder Rückschläge. Eine komplizierte Knieverletzung im November 2012 zwingt ihn über ein Jahr lang zur Pause, er verliert den Anschluss auf Schalke und kommt auch nach seinem Comeback nur noch sporadisch zum Einsatz. Für mehr Spielzeit verpflichtet ihn Bayer 04 Leverkusen im Sommer 2014 zunächst als Leihspieler und kurz darauf fest – doch auch bei der Werkself stoppen ihn diverse Verletzungen am ganzen Körper.

Immer wieder wird Papadopoulos in seiner Karriere von Verletzungen zurückgeworfen – wie hier in Leverkusen. imago/Sven Simon
Kyriakos Papadopoulos verletzt sich in einem Bundesliga-Spiel mit Bayer Leverkusen
Immer wieder wird Papadopoulos in seiner Karriere von Verletzungen zurückgeworfen – wie hier in Leverkusen.

Trotz der Blessuren etabliert sich der Grieche auch in Leverkusen in der Stammelf, wenn er fit ist. Papadopoulos zeigt abermals starke Leistungen auf der Champions-League- und Europa-League-Bühne und wechselt in der Hinrunde der Saison 2016/17 zu RB Leipzig, der seine internationalen Ambitionen untermauern möchte. Weil das Knie allerdings wieder Probleme bereitet und er sich schon seiner vierten (!) Knie-OP unterziehen muss, kommt der Innenverteidiger in Sachsen nie richtig an und bleibt nur ein halbes Jahr.

Papadopoulos’ Knallstart beim HSV – und Ärger mit Titz

Stattdessen klopft der HSV im Winter an. Und in Hamburg schlägt „Papa“ mit seiner kämpferischen Art voll ein und wird schnell zum Liebling der Fans. Direkt in seinem ersten Halbjahr trägt er dazu bei, dass der HSV den Abstieg 2017 gerade noch so abwendet. Ein Jahr später kann dann jedoch auch Papadopoulos nicht mehr verhindern, dass die Hamburger aus der Bundesliga absteigen. Für Unruhe sorgt der Abwehr-Star in dieser Phase auch neben dem Platz, weil er Neu-Coach Christian Titz – nachdem er ihn erstmals 90 Minuten auf die Bank setzt – öffentlich für seine Entscheidung kritisiert.

„Es geht um die Leistung. Und ich finde nicht, dass ich so schlecht war, dass ich nicht spiele. Der Trainer hat mir gar nichts gesagt, er hat nicht mit mir gesprochen. Das finde ich total schade! Auch, dass manche erfahrene Spieler nicht auf dem Platz sind. Sie sind wichtig. Das war nicht die beste Lösung.“

Papadopoulos im Frühjahr 2018 über die Aufstellung von HSV-Trainer Christian Titz

Die Wogen zwischen ihm und Titz glätten sich zwar schnell – doch eine erneut schwere Knieverletzung setzt Papadopoulos nach dem Abstieg die komplette Saison außer Gefecht. 2018/19 macht der Grieche nur ein einziges Bundesliga-Spiel für den HSV und eins im DFB‑Pokal. Der inzwischen 26 Jahre alte Top-Verdiener im Kader – bis zu vier Millionen Euro soll er in der Bundesliga kassiert haben – hat immer größere Probleme mit seinem Körper. Und das führt dazu, dass er nicht mehr an seine Leistungen anknüpfen kann.

Der Leader geht voran: Papadopoulos (l.) bejubelt ein Tor für den HSV mit Albin Ekdal. WITTERS
HSV-Profis bejubeln ein Tor in der Bundesliga
Der Leader geht voran: Papadopoulos (l.) bejubelt ein Tor für den HSV mit Albin Ekdal.

Auch als er zu Saisonbeginn im Sommer 2019 wieder fit ist, kommt Papadopoulos beim HSV kaum noch zum Zug. Der neue Trainer Dieter Hecking plant nicht mit ihm, setzt ihn nur noch als Reservist oder gar nicht mehr ein. Also lässt sich der Innenverteidiger auf eigenen Wunsch in die 2. Mannschaft des HSV versetzen, um in der Regionalliga Nord wieder Spielpraxis zu sammeln. Doch auch dieser Plan geht nicht auf. In der U21 bestreitet „Papa“ ebenfalls nur zwei Partien. Nach der Hinrunde stehen die Zeichen auf Abschied.

Nach dem HSV beginnt eine Reise von Klub zu Klub

Alle Angebote, die Papadopoulos in der Winterpause aus dem Ausland erhält, lehnt er jedoch ab. Er möchte seinen noch bis Saisonende gültigen Vertrag erfüllen, betont er – immerhin erhält er schätzungsweise immer noch mehr als zwei Millionen Euro Gehalt. Und dabei ist es egal, ob er in der 2. Liga spielt oder in der Regionalliga oder gar nicht. Ein Wechsel zu Shanghai Shenhua nach China zerschlägt sich in letzter Sekunde, auch Krylya Sovetov Samara, Rubin Kazan (beide Russland) und Trabzonspor (Türkei) können ihn nicht von einem Transfer überzeugen. Als dann auch noch die COVID-19-Pandemie den Spielbetrieb weltweit zum Stillstand bringt, hat Papadopoulos gar keine sportliche Perspektive mehr.


JahreVereinLand
bis Juli 2020HSVDeutschland
Juli 2020 – Okt. 2020vereinslos
Okt. 2020 – Juli 2021NK Lokomotiva ZagrebKroatien
Juli 2021 – Sept. 2021al-Fayha FCSaudi-Arabien
Sept. 2021 – Juli 2022PAE Atromitos AthenGriechenland
Juli 2022 – Jan. 2023FC Universitatea CraiovaRumänien
Jan. 2023 – Feb. 2023vereinslos
Feb. 2023 – Juli 2024PAS Lamia 1964Griechenland
Juli 2024 – Nov. 2024APO LevadiakosGriechenland
Nov. 2024 – Sept. 2025vereinslos
seit Sept. 2025Svoronos FCGriechenland

Nachdem mit Ablauf der Saison 2019/20 auch sein HSV-Vertrag ausläuft, hält sich der Grieche in seiner Heimat fit. Zunächst trainiert er bei PAOK Thessaloniki, später bei Panathinaikos Athen und schließlich beim Viertligisten PAO Koufalia FC. Zu einem Wechsel kommt es allerdings nie. Erst im Oktober findet Papadopoulos mit NK Lokomotiva Zagreb in Kroatien einen neuen Klub. Ein Jahr später unterschreibt er – allerdings nur für fünf Wochen – bei al-Fayha FC in Saudi-Arabien.

In Griechenland findet Papadopoulos wieder sein Glück

Zur Saison 2021/22 kehrt „Papa“ schließlich in seine Heimat zurück. In Griechenland spielt er nacheinander bei den Erstliga-Vereinen PAE Atromitos Athen (2021 bis 2022), PAS Lamia 1964 (2023 bis 2024) und APO Levadiakos (2024). Zwischenzeitlich läuft er zudem für ein halbes Jahr beim FC Universitatea Craiova in Rumänien auf. Im November 2024 jedoch trennen sich Levadiakos und Papadopoulos ohne Angabe von Gründen – und der Verteidiger ist zum dritten Mal binnen vier Jahren vereinslos.

Während seiner vereinslosen Zeit hält sich Papadopoulos bei verschiedenen Vereinen in Griechenland fit. imago/Belga
Kyriakos Papadopoulos beim Training mit der Nationalmannschaft von Griechenland
Während seiner vereinslosen Zeit hält sich Papadopoulos bei verschiedenen Vereinen in Griechenland fit.

Nach jahrelangem Hin und Her und kurzen Abstechern bei zahlreichen verschiedenen Klubs schließt sich am 9. September 2025 der eingangs erwähnte Kreis. Papadopoulos unterschreibt wieder bei seinem Heimatverein Svoronos FC – über 18 Jahre nach seinem Abschied als Teenager. Und dort wird er gefeiert wie ein Held. „Ein historischer Tag für unser Team, für unser Dorf und für uns alle“, schreibt Svoronos.

„Kyriakos Papadopoulos kehrt an den Ort zurück, der ihn zum Strahlen gebracht hat. Er kehrt zurück zu dem Team, bei dem er seine ersten Schritte als Fußballer machte. Es ist Ehre, Emotion und Stolz zugleich, ihn wieder in Gelb und Schwarz zu sehen, auf dem Feld, wo er zum ersten Mal Fußball gespielt hat. Für uns ist das nicht irgendein Transfer. Es ist die Rückkehr unseres eigenen Kindes.“

GAS Svoronos im September 2025 über die Verpflichtung von Papadopoulos

In seinem Geburtsort in Griechenland kickt Papadopoulos nun wieder als Amateur. Statistiken über die vierte griechische Liga werden in keiner Datenbank geführt – doch es ist davon auszugehen, dass das für „Papa“ zweitrangig ist. Der frühere Abwehr-Star dürfte jetzt vor allem eins sein: glücklich.

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