Poker um den HSV-Kader: Knifflige Lage für Rekordprofi Megeed – nächster Abgang fix
Den 13. August 2022 wird Omar Megeed nie vergessen. An diesem Tag wurde er zum jüngsten HSV-Profi der Geschichte – weil er beim Zweitliga-Sieg in Bielefeld (2:0) im Alter von 16 Jahren, elf Monaten und 25 Tagen eingewechselt wurde. Das ist bis heute historisch, weil seither niemand diese Marke unterboten hat. Wirklich an Fahrt nahm Megeeds Karriere in den vergangenen dreieinhalb Jahren jedoch nicht auf. Merlin Polzin hat den mittlerweile 20-Jährigen weiterhin im Blick und könnte ihn erneut in den Kader berufen, weil die Personallage kritisch ist, am Freitagnachmittag der nächste Abgang vermeldet wurde – und Megeed im Training Eindruck hinterlässt. Aber reicht das für eine langfristige Profi-Zukunft?
Auch beim Abschlusstraining der Bundesligamannschaft war Megeed am Freitag dabei – genauso wie Abwehrtalent Shafiq Nandja (19), der bei den Einheiten unter Polzin inzwischen ein bekanntes Gesicht ist. Nandja stand einmal im Profikader, kam aber nicht zum Einsatz – beim DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Holstein Kiel Anfang Dezember (3:5 n.E.). Megeed dagegen durfte im neuen Jahr zweimal auf der Erstliga-Bank platznehmen – sowohl in Freiburg (1:2) als auch gegen Gladbach (0:0). Mit zum Stadtderby (0:0) reiste er nicht, nun könnte er jedoch wieder dabei sein.
Viele HSV-Ausfälle gegen die Bayern: Profitieren Talente?
Während Nandja wohl eher nicht berücksichtigt werden dürfte, weil in Warmed Omari ein gestandener Abwehrmann ins Aufgebot zurückkehrt und auch Aboubaka Soumahoro wieder eine Option für die HSV-Defensive darstellt, hat Megeed zumindest realistische Chancen auf einen Kaderplatz für das Heimspiel gegen den FC Bayern am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de). Denn zur Erinnerung: Jean-Luc Dompé (suspendiert), Fabio Baldé (Reizung im Oberschenkel) und Alexander Røssing-Lelesiit (Syndesmosebandriss) fallen aus – genauso wie Yussuf Poulsen, der sich am Freitag zwar mit der Mannschaft aufwärmte, aber noch nicht wieder einsatzfähig ist, wie Polzin bestätigte. Zudem geht die Tendenz bei Damion Downs, der Wadenprobleme beklagt, weiterhin klar in Richtung eines Ausfalls.

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Emir Sahiti ist definitiv außen vor. Der HSV gab am Freitagnachmittag offiziell bekannt, dass der Kosovare für den Rest der Saison auf Leihbasis beim israelischen Klub Maccabi Tel Aviv spielt. „Emir hat in der bisherigen Saison nicht die Spielzeit erhalten, die er sich gewünscht hat, deswegen ist eine Leihe eine sinnvolle Lösung für alle Seiten“, sagt Sportdirektor Claus Costa. „Emir ist ein beliebter Charakter innerhalb der Mannschaft und hat sich trotz seiner sportlichen Situation jeden Tag vorbildlich verhalten. Er hat seinen Anteil daran, dass wir in der Bundesliga spielen.“ In der bisherigen Saison kam der 27-Jährige allerdings immer seltener zum Zug, was nun Konsequenzen nach sich zog. Im Sommer soll Tel Aviv über eine Kaufoption verfügen.
Wechsel nach Tel Aviv offiziell: HSV verleiht Emir Sahiti
Sahiti selbst erklärt: „Ich bin sehr dankbar für die bisherige Zeit beim HSV. Vor allem die vergangene Saison mit dem Aufstieg war ein Highlight für mich. Nun freue ich mich auf die neue Chance bei Maccabi Tel Aviv. Ich wünsche dem HSV nur das Beste für den Rest der Saison und dass der Verein den Klassenerhalt in der Bundesliga schafft.“ Die nächste Hürde auf dieser Mission wartet am Samstag – gegen die Bayern.
Ob Megeed ins Aufgebot berufen werden wird, hängt wohl mit drei Personalien zusammen. Erstens geht es um Immanuel Pherai: Der 24-Jährige kann und will den HSV zwar auch verlassen, erhielt wegen der Personalsituation zunächst jedoch keine Freigabe. Deshalb trainierte Pherai in dieser Woche ganz normal mit. Polzin muss entscheiden, ob er einen Profi, der eigentlich gehen will und mit dem Kopf womöglich schon woanders (beim 1. FC Nürnberg) ist, einsetzen möchte. Sollte Pherai im Kader fehlen, so wie gegen St. Pauli, würde das Megeeds Chancen auf eine Nominierung erhöhen.
Pherai, Katterbach, Grønbæk: Wer sitzt auf der HSV-Bank?
Ähnlich ist der Status quo zweitens bei Noah Katterbach. Der Linksverteidiger wurde aussortiert und gilt als perspektivlos – weil sich noch kein passender Abnehmer gefunden hat, übt er aber weiterhin mit den HSV-Profis. Die lange Liste an Ausfällen könnte für Katterbach, der noch bis Montagabend wechseln kann, nun zwar mit der plötzlichen Aussicht auf Bundesliga-Spielzeit einhergehen. Dass Polzin den 24-Jährigen erstmals seit dem Bayern-Hinspiel (0:5) auf die Bank setzen wird, ist aber unwahrscheinlich. Und dann ist da drittens noch Albert Grønbæk.
Der Däne ist wie Megeed ein offensiver Mittelfeldspieler, sein Mitwirken im Bundesliga-Topspiel aber ungewiss. Das Abschlusstraining am Freitag konnte Grønbæk noch nicht mit seiner neuen Mannschaft absolvieren, weil noch nicht alle Transferformalitäten geklärt waren. Am Samstagmorgen beim Anschwitzen könnte er erstmals im Volkspark auf dem Rasen stehen. Aber ob das reicht, um abends gegen die Bayern schon Teil des Aufgebots zu sein? Zumal es ihm an Spielpraxis fehlt und er zuletzt als angeschlagen galt? Auch hier muss Polzin genau abwägen. Dass er einen Neuzugang beruft, ohne dass dieser wirklich schon mittrainiert hat, bewies der Coach beim Derby-Hinspiel gegen St. Pauli, als Luka Vuskovic‘ Bankplatz für einen Stimmungspush sorgte. Polzin könnte aber auch Megeed belohnen.
Beim HSV traut man Megeed den Profi-Sprung weiterhin zu
Der gebürtige Hamburger hatte in der Sommervorbereitung bei einigen Testspielen der Profis mitwirken dürfen, im Pflichtspielbetrieb eingesetzt wurde er in der Hinrunde aber ausschließlich in der U21. In 16 Regionalliga-Partien bereitete er zwei Treffer vor. Womöglich nicht in der Bundesliga, im Nachwuchsleistungszentrum des HSV traut man Megeed allerdings nach wie vor zu, im Profigeschäft Fuß zu fassen. Würden die Trainer nicht an die Qualitäten des Rechtsfußes glauben, dürfte er sicherlich nicht regelmäßig „oben“ mittrainieren. Im Laufe des Januars war er in jeder Woche mal dabei. Was die Situation für Megeed aber so knifflig macht, ist seine Position – und das System.

In der taktischen 3-4-3-Anordnung des HSV ist Platz für nur zwei klassische zentrale Mittelfeldspieler. Und vor allem: Diesen beiden Profis kommt in den Partien ein sehr großes Maß an Verantwortung zu, weil sie den Rhythmus bestimmen, ein hohes Laufpensum aufweisen und offensiv wie defensiv extrem gefordert sind. Kurz: Auf dieser Position, auf der sich auch Megeed wohlfühlen dürfte, braucht es maximale Zuverlässigkeit. Das verkörpert Nicolai Remberg ideal, und neben ihm sorgen Albert Sambi Lokonga und Fábio Vieira für spierische Glanzmomente. Raum für Experimente ist auf dieser Position nicht. Man muss sich Einsätze verdienen, mithilfe konstanter Leistungen.
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Megeed kämpft dafür, sich auf höchstem Niveau zu etablieren. Polzin könnte ihn auch etwas weiter offensiv, etwa eingerückt als halber Flügelspieler, einsetzen. Doch der Rekordprofi muss es erst einmal in den Kader schaffen. In der 2. Liga spielte Megeed zweimal, sein Bundesliga-Debüt steht noch aus – und das dreieinhalb Jahre nach dem für ihn so besonderen Moment, als Ex-Coach Tim Walter ihm kurz vor Schluss in Bielefeld eingewechselt hatte.
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