Pleite gegen Bayern: HSV hadert mit „blödem Gegentor“ – aber kann schon wieder lachen
Das Pokal-Wunder ist ausgeblieben, aber die Außenseiterinnen haben sich achtbar geschlagen. Mit einem 0:3 (0:1) gegen Bayern München sind die HSV-Kickerinnen im Viertelfinale aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Nach dem Match gegen das dominante deutsche Team vor 12.638 Zuschauer:innen im Volksparkstadion gilt ab sofort die Devise: Alle Kraft für den Klassenerhalt in der Bundesliga!
„Über lange Strecken haben wir uns sehr gut geschlagen“, befand Torhüterin Lea Paulick nach dem Pokal-Aus. Melina Krüger machte derweil Faxen hinter der Kamera, als ihre Mitspielerin Lotta Wrede gerade ein TV-Interview gab. Die Hamburger Trübsal hielt sich nach der Drei-Tore-Niederlage in Grenzen – schließlich war sie erwartbar gewesen.
DFB-Pokal: Saison-Rekordkulisse im Volksparkstadion
Der Publikumszuspruch sorgte für einen Rekordbesuch (362 Menschen mehr als beim Punktspiel gegen Werder Bremen) in dieser Saison, doch legendäre Pokalstimmung wie beim Vorjahres-Halbfinale gegen jene Bremer (1:3 nach Verlängerung) wollte nur bedingt aufkommen. Nicht nur, weil das Stadion damals ausverkauft war. Zu deutlich sind die Münchnerinnen der gesamten nationalen Konkurrenz, erst recht dem Bundesliga-Aufsteiger HSV enteilt.
Als die Aufstellung der Bajuwarinnen verlesen wurde, waren vereinzelt Pfiffe zu hören. „Auch wenn die Fans gegen einen sind, macht das Volksparkstadion Bock“, ließ sich Münchens Nationalspielerin Giulia Gwinn davon nicht irritieren. In der kurz darauf verkündeten HSV-Elf fehlten Leni Eggert und Sophie Hillebrand, die sich bei ihren Auswahl-Einsätzen in der Länderspielpause verletzt hatten. Winter-Zugang Camilla Linberg hatte als Sturmspitze die undankbare Aufgabe, Bayerns Abwehr vor Probleme zu stellen.

Den ersten Akzent setzte allerdings HSV-Mittelfeldspielerin Maria Mikolajova, die Bayern-Torhüterin Ena Mahmutovic nach gerade mal 83 Sekunden einem Flanken-Torschuss-Hybrid hinterherschauen ließ, der sich dann aber doch nicht ins Tor senkte. So eine Magie hätte es vermutlich für ein Pokal-Wunder gebraucht.
Knapp fünf Minuten währte die Hoffnung, dass dies die Ouvertüre zu einer Sensation gewesen sein könnte. Dann setzte sich Gwinn über rechts durch, die Hamburgerinnen behinderten sich gegenseitig und bekamen ihre Flanke nicht aus der Gefahrenzone. Edna Imade (6.) köpfte zur frühen Bayern-Führung ein. „Das frühe Gegentor war total blöd“, ärgerte sich Kapitänin Pauline Machtens, „danach haben wir aber nicht viel zugelassen“. Zunächst bewahrte Keeperin Paulick ihre Elf allerdings vor einem höheren Rückstand.
HSV-Spielerin Linberg muss früh verletzt raus
Es waren die kleinen Erfolge, die fortan für Stimmung im weiten Oval sorgten: eine Gelbe Karte für die Münchnerin Barbara Dunst (14.) nach Foul an Linberg, Pressing-Ansätze im gegnerischen Strafraum, als Magou Doucouré mit einem Dribbling einmal das Bayern-Mittelfeld überwunden hatte. Die Erinnerung an das 0:6 im Bundesliga-Hinspiel an der Isar war noch präsent. „In der ersten Hälfte hat uns mit dem Ball ein bisschen die Überzeugung gefehlt“, analysierte Trainerin Liése Brancão, dass auf Balleroberungen zu selten Umschaltsituationen kreiert wurden – was gegen diese Gegnerinnen allerdings auch ein hoher Anspruch war.
Für Linberg war nach nicht einmal einer halben Stunde verletzungsbedingt Schluss, Krüger ersetzte sie. Und tatsächlich kam der HSV nun zu Offensiv-Aktionen. Paulina Bartz (31.) blieb im Strafraum an der Bayern-Abwehr hängen, ein Schuss von Wrede (32.) nach einer Ecke wurde von den Münchnerinnen geblockt, die ihrerseits nur noch selten wirklich gefährlich vor dem HSV-Tor auftauchten.

Als doch, klärten Paulick und Verteidigerin Nigar Mirzaliyeva den Kopfball von Pernille Harder (39.) mit vereinten Kräften – was in den äußerst respektablen Halbzeit-Rückstand von 0:1 mündete. Dass der Gästeanhang inzwischen leicht ungeduldig „Auf geht’s, Bayern, schießt ein Tor!“ skandierte, konnten die Hamburgerinnen durchaus als Kompliment verstehen. Lautstarke „Ha-Es-Vau“-Rufe begleiteten sie in die Kabine.
Aus der kam der HSV mit der gleichen defensiven Disziplin und hielt die Pokalverteidigerinnen zunächst weiter von seinem Gehäuse fern. Nach einer guten Stunde brachte Brancão ein frisches Trio, um das Fünkchen Hoffnung zu befeuern. Allerdings ging damit auch Großtalent Wrede vom Platz, das selbst gegen die Münchnerinnen konsequent auf spielerische Lösungen gesetzt hatte. Doucouré (63.) und Mikolajova (65.) platzierten Fernschüsse übers Tor, aber kurz darauf fiel das 0:2 durch Franziska Kett (66.) nach einer schnellen und präzisen Kombination der Favoritinnen.
„Solche Gegenspielerinnen hat man auch nicht alle Tage“
Die eingewechselte Natalia Padilla Bidas (88.) setzte mit ihrem 0:3 den Schlusspunkt. „Die Qualität der Bayern setzt sich durch, solche Gegenspielerinnen hat man auch nicht alle Tage“, sagte HSV-Kapitänin Machtens, fand das 0:3 „ein bisschen zu hoch“ und resümierte: „Im Vergleich zum Ligaspiel war das eine deutliche Steigerung.“ Bayern-Trainer José Barcala lobte den „gut vorbereiteten und gut organisierten Gegner“.

„Über Hamburg fahren wir nach Köln“, hatte der Bayern-Anhang da längst angestimmt – was von München aus ganz sicher ein lohnenswerter Umweg ist. In Köln findet das DFB-Pokal-Endspiel statt, für das die Reisegruppe aber noch einen heimischen Osterspaziergang einzuplanen hat. Im Halbfinale treffen die Bayern dann zu Hause auf Bundesliga-Abstiegskandidat SGS Essen-Schönebeck.
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Für den HSV steht dagegen nach dem Pokaltreffen mit den Branchenführerinnen das maximale Kontrastprogramm an. In der Bundesliga geht es am Sonntag (14 Uhr) zum Schlusslicht Carl Zeiss Jena, das seinerseits durch einen 4:1-Erfolg gegen Zweitligist SC Sand das Pokal-Halbfinale erreicht hat. Doch Pokal ist Pokal und Liga ist Liga. Mit einem Sieg könnten sich die Hamburgerinnen im Abstiegskampf ein Polster für den Saisonendspurt aufbauen. „Wir können mit viel Selbstvertrauen dorthin fahren“, äußerte sich Torhüterin Paulick guten Mutes. Mit der Abwehrleistung aus dem Bayern-Spiel sollte es dort deutlich weniger als drei Gegentore geben.
Die Viertelfinal-Ergebnisse: Hamburger SV – Bayern München 0:3, VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:0, SGS Essen – Werder Bremen 1:0, Carl Zeiss Jena – SC Sand 4:1. Die gezogenen Halbfinal-Partien: Bayern München – SGS Essen, Carl Zeiss Jena – VfL Wolfsburg. Gespielt werden soll über Ostern.
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