Bediente HSV-Profis: Otto Stange, Nicolai Remberg und Philip Otele vor der Gästekurve

Bediente HSV-Profis: Otto Stange, Nicolai Remberg und Philip Otele (v.l.) vor der Gästekurve Foto: WITTERS

„Nichts schönreden“: HSV geht in Stuttgart unter – und blickt schon aufs Nordderby

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So eine Bruchlandung hat der HSV schon lange nicht mehr erlebt. Mit fliegenden Fahnen ging der stark ersatzgeschwächte Aufsteiger beim VfB Stuttgart unter und war mit dem 0:4 (0:2) letztlich sogar noch hervorragend bedient. Am Ende konnten sich die Hamburger bei ihrem Keeper Daniel Heuer Fernandes bedanken, dass es nicht zu einem Debakel kam. So oder so: Vor dem mit Spannung erwarteten Nordderby am kommenden Samstag in Bremen setzte es einen kräftigen Schuss vor den Bug.

Zumindest die Social-Media-Abteilung des HSV bewies kurz vor dem Abpfiff noch Sinn für Galgenhumor. „Was kann man noch so in Stuttgart machen?“, fragte der HSV-Administrator unmittelbar nach dem Treffer zum 0:4 demonstrativ. War ja eh alles ernüchternd genug, da tat ein wenig Aufheiterung gut. Merlin Polzins Laune aber konnte das nicht wirklich aufhellen.

Das war nichts. Wusste auch der Trainer. Und man könnte gute Gründe für diesen missratenen Auftritt anführen. Abwehr-Gigant Luka Vuskovic fehlte ebenso verletzt, wie Mittelfeld-Stratege Albert Sambi Lokonga. Miro Muheim war aufgrund seiner Rotsperre nicht dabei, Leistungsträger Nicolás Capaldo nach längerer Verletzungspause noch auf der Bank. Und dennoch – Polzin wollte all das nicht als Ausrede gelten lassen. „Wenn du hier bestehen möchtest, gegen die Art und Weise, wie der VfB spielt, brauchst du nicht nur das Quäntchen Glück, sondern auch eine sehr aggressive, kompakte Leistung“, resümierte der Trainer. „Das haben wir nicht geschafft. Von der Qualität als auch von der gesamten Energieleistung her war das kein Tag von uns, an dem wir gegen Top-Teams der Bundesliga mithalten können.“

Baldé vergeigt HSV-Chance

Deutliche Worte nach einem gebrauchten Tag. Oft schon zeigte der HSV in dieser Saison, dass er auch gegen die von Polzin benannten Top-Teams der Liga mithalten und diese vor Probleme stellen kann. In Stuttgart aber wirkte der HSV nach langer Zeit mal wieder wie ein Aufsteiger, der sich zufällig in die Bundesliga verirrt hat, und ging im Sturmhagel des VfB unter.

Dabei hätten sie sogar führen können, wenn nicht müssen. Nach 16 Minuten besaß Fabio Baldé die Chance, per Konter die HSV-Führung einzuleiten – wie im Hinspiel, als er das 2:1 vorbereitete. Diesmal aber übersah er den mitgelaufenen Rayan Philippe und verzog die Kugel komplett (16.).

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Es war der Anfang vom HSV-Ende. Der VfB hingegen zeigte, wie man Fehler gnadenlos bestraft und trifft. Gegen den fehlerbehafteten HSV, dem jede Kompaktheit abging, erzielte Angelo Stiller das 1:0 (22.). Chris Führich legte zehn Minuten später nach einem Ballverlust von Albert Grønbæk nach.

Heuer Fernandes unter VfB-Beschuss

So ging es weiter, wenn auch mit etwas Verzögerung – weil sich Heuer Fernandes in Topform präsentierte und stark gegen Ermedin Demirovic (49.), Maximilian Mittelstädt (51.), Deniz Undav (53.) und Führich (55.) parierte. Erst als Jordan Torunarigha Mittelstädts Geschoss abfälschte, gab es für den HSV-Keeper nichts mehr zu halten – 0:3 (56.).

Stuttgart-Profi Maximilian Mittelstädt (r.) im Duell mit Warmed Omari vom HSV IMAGO/Beautiful Sports International
Stuttgart-Profi Maximilian Mittelstädt im Duell mit Warmed Omari vom HSV
Stuttgart-Profi Maximilian Mittelstädt im Duell mit Warmed Omari vom HSV

Während Heuer Fernandes sich weiter tapfer auszeichnete und der eingewechselte Robert Glatzel die beste HSV-Chance der zweiten Hälfte vergab (84.), klingelte es noch ein weiteres Mal. Zunächst jagte Undav einen Strafstoß (Warmed Omari hatte Tiago Tomás gefoult) in die Wolken (84.), Bilal El Khannouss aber machte Stuttgarts Viererpack doch noch perfekt (86.). Das Ende eines schlimmen HSV-Abends. „Wir haben klar und auch verdient verloren“, stellte Mittelfeldmann Nicolai Remberg fest, „da gibt es nichts schönzureden.“

Polzin richtet den Blick in Richtung Nordderby

Und dennoch: Die Zeit des großen Frusts ist begrenzt, denn bereits am kommenden Wochenende steht eines der wichtigsten Spiele dieser HSV-Saison an. Bereits bei der Verabschiedung der mitgereisten Fans in der Kurve wurden die Profis darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig dem Anhang das Derby ist. Polzin ist sich dessen bewusst. Ehe der HSV den Ort der Klatsche zügig verließ, um noch seinen Flieger nach Hamburg zu erreichen, stellte der Trainer klar: „Wenn wir in Hamburg angekommen sind, wissen wir, dass ein richtig geiles Spiel auf uns wartet. Wir schütteln uns kurz und haken diese Niederlage ab.“

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Nächste Woche muss es besser werden. Dann wieder mit Vuskovic, Sambi Lokonga, Muheim und Capaldo. Und einer gehörigen Portion Courage. Denn so viel dürfte klar sein: Nach einer Pleite bei Werder würden auch selbstironische Tweets die HSV-Laune nicht mehr aufheitern können.

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