Lewis Holtby jubelt

Lewis Holtby hat sich bei NAC Breda schnell zum Publikumsliebling entwickelt. Foto: imago images/Pro Shots

„Nicht schön“, Bier-Dusche, Fan-Song: Wildes Auf und Ab für Ex-HSV-Star Holtby

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Der im Sommer 2024 veröffentlichte Partyhit „Wackelkontakt“ von Omaira sorgt seit eineinhalb Jahren für Ohrwürmer bei Schlager-Fans. Ganz so lange steht Lewis Holtby noch nicht bei NAC Breda in den Niederlanden unter Vertrag, sondern erst seit August 2025. Es dauerte aber nur wenige Wochen, bis der Ex-HSV-Profi beim Klub aus der Eredivisie besungen wurde. Die Breda-Fans widmeten dem Deutschen eine eigene Hymne, in der sie im Refrain „Holtby bej NACzur Melodie von „Wackelkontakt“ trällern. Der Publikumsliebling wird gefeiert.

Am Freitagabend (20.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) kann es sich Holtby auf dem Sofa gemütlich machen und das Duell seiner beiden Ex-Klubs entspannt verfolgen. Für den 1. FSV Mainz 05 hatte er in der Saison 2010/11 32 Partien bestritten und sich als Bestandteil der „Bruchweg Boys“ einen Namen gemacht – an der Seite von Ádám Szalai und dem späteren Weltmeister André Schürrle. Spürbar gereift kehrte Holtby 2011 zu Stammklub FC Schalke 04 zurück, ehe er 2013 zu Tottenham wechselte und 2014 – nach kurzem Halt beim FC Fulham – ebenfalls per Leihe zum HSV.

Lewis Holtby steckt mit NAC Breda tief im Abstiegskampf

Knapp ein Jahr später, im Juli 2015, verpflichteten die Hamburger den Mittelfeldmann fest und überwiesen dafür 6,5 Millionen Euro an die „Spurs“. Holtby hatte in Hamburg eine neue Heimat gefunden. 138 Pflichtspiele absolvierte er bis 2019 mit der Raute auf der Brust, er wurde im Abstiegskampf zu einer Identifikationsfigur, blieb auch nach dem erstmaligen Sturz in die 2. Liga im Volkspark. Doch im März 2019 teilten die Bosse um Ralf Becker ihm mit, dass er keinen neuen Vertrag erhalten würde. Holtbys HSV-Ära war nach der Saison beendet – und ist inzwischen lange her.

 
 
 
 
 
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Beinahe sieben Jahre später befindet sich der gebürtige Erkelenzer nun mit NAC Breda im Klassenkampf. Nach 23 Spieltagen liegt der Klub aus der niederländischen Provinz Noord-Brabant auf Relegationsrang 16, konnte am vergangenen Samstag aber ein wichtiges Lebenszeichen setzen und nach elf (!) sieglosen Ligapartien in Serie mal wieder gewinnen. Beim 1:0-Auswärtssieg gegen Heracles Almelo stand Holtby zum 18. Mal in dieser Spielzeit in der Startelf von NAC und schrieb hinterher auf Instagram: „Es war nicht schön. Es war nicht einfach. Aber es war längst überfällig.“ Anfang November hatte Breda zuvor letztmals einen Dreier eingefahren – nun die große Erleichterung. Durch den Erfolg reichte Holtbys Verein die unbeliebte rote Laterne des Tabellenletzten vorerst an Almelo weiter.

Mainz 05, HSV oder Kiel: Holtby war stets ein Leader-Typ

Es ist generell ein Auf und Ab, das Holtby in der 190.000-Einwohner-Gemeinde nahe der Grenze zu Belgien erlebt. Bei seinem Debüt für Breda Mitte August hatte er mit einem Assist und einem Tor geglänzt und die Fans spüren lassen, was für ein Leader jetzt für ihre Farben spielt. Nicht nur beim HSV, sondern von 2021 bis Sommer 2025 war Holtby auch bei Holstein Kiel in 107 Einsätzen vorangegangen. Jetzt tut er es in den Niederlanden – muss jedoch darum fürchten, dass er in der zweiten Saison in Folge einen Abstieg miterlebt. Die Kieler mussten vor Holtbys Abschied den Gang zurück in die 2. Liga antreten, ein ähnliches Szenario will der Profi in der Eredivisie vermeiden.

Ex-HSV-Profi Lewis Holtby bekam im November eine Bierdusche ab. Screenshot Instagram / @ESPNNL
Lewis Holtby kriegt eine Bierdusche
Ex-HSV-Profi Lewis Holtby bekam im November eine Bierdusche ab.

An der richtigen Einstellung wird es bei dem 35-Jährigen wohl nicht scheitern. Im Volkspark präsentierte er sich oft als Anpeitscher, in Breda genoss er auch schon so manche Feierei mit den Fans – voller Ekstase. Holtby wird aber auch laut, wenn es sportlich gegen ihn und sein Team läuft. Beleg: Nachdem er im November beim Auswärtsspiel gegen den FC Volendam (1:2) vom Platz geflogen war, regte er sich in den Katakomben mächtig über ein anderes hartes Foul auf, für das ein Gegenspieler nur die Gelbe kassiert hatte. „Wenn das bei mir Rot ist, was ist das dann?!“, echauffierte sich Holtby vor dem Spielertunnel – ehe von oben Bier auf seinen Kopf hinabplätscherte. Die Fans von Volendam verabschiedeten den Ex-Hamburger mit einem flüssigen Gruß, was Holtby mit Kopfschütteln quittierte.

Holtby zur HSV-Zeit: „Ziemlich viel auf mich eingeprasselt“

Sportlich lief es für ihn und seinen Verein nach diesem Vorfall nicht gerade besser. Die Bilanz von lediglich sieben Punkten aus den vergangenen elf Partien ist trotz des jüngsten Hoffnungsschimmers besorgniserregend. An diesem Samstag (20 Uhr) haben Breda und Holtby die Gelegenheit, Revanche zu nehmen. Denn dann gastiert Volendam zum Rückspiel im Rat Verlegh Stadion, wo es zuletzt kaum Günde gab, um besagten Fan-Song anzustimmen. Holtby will das schnellstmöglich ändern. Womöglich richten sich sein Blicke am Freitagabend aber erst einmal gen Mainz.

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Wem Holtby die Daumen drücken wird, den 05ern oder dem Team von Merlin Polzin, ist ungewiss. Für keinen Verein hat er in seiner Karriere so viele Partien bestritten wie für den HSV. Allerdings hatte er es im Norden nicht immer einfach. „Ich war ein junger Mann, auf den ziemlich viel eingeprasselt ist“, erinnerte sich Holtby vor einigen Monaten im „Kicker“ an seine HSV-Zeit, während der er in Krisen häufig zum Sündenbock gemacht wurde. Doch der Linksfuß befand: „So abgestempelt und an den Pranger gestellt zu werden – da muss ich im Nachhinein sagen: Chapeau, wie ich damit umgegangen bin!“ Im Volkspark sei er „extrem gereift“ – und zu jenem Profi geworden, der er heute sei.

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