Sport
hsv
„Nicht cool“: Zuschauer-Klau beim HSV! So erklärt der DFB die Ansetzung
Das Spiel der HSV-Frauen am Samstag im Volkspark gegen Jena (Anpfiff 14 Uhr) wird noch nicht beendet sein, wenn um 15.30 Uhr das Männer-Spiel in Leipzig beginnt. Erstmals seit dem Hamburger Doppelaufstieg gibt es eine zeitliche Überschneidung der Partien – mit Folgen für die Zuschauerzahlen. Im Volkspark ist man etwas irritiert. Denn die Maßgabe ist auf der Website des DFB, der für den Spielplan der Frauen-Bundesliga zuständig ist, eigentlich klar formuliert.
Dort steht: „Berücksichtigt wird bei den Ansetzungen auch, dass die Spiele möglichst nicht parallel zu den Spielen der Männermannschaften angesetzt werden. So soll gewährleistet werden, dass die Fans eines Vereins möglichst nicht vor die Entscheidung gestellt werden, welches Spiel (Frauen oder Männer) sie besuchen oder im TV anschauen.“ Am Samstag müssen viele HSV-Fans aber genau das tun: sich entscheiden. Auch die, die nicht nach Leipzig reisen, könnten auf einen Besuch des Frauenspiels im Volkspark verzichten, um nicht den Männer-Anpfiff vor dem Fernseher zu verpassen.
HSV rechnet mit über 1000 fehlenden Fans bei den Frauen
Es ist etwas spekulativ – beim HSV rechnet man aber damit, dass ein paar Hundert, wenn nicht 1000 bis 2000 Fans mehr zur Partie der Frauen gegen Jena kommen würden, fände das Männerduell nicht fast zeitgleich statt. Der Zuschauer-Klau ist ärgerlich. „Unglücklich und nicht cool“, nannte es HSV-Trainerin Liése Brancão.
Eine böse Absicht unterstellt der Verein den Verbänden nicht, im Volkspark fragt man sich jedoch: Wie passt die unglückliche Doppelansetzung zum Ziel von DFB und DFL, den Frauenfußball zu fördern? Zumal der HSV mit seinen Aufsteigerinnen immer wieder als Aushängeschild gelobt wird.
„Dem DFB ist es selbstverständlich auch ein Anliegen, Doppel-Ansetzungen möglichst zu vermeiden (bei allen Klubs)“, schreibt der DFB auf Anfrage der MOPO. Aber: „Aus den unterschiedlichsten Gründen ist das leider nicht immer umsetzbar.“ Wichtig zu wissen: Die DFL hat das Recht, den Spielplan und die zeitgenauen Ansetzungen für die 1. und 2. Liga der Männer zuerst zu veröffentlichen. Dann kümmert sich der DFB um die 3. Liga. Und erst am Ende terminiert der Verband „in Abstimmung mit den Vereinen und den TV-Partnern“ die Partien der Frauen-Bundesliga. „Zudem sind die Ansetzungen der UEFA Women’s Champions League und des UEFA Women’s Europa Cup zu beachten.“ Das kann in der Konsequenz dazu führen, dass den Wünschen der Vereine im Einzelfall nicht entsprochen werden kann.
DFB verweist auf Sicherheitsaspekte und Sonntag-Slots
Vor der Saison hatte der HSV bei den Verbänden hinterlegt, wegen des organisatorischen Großaufwands auf Doppel-Heimspiele verzichten zu wollen. Vor zwei Wochen kam es indes erstmals dazu (4:0 der Männer sonntags gegen Mainz, 1:4 der Frauen montags gegen Hoffenheim). Nun löst die zeitliche Überschneidung Fragezeichen aus – sie ist aber zumindest erklärbar. Der DFB verweist auf Sicherheitsaspekte und eine festgelegte, mit den Medien abgestimmte Anzahl von Partien an bestimmten Wochenendtagen. Diesmal waren bereits drei Sonntags-Slots für Eintracht Frankfurt (14 Uhr gegen Werder Bremen), den FC Bayern München (16 Uhr gegen den 1. FC Köln) und den VfL Wolfsburg (17.15 Uhr bei Bayer Leverkusen) geblockt, die in dieser Woche alle international spielten.
Das könnte Sie auch interessieren: „Kackhaufen“-Plakat gegen den HSV: Jetzt schaltet sich der DFB ein
Den vierten Slot erhielt nicht der HSV – sondern der ging für das Auswärtsspiel bei Union Berlin (12 Uhr) an die Frauen von RB Leipzig. Die Sachsen hätten sich ihrerseits über eine zeitliche Überschneidung am Samstagnachmittag ärgern müssen. Zudem haben die Drittliga-Männer von Rot-Weiss Essen am Samstag ein Heimspiel (16.30 Uhr gegen Viktoria Köln). Deshalb war eine parallele Frauen-Ansetzung der SGS Essen „am selben Tag nicht möglich“, so der DFB. Die Essener Frauen spielen ebenfalls an der heimischen Hafenstraße stattdessen schon am Freitagabend (18.30 Uhr gegen die TSG Hoffenheim). Die Leidtragenden kommen aus Hamburg. Und übrigens auch in zwei Wochen: Denn am 2. November empfangen die HSV-Frauen um 15 Uhr Frankfurt im Volkspark, während die Männer in Köln antreten – schon ab 15.30 Uhr …