Die HSV-Profis stehen enttäuscht vor der Nordtribüne

Die HSV-Profis standen nach der Nullnummer eher enttäuscht vor der Nordtribüne. Foto: imago images/Eibner

„Nicht alles schönreden“: HSV verzweifelt bei Nullnummer an unglaublicher Statistik

kommentar icon
arrow down

Die Heimstärke des HSV ist und bleibt unverkennbar. Wie schon vor der Winterpause gegen Frankfurt (1:1) führte sie auch an diesem Samstag aber nicht zu drei Punkten. Das 0:0 gegen ein über weite Strecken schwaches Borussia Mönchengladbach, das man hätte besiegen müssen, frustriert die Hamburger, die vor allem zu Beginn drauf und dran waren, die Partie in ihre Richtung zu ziehen. Doch sie verzweifelten an ihren vielen Abschlüssen, die für eine bislang offenbar einmalige Statistik sorgten.

16 Torschüsse und keine Bude, so lautete schon zur Pause die bittere Zwischenbilanz aus Sicht des HSV. Laut Sky ist das in der Bundesliga der höchste HSV-Wert seit Datenerfassung. Das Erstaunlichste war aber dies: Die Mannschaft von Merlin Polzin traf nicht, obwohl es in den ersten 45 Minuten alle (!) zehn Feldspieler zumindest einmal versucht hatten. „Wir müssen uns vorwerfen, dass wir nicht getroffen haben“, haderte Nicolai Remberg. „Ich glaube, das hat jeder andere hier auch so gesehen. Aber wir müssen uns trotzdem loben. Auf das, was in der ersten Halbzeit war, bin ich schon stolz.“ Das einzige Problem: Der HSV erzielte kein Tor – obwohl jeder außer Daniel Heuer Fernandes die Möglichkeit dazu hatte.

Alle HSV-Feldspieler hatten in Hälfte eins einen Torschuss

Nachfolgend der (nicht chronologische) Beweis. Der durchgelaufene Nicolás Capaldo scheiterte nach einem Steckpass an Moritz Nicolas (19.). Luka Vuskovic schoss einen direkten Freistoß über das Gladbacher Tor (17.). Jordan Torunarigha probierte es aus rund 30 Metern (21.). Bakery Jatta verbuchte einen harmlosen Kopfball-Versuch (19.). Miro Muheim ballerte per Linksschuss erst drüber (8.), und dann mit seinem schwachen Fuß rechts vorbei (25.).

Jean-Luc Dompé zog mehrfach an Joe Scally (r.) vorbei – traf aber auch nicht für den HSV. WIITERS
Jean-Luc Dompé gegen Joe Scally vorbei
Jean-Luc Dompé zog mehrfach an Joe Scally (r.) vorbei – traf aber auch nicht für den HSV.

Remberg köpfte erst (3.) und hatte anschließend zwei Abschlüsse aus der Distanz, darunter einen sehr gefährlichen (25.). Der durchgehend sehr auffällige Fábio Vieira, der anstelle des angeschlagenen Albert Sambi Lokonga im Zentrum begann, zog links im Strafraum wuchtig ab und wurde damit weder zum Torschützen noch zum Vorlagengeber, stattdessen trudelte der Ball ins Seitenaus (13.). Jean-Luc Dompé traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz (4.), nachdem Ranford Königsdörffer den Gästekeeper zu einer Parade gezwungen hatte (4.). Und Heim-Startelfdebütant Damion Downs schlenzte von halblinks rechts am Gladbacher Kasten vorbei (32.).

Starke HSV-Abwehr gegen Haris Tabakovic und Co.

Trotz dieser Chancenflut lag der HSV zur Pause bei den Expected Goals „nur“ mit 0,98 zu 0,09 vorne (Quelle: bundesliga.com). Gladbach wurde nur ein einziges Mal nennenswert gefährlich – als Haris Tabakovic am zweiten Pfosten per Volley zu hoch zielte (30.). Ansonsten hatten Vuskovic und Co. den Bosnier fest im Griff. Als Torunarigha sich bei einer Klärungsaktion an der Seitenlinie verschätzte, Franck Honorat davon profitierte und flankte, war Heuer Fernandes wach und vor Tabakovic am Ball (34.). Darüber hinaus musste sich der HSV-Torwart in den ersten 45 Minuten nicht wirklich auszeichnen in seiner Kerndisziplin, dem Bälle-Halten.

Damion Downs feierte seine Startelf-Premiere für den HSV im Volkspark. WITTERS
Damion Downs am Ball
Damion Downs feierte seine Startelf-Premiere für den HSV im Volkspark.

Auch in der zweiten Hälfte war Gladbachs Nicolas unter den beiden Schlussmännern der gefordertere – wobei die HSV-Profis es ihm auch zu oft zu leicht machten. So köpfte Downs am zweiten Pfosten direkt in die Arme des 28-Jährigen (58.), und Muheim tat per Volleyschuss aus der Distanz selbiges (69.). Zuvor hatte bereits Vieira aus knapp 20 Metern knapp verzogen (57.). Die Offensivpower von vor der Pause konnte der HSV nicht aufrechterhalten. Umso bitterer, dass kein frühes Tor gelungen war. Stattdessen mussten die weiterhin dominanten Hamburger in der Schlussphase defensiv aufpassen, denn Gladbach hatte sich stabilisiert und kombinierte ein paarmal gefährlich nach vorne.

Gladbach nach Pause stabiler – aber HSV blieb dominant

Trainer Polzin setzte trotzdem auf Angriff, brachte nach Giorgi Gocholeishvili und Rayan Philippe (beide 67.) auch noch Comebacker Robert Glatzel und Alexander Røssing-Lelesiit (80.). „82. Minute, das ist genau unsere Phase“, versuchte Stadionsprecher Christoan Stübinger, den Lucky Punch herbeizureden, den es in dieser Saison schon mehrfach im Volkspark gegeben hatte. Diesmal nicht. Die letzte gute Gelegenheit vergab Røssing-Lelesiit (90.+2). Mit dem Abpfiff lag die Torschussstatistik bei 27 zu 6 für den HSV. Doch die Anzeigetafel wies eine Nullnummer aus, das zweite Heimremis in Folge. Fehlende Qualität? Müssen die Bosse um Claus Costa nach der Verpflichtung von Downs noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen, um das Tor-Problem zu lösen? „Das ist Quatsch“, entgegnete Remberg. „Genug Qualität ist da, aber wir haben kein Tor gemacht – und ich kann jetzt auch nicht alles schönreden.“

Sie wollen noch mehr über den HSV erfahren? Folgen Sie HSV24 auf Instagram!

Das Matchfazit von Gladbachs Coach Eugen Polanski war vielsagend: „Wir sind sehr froh und zufrieden mit dem Punkt. Wir mussten die eine oder andere brenzlige Situation überstehen.“ Sein Gegenüber Polzin versuchte, das Positive in den Vordergrund zu rücken: „Wenn wir so eine erste Halbzeit spielen, was Dominanz und Griffigkeit angeht, ist das sehr beeindruckend. Damit kann man als Trainer sehr zufrieden sein“, analysierte der 35-Jährige. „Trotzdem haben wir es nicht geschafft, ein besseres Ergebnis einzufahren. Wir hätten gerne zwei Punkte mehr hierbehalten. Am Ende hat es nicht gereicht.“

Trainer Polzin trotz Remis froh – jetzt geht es gegen St. Pauli

Immerhin: Durch den einen Punkt wahrt der HSV den Vier-Punkte-Vorsprung auf den Tabellen-16. Heidenheim, der sich parallel mit 1:1 vom VfL Wolfsburg trennte. Und: Die beiden direkten Abstiegsplätze, die Mainz 05 (1:2-Niederlage in Köln) und der FC St. Pauli (2:3-Pleite in Dortmund) belegen, sind für den Moment noch einen Tick weiter entfernt. Am kommenden Freitag reist der HSV zum neuen Tabellenletzten der Bundesliga – ans Millerntor.

Das könnte Sie auch interessieren: HSV-Noten gegen Gladbach: Vier Spieler im Zweier-Bereich

Die Fans sorgten von der Nordtribüne aus schon mal für die passende Einstimmung: „Die Stadt gehört uns, die Stadt gehört uns – scheiß auf St. Pauli, die Stadt gehört uns.“

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test