Neun Stars im Fokus: Die Sieger und Verlierer des HSV-Aufschwungs
Die pessimistische, wenngleich nicht unberechtigte Sichtweise ist diese: Der HSV spielte zuletzt nicht gerade ansehnlich. Das war nicht nur beim 1:1 gegen den 1. FC Köln am Samstag, sondern schon in den Wochen zuvor der Fall, inklusive des glücklichen 2:1 in Wolfsburg. Der optimistische und ebenfalls angemessene Blickwinkel ist dieser: Die Mannschaft von Merlin Polzin hat nur zwei der letzten zehn Spiele verloren, und das gegen die Topteams Leipzig (1:2) und Leverkusen (0:1). In der Gesamtbetrachtung kann man deshalb weiterhin einen HSV-Aufschwung im Jahr 2026 erkennen. Entsprechend gibt es zurzeit viele Gewinner – aber auch Verlierer.
Zusammenfassung:
- Nur zwei Niederlagen in letzten zehn Spielen, gegen Top-Teams Leipzig und Leverkusen.
- Konstante Performance von Vuskovic, Remberg mit zehnter Gelber Karte, Dompé und Königsdörffer schwankend.
- Stange belebt als Joker, Lokonga stabilisiert, Heuer Fernandes und Vieira überzeugen.
Luka Vuskovic performt seit Monaten derart konstant auf hohem Niveau, dass man ihn nicht als Sieger in explizit dieser Saisonphase bezeichnen muss. Gleiches gilt für Dauerbrenner Nicolai Remberg, den höchstens seine zehnte Gelbe Karte der Saison („Juckt mich einen Scheißdreck“) bremsen könnte. Bei Jean-Luc Dompé und Ransford Königsdörffer ist die Kategorisierung nicht einfach. Der Franzose erlebte nach harten Wochen inklusive Suff-Fahrt und Suspendierung zuletzt in Wolfsburg eine Erlösung, saß eine Woche nach seinem Siegtreffer aus taktischen Gründen aber wieder auf der Bank. Für Königsdörffer ist die gesamte Spielzeit ein Auf und Ab. Seinen Treffern in Heidenheim (2:0) und gegen Union (3:2) folgten kürzlich wieder mehrere blasse Auftritte, nicht nur vor dem Tor.
Otto Stange befindet sich grundsätzlich im Aufwind: Nach zunächst frustrierenden Wochen seit seiner Rückkehr aus Elversberg kam er jüngst zweimal als Joker und sorgte durchaus für Belebung – für einen klaren Trend indes ist es noch zu früh. Albert Sambi Lokonga stabilisiert das HSV-Gebilde merklich, ohne ihn auf dem Feld gelang in der Liga überhaupt erst ein Sieg (gegen Union). Seitdem der Belgier nach einem Außenbandriss wieder spielfähig ist, blieben glanzvolle Leistungen des Teams aber aus. Daher sind andere Profis für den Moment die klaren Gewinner.
Heuer Fernandes, Vieira, Torunarigha & Mikelbrencis liefern
Die vier Sieger
Daniel Heuer Fernandes: Die MOPO-Durchschnittsnoten belegen, wie beständig der Keeper abliefert. Hinter Vuskovic liegt er mit einem Wert von 3,04 HSV-intern auf Rang zwei. Im neuen Jahr war noch kein Gegentor dabei, das man vor allem, geschweige denn ausschließlich ihm ankreiden muss. Gegen die Bayern (2:2) rettete er den einen Punkt (Note 1,5), gegen Gladbach (0:0), St. Pauli (0:0) und Heidenheim (2:0) bewahrte er die weiße Weste. Ausreißer nach unten wie in Wolfsburg (Note 4) waren kleiner Natur und lagen in fußballerischen Dingen begründet.
Jordan Torunarigha: Zu Saisonbeginn hätte wohl niemand gedacht, dass er seinen Stammplatz wenige Monate später so sicher hat. Nicht fehlerlos, aber stabiler als Warmed Omari und Daniel Elfadli. Vertrat Vuskovic in Mainz (1:1) hervorragend – und auch in Nicolás Capaldos Abwesenheit war meist auf ihn Verlass. Kann so weitermachen.

William Mikelbrencis: Der Franzose ist seit Bakery Jattas Verletzung zurück in der Startelf – und rechtfertigt das Vertrauen von Polzin. Hat allein in 2026 jetzt mehr Tore vorbereitet (drei) als in seinen dreieinhalb HSV-Jahren zuvor (zwei). Der Assist gegen Köln für Fábio Vieira war ansehnlich, defensiv und läuferisch stimmt sein Einsatz auf der rechten Seite sowieso. Mit seinen jüngsten Auftritten empfahl sich der 22-Jährige definitiv für einen neuen Vertrag.
Fábio Vieira: Der Portugiese hatte natürlich auch schon in der Hinrunde seine Glanzmomente. Aber von einem Spieler seiner Klasse darf man Konstanz erwarten, und die legt er seit dem Jahreswechsel an den Tag. Er erzielte drei der letzten fünf HSV-Buden, schaffte es zuvor auch gegen die Bayern und in Heidenheim auf die Scorerliste. Mit insgesamt fünf Toren und vier Assists ist er der Topscorer der Hamburger. Sein 1:0 gegen Köln verzückte sogar FC-Coach Kwasniok: „So viele gibt es nicht in der Bundesliga, die das können.“ Und: Anders als in den ersten Saisonmonaten, als er dreimal zuschauen musste, stoppen den 25-jährigen Techniker jetzt keine Sperren mehr.
Elfadli, Gocholeishvili, Philippe, Downs & Glatzel hinten dran
Die fünf Verlierer
Daniel Elfadli: Torunarighas gute Form wird ihm zum Verhängnis. Seine Leistung gegen Bayer Leverkusen war ein Lichtblick, die folgende in Wolfsburg aber ein Rückschritt. Da musste er zum wiederholten Male in dieser Saison gelb-rot-gefährdet vorzeitig runter. Hatte er an den ersten neun Spieltagen noch achtmal in der Startel gestanden, saß er nach der Winterpause zu Beginn meist auf der Bank. Auch von Capaldos Ausfall profitierte er nicht wirklich.
Giorgi Gocholeishvili: Lässt sich nicht hängen und wird intern als Stimmungsmacher geschätzt. Auf dem Rasen sorgte er zuletzt allerdings nicht für Euphorie. Durfte gegen Leverkusen das erste Mal seit zweieinhalb Monaten beginnen, betrieb aber nicht wirklich Eigenwerbung und landete daher wieder draußen. Gegen Köln schmorte er zum schon dritten Mal in diesem Jahr über 90 Minuten auf der Bank. Weil Mikelbrencis seine Sache momentan gut macht, rückt ein fester Transfer des Georgiers eher in den Hintergrund. Rund vier Millionen Euro wären zu viel Geld.

Rayan Philippe: Polzin berücksichtigte den Franzosen gegen Wolfsburg nicht bei seiner Kader-Nominierung – zum ersten Mal in dieser Spielzeit aus rein sportlichen Gründen. Die deutliche Trainer-Kritik: „Ich habe höhere Ansprüche an Rayan. Er hat schon deutlich bessere Leistungen gezeigt.“ Das war in der Hinrunde. Seit dem Jahreswechsel ist Philippe vergeblich auf der Suche nach der Form, er wirkte in den vergangenen Wochen sowohl als Joker als auch bei seinem einzigen Startplatz gegen Leverkusen wie ein Fremdkörper. Am Samstag wurde er nicht eingewechselt.
Damion Downs: Nach acht HSV-Einsätzen noch torlos. Dabei durfte er sechsmal beginnen, weil Polzin seine läuferischen Qualitäten schätzt. Der Coach sagt: „Damion schafft es, das Pressing zu steuern und auszulösen, für die Mitspieler die Räume freizuziehen.“ Aber wie oft war das schon hauptursächlich für einen Treffer? Viele Fans sehen den US-Amerikaner zunehmend kritisch, Polzin dürfte ihn aber nicht fallen lassen – was sein gutes Recht ist. Mit Blick auf seine Spielzeit wäre Downs eigentlich kein klarer Verlierer. Aber es geht auch um seine Zukunft – und die Kaufoption des HSV in Höhe von zehn Millionen Euro ist, gemessen am aktuellen Wert des Spielers, zu hoch.

Robert Glatzel: Dass Polzin ihn zuletzt viermal in Serie nur warmlaufen ließ, frustrierte den 32-Jährigen enorm. Vom 13. bis 16. Spieltag war er viermal aufgrund eines Muskelfaserisses außen vor, jetzt setzt der Trainer aus sportlichen Gründen nicht auf den Fanliebling. Dabei schien es für Glatzel gegen Union und in Mainz, als er zweimal starten durfte und einen Treffer vorbereitete, in die richtige Richtung zu gehen. Falsch gedacht. Flüchtet er deshalb bald?
HSV-Leader Capaldo ist jetzt der größte Hoffnungsträger
Leader Capaldo ist wie Vuskovic und Co. einer der Hauptverantwortlichen für die guten Klassenerhalts-Aussichten. Wie wichtig der Vizekapitän mit seiner Energie, seinen Tiefenläufen und seinem Zweikampfbiss ist, wurde in seiner jüngsten Abwesenheit ersichtlich. Wegen der Nachfolgen einer Bauchmuskelverletzung verpasste er auch das Köln-Spiel. Noch ist offen, ob Capaldo am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) in Dortmund zurückkehren wird. Der HSV hofft, dass der Argentinier am Dienstag erstmals wieder Teile des Mannschaftstrainings bestreiten kann.
Auch Albert Grønbæk soll dann nach Möglichkeit wieder auf dem Platz stehen. Der Däne hätte gegen den FC wohl erstmals überhaupt im HSV-Kader gestanden, doch er musste sich mit Fieber abmelden. Die Idee mit der Leihe ist bislang überhaupt noch nicht aufgegangen, das redet auch Polzin nicht schön. Eine Oberschenkelblessur bremste Grønbæk abrupt aus – noch bevor er überhaupt die Gelegenheit dazu hatte, sich als ein HSV-Gewinner zu fühlen.
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