1500 Beamte sollen am Sonntag das Nordderby absichern.

Die Polizei ist alarmiert: Etwa 1500 Beamte sind am Sonntag rund um das Nordderby im Einsatz. Foto: WITTERS

Neues Plakat entdeckt! Werder-Fans provozieren HSV – wie gefährlich wird das Derby?

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Dreieinhalb Jahre lang mussten die Anhänger beider Lager auf ein Wiedersehen warten, entsprechend riesig ist die Spannung vor dem Duell des HSV mit Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr, Liveticker auf mopo.de). Wie groß aber ist die Gefahr von Ausschreitungen? Die Polizei stuft das Verhältnis der beiden Fan-Lager als feindschaftlich ein. Seit Tagen schon setzen Bremer Anhänger in der Hamburger City klare Zeichen und schießen dabei mitunter auch über das Ziel hinaus. Immer wieder tauchten neue Plakate auf, die den HSV in seinem eigenen Revier verhöhnen.

Benjamin Morik traute seinen Augen nicht, als er am frühen Donnerstag den Holsteinischen Kamp in Barmbek-Süd entlangfuhr. Unmittelbar vor dem ALDI-Parkplatz prangte ein meterhohes Plakat, das einen verletzten HSV-Spieler zeigte, dazu war die HSV-Raute innerhalb eines Fadenkreuzes zu sehen. „Da ist mir fast das Blau aus meinen schwarz-weiß-blauen Augen gefallen“, sagt der Hamburger Schauspieler, den man u.a. aus zahlreichen Tatort-Filmen kennt.

Werder-Fans hängten zahlreiche Anti-HSV-Plakate in Hamburgs City auf

Klare Sache: Da waren Bremer Fans am Werk, wie an diversen anderen Orten der Stadt. Mittlerweile sind sieben verschiedene und großflächig plakatierte Motive aufgetaucht, die Werder-Fans leisteten offensichtlich ganze Arbeit. Das mitunter durchaus humorvoll. HSV-Trainer Merlin Polzin etwa ist an der Werbetafel einer Bushaltestelle mit mürrischem Gesichtsausdruck zu sehen und wird mit den Worten zitiert: „Uns ist klar, dass Werder Bremen uns in allen Belangen überlegen ist. Ehrlich gesagt haben meine Jungs die Hosen voll und ich auch.“ An anderen Orten wiederum wurden Plakate mit Anti-HSV- und Pro-Werder-Parolen aufgefunden, mehrfach mit der Hamburger Raute im Fadenkreuz. Auch als die Bremer zuletzt daheim auf Köln trafen (1:1), waren im Werder-Block Anti-HSV-Transparente mit Fadenkreuzen zu sehen.

Genau diese Symbole sind es, die bei der Hamburger Polizei und den HSV-Anhängern die Befürchtungen erhöhen, dass längst nicht alle Bremer Fans nur wegen eines schönen Fußballspiels nach Hamburg kommen. Die Rivalität beider Fan-Lager ist riesig, die Vorgeschichten reichen mitunter Jahrzehnte zurück. Der schlimmste Fall: Im August 1982 verstarb der Bremer Fußballfan Adrian Maleika wenige Meter vom Volksparkstadion entfernt, nachdem ihn HSV-Hooligans mit einem Stein am Kopf trafen. Eine Gedenktafel am Stadion erinnert an den fürchterlichen Vorfall.


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Etwa 1500 Beamte sollen das Nordderby absichern

Vor dem anstehenden Duell rechnet die Polizei mit bis zu 1200 gewaltbereiten Fans. Sie in den Griff zu bekommen, wird die größte Aufgabe des Sonntags. Etwa 1500 Beamte sollen das Derby sichern. Insbesondere die zu erwartende Lage am Hauptbahnhof wird als brenzlig eingestuft.

Auch in Barmbek-Süd hängten Werder-Fans ein Plakat mit klarer Botschaft in Richtung des HSV auf. Benjamin Morik/privat
Das von Werder-Fans aufgehängte Plakat in Barmbek-Süd.
Auch in Barmbek-Süd hängten Werder-Fans ein Plakat mit klarer Botschaft in Richtung des HSV auf.

Die HSV-Fans verzichteten bislang größtenteils auf deftige Kampfansagen in Richtung des Rivalen. Stattdessen ruft die „Nordtribüne Hamburg“ dazu auf, sich vor der Partie in den gängigen HSV-Kneipen auf dem Kiez auf das Derby einzustimmen und sich dann ab 13.15 Uhr zwischen der Uwe-Seeler-Allee und der Fußgängerbrücke an der Schnackenburgallee zu versammeln, um den HSV-Mannschaftsbus triumphal zu empfangen. Die Botschaft: „Schließt euch an, habt eure Fahnen dabei und geht motiviert voran, um unser Team auf das Derby einzuschwören! Dieser Derbysieg gehört uns!“

Waren es Werder-Fans? Drei Gullydeckel wurden in der Nähe des Volksparkstadions entfernt

Wie weit aber sind potenzielle Krawallbrüder beider Lager bereit, zu gehen? Für Unverständnis sorgte am späten Mittwochabend die Tatsache, dass auf drei Straßen in unmittelbarer Nähe des Volksparkstadions Gullydeckel entfernt wurden. Dabei kam es auch zu einem Verkehrsunfall. Der Verdacht, dass Bremer Anhänger Unheil anrichten wollten, steht im Raum, wurde allerdings noch nicht abschließend geklärt. Der HSV spielte an diesem Abend im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel und schied im Elfmeterschießen aus.

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Vier Tage später wird nun Werder Bremen zu Gast sein. Ein Spiel, das elektrisiert und zugleich auch Sorge bereitet. „Die Spannung steigt“, sagt auch Benjamin Morik, der glühender HSV-Fan ist, kurioserweise aber auch schon als Tatort-Kommissar in Bremen zum Einsatz kam. Über das Plakat in Barmbek-Süd kann der 57-Jährige sogar schmunzeln. Nur eines gefällt ihm nicht: „Fadenkreuze sind Mist, das muss nicht sein.“

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