Ransford Königsdörffer vor der Ausführung einer Ecke

HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer stand am Sonntag etwas überraschend am Eckballpunkt. Foto: WITTERS

Neuer Schütze gegen ein HSV-Problem: So kam es zur Kuriosität

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(Flache) Hereingaben von außen ins Zentrum wurden zuletzt ein paarmal zum offensiven Erfolgsmittel des HSV. So führte etwa ein Querpass von Bakery Jatta zu Nicolás Capaldos Tor gegen Union Berlin (3:2), und am Sonntag gegen Leipzig (1:2) verwertete Fábio Vieira im Rückraum das Zuspiel von William Mikelbrencis zum 1:0. Auch Standars kann der HSV grundsätzlich, wie Vieras Elfmeter gegen die Bayern (2:2) und sein direkter Freistoßtreffer gegen Mainz (1:1) zeigten. Aber Ecken? Da gibt es Nachholbedarf – und eine kleine Neuheit.

Manch ein Zuschauer dürfte sich gewundert haben, als Ransford Königsdörffer am Sonntag zum Eckballpunkt schritt. Der Stürmer führte gegen Leipzig sogar zwei dieser Standards aus – es waren die ersten beiden von ihm getretenen Ecken in dieser Bundesliga-Saison. Laut einer Statistik, auf die sich unter anderem „Spiegel Online“ beruft, hatten zuvor sieben andere HSV-Profis in dieser Spielzeit Eckbälle ausgeführt. Ganz vorne liegt Miro Muheim (44-mal), es folgen Jean-Luc Dompé (20-mal), Vieira (14-mal), Alexander Røssing-Lelesiit (sechsmal), dann eben Königsdörffer sowie Albert Sambi Lokonga, Philip Otele und Fabio Baldé, die diese Aufgabe je einmal übernahmen.

Königsdörffer trat als achter HSV-Profi zu einem Eckball an

So wenige Eckstöße wie der HSV bekam in dieser Spielzeit bisher nur der VfL Wolfsburg zugesprochen: Die beiden Nordklubs stehen derzeit bei jeweils 89 und damit am Ende dieser Statistik. Zum Vergleich: Eintracht Frankfurt als Tabellen-16. in dieser Kategorie kommt auf immerhin 103 Ecken. Es verwundert daher nicht, dass der HSV mithilfe dieser Art von Standards seit dem Aufstieg kaum zum Torerfolg kam. Luka Vuskovic verwertete Mitte Januar eine Eckball-Flanke von Muheim per Kopf zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen Freiburg. Abgesehen davon aber: nichts.

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Gegen Leipzig probierten die Trainer deshalb schon in der ersten Hälfte etwas Neues – mit Schütze Königsdörffer, der ansonsten in der Mitte positioniert ist. Merlin Polzin erklärt die Maßnahme so: „Wir brauchten einfach einen Rechtsfuß, der die Bälle zum Tor hin spielt.“ Eigentlich wird Dompé dieser Job zuteil. Doch weil der Franzose zuletzt in der Startelf fehlte, benötigte es eine Alternative. Die Wahl fiel auf Königsdörffer. „Ransi hat es im Training schon richtig gut gemacht“, sagt Polzin – und ergänzt schmunzelnd: „Daran, wie wir es im Spiel umsetzen wollen, arbeiten wir noch.“ Denn zum erhofften Torerfolg führten auch die beiden Premieren-Ecken des Deutsch-Ghanaers nicht.

Trainer Polzin möchte mehr Torgefahr nach Standards

Der HSV will bei ruhenden Bällen noch gefährlicher werden. Flanken an sich beherrschen die Profis bereits relativ gut. Neben den bereits gennanten Beispielen gab es auch Vuskovic‘ Kopfballtor gegen die Bayern nach Hereingabe von Mikelbrencis, davor zudem das Scorpionkick-Traumtor des Kroaten nach Vieira-Freistoß gegen Werder (3:2). Auch Königsdörffer selbst war schon nach einer Flanke erfolgreich – bei seinem Last-Minute-Treffer zum 1:1 gegen Dortmund im November. Verbesserungspotenzial sehen die Coaches dennoch – weshalb sie nun kreativ wurden. In der 2. Liga hatten Ecken noch als große Offensivwaffe gegolten. In dieser Saison aber hakt es diesbezüglich noch.

„Im Aufstiegsjahr war das ein ganz entscheidender Faktor“, weiß Polzin noch. „Das sind Momente, die dich in einem Spiel auf die richtige Seite ziehen können.“ Bei dem für die Bundesliga-Rückkehr vorentscheidenden 4:0-Sieg in Darmstadt Anfang Mai sei das beispielsweise der Fall gewesen. Mit der gegenwärtigen Quote ist Polzin aber nicht einverstanden. „Es steht außer Frage, dass wir damit nicht zufrieden sind“, sagt der Übungsleiter und erklärt: „Die Gegner verteidigen (in der Bundesliga; d. Red.) deutlich besser und stellen sich auch besser darauf ein, was von uns geplant ist. Aber es waren schon vier, fünf Aktionen dabei, in denen deutlich mehr hätte entstehen können oder müssen.“ Polzin weiß: Auch die Stärke bei Standards kann am Ende über Klassenerhalt oder Abstieg entscheiden.

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Er nimmt sich und seine Profis daher in die Pflicht: „Bei der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, haben wir gerade bei Heimspielen die eine oder andere Eckballsituon mehr, aus der wir aber auch mehr herausholen wollen. Es ist ein kleiner Teil, der aber einen großen Beitrag leisten kann. Deshalb wollen und müssen wir weiter daran arbeiten.“ Im besten Fall werde man bereits am Mittwochabend gegen Leverkusen das Resultat sehen. Sogar dank Königsdörffer?

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