Kathleen Krüger sitzt 2018, vor dem Testspiel des FC Bayern beim HSV, auf der Ersatzbank.

Neue Heimat HSV: Als Teammanagerin des FC Bayern war Kathleen Krüger bereits früher schon im Volkspark zu Gast. Foto: WITTERS

Neue HSV-Chefin Krüger: Auch Superstar Sané bekam ihren Zorn mal zu spüren

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Viele Namen wurden in den vergangenen Monaten beim HSV in Bezug auf die Nachfolge von Stefan Kuntz gehandelt – der, für den sich der Aufsichtsrat letztlich entschied, war dann nicht weniger als eine kleine Sensation. Kathleen Krüger soll in Kürze ihr Büro im Volkspark beziehen und wird neue Sportvorständin. Auch in ihrer Heimat München und beim FC Bayern zeigt man sich überrascht und erfreut.   

Merlin Polzin ließ sich nicht locken, er war schließlich vorbereitet und ahnte, was kommen würde. Gerade mal fünf Minuten waren vergangen, nachdem der Trainer im Rahmen der Pressekonferenz vor der Partie in Frankfurt Auskunft gegeben hatte, da kam die Sprache bereits auf Krüger. „Mir war klar, dass die Frage kommt“, sagte Polzin dann und grinste, bat aber um Verständnis dafür, „dass ich mich jetzt zu diesen Themen einfach nicht äußern möchte, weil es auch nicht meine Aufgabe ist“. Eine genauso kurze wie auch schlaue Antwort. Für Polzin und seine Profis zählt am Samstag in Frankfurt das Sportliche. Den Rest regeln andere.

Seit Anfang des Jahres suchten die HSV-Räte einen Kuntz-Nachfolger

Diesbezüglich befinden sich die Räte auf der Zielgeraden. Ihre Entscheidung ist gefallen: Krüger soll es künftig beim HSV richten und den Bereich leiten, der bis Ende 2025 von Kuntz geführt wurde, ehe sich beide Seiten aufgrund unüberbrückbarer Differenzen trennten. Als die Krüger-Nachricht am Mittwochabend mehr und mehr die Runde machte, sorgte sie auch in der Bundesliga-Szene schnell für Aufsehen. Tatsächlich überraschten die HSV-Kontrolleure mit ihrer Entscheidung, die so gut wie niemand in der Branche erwartete.


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Was aber erwartet den HSV nun? Welche Expertise bringt Krüger mit? Oder wie es seit Mittwochabend oft in den sozialen Netzwerken formuliert wird: Kann sie das? Und dann gleich beim HSV?

Weltmeister Thomas Müller schwärmt von Krüger

Wer sich im Umfeld des FC Bayern umhört, stößt auf reichlich Wohlwollen und lobende Worte, insbesondere in Bezug auf das Organisationstalent und die Akribie, mit der die Ex-Fußballerin zu Werke geht. Nachdem sie 2009 als Assistentin des damaligen Sportdirektors Christian Nerlinger begonnen hatte, arbeitete sie sich Schritt für Schritt nach oben. Ab 2012 wurde sie Teammanagerin und soll in diesem Bereich neue Maßstäbe gesetzt haben, so berichten es Wegbegleiter. „Sie ist die, die die Mannschaft zusammenhält“, urteilte etwa Weltmeister Thomas Müller einst in der „Sport Bild“. „Egal, mit welchen Problemen – wir können zu ihr kommen.“ Ob Pep Guardiola, Hansi Flick oder zuletzt Vincent Kompany – nahezu alle Bayern-Trainer schwärmten von Krüger.

Vor knapp zwei Jahren dann folgte mit der Benennung zur Leiterin Organisation und Infrastruktur der nächste Karrieresprung.  Schon da aber soll sie für sich perspektivisch einen Job im Bereich der sportlichen Verantwortlichkeit ins Auge gefasst haben. Eine Chance, die ihr die Bayern nicht bieten wollten, die sie nun aber beim HSV erhält.

Ex-Bayern-Boss Nerlinger traut Krüger die HSV-Rolle zu

Auch Nerlinger verfolgte die Diskussionen der vergangenen Tage und hat eine klare Meinung. „Kathleen ist ein Mensch, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann“, sagte der Ex-Bayern-Boss im Gespräch mit transfermarkt.de. „Sie war immer extrem fleißig, zuverlässig und zielorientiert. Darüber hinaus wollte sie Abläufe stetig optimieren, um der Mannschaft bestmögliche Voraussetzungen zu bieten. Wir hatten eine sehr professionelle und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Und weiter: „In den letzten Jahren hat sich Kathleen weiterentwickelt und immer mehr Verantwortung übernommen. Ich traue ihr die Führung beim HSV absolut zu und wünsche ihr nur das Allerbeste.“

Kathleen Krüger und Leroy Sané gerieten beim FC Bayern einmal aneinander. imago/Action Pictures
Kathleen Krüger und Leroy Sané gehen an der Seitenlinie aneinander vorbei.
Kathleen Krüger und Leroy Sané gerieten beim FC Bayern einmal aneinander.

Wer Zweifel daran haben sollte, ob die 40-Jährige über die erforderliche Durchsetzungskraft im mitunter sehr rauen Bundesliga-Geschäft verfügt, könnte sich diesbezüglich mal bei Leroy Sané erkundigen. Der Nationalspieler und Ex-Bayern-Star kann ein Lied davon singen, was passiert, wenn es Krüger zu bunt wird. Hauchzart verpasste Sané im Februar 2023 die Abfahrt des Mannschaftsbusses zum Flughafen, von wo die Münchner zum Auswärtsspiel nach Mönchengladbach abheben wollten. Krüger war es, die das Kommando zur Abfahrt gab. Ihre Ansage, so berichten es Augenzeugen, soll recht harsch gewesen sein, getreu dem Motto: Mir reicht’s, ich habe die Faxen dicke – Abfahrt!

Beim FC Bayern führte Krüger klare Regeln ein

Auch die Familien der Bayern-Stars sollen im Laufe der Jahre mitbekommen haben, dass sich Krüger nichts gefallen lässt und im Bedarfsfall klar vernehmbare Töne anschlägt. Als sich wiederholt Spielerfreuen bei ihr meldeten, um nach Tickets für die Heimspiele zu fragen, soll Krüger irgendwann recht deutlich zu verstehen gegeben haben, dass sich die Spieler bitte gefälligst selbst bei ihr melden sollten und sie Dinge dieser Art fortan nicht mehr über Dritte regeln würde. Klartext der Marke Krüger.

In Hamburg wird die im Münchner Speckgürtel geborene und aufgewachsene neue HSV-Vorständin mit Problemen dieser Art nichts mehr zu tun haben. Neben der strategischen Entwicklung des Vereins soll sie sich vornehmlich auch der Nachwuchsarbeit widmen und diese auf wirtschaftlich gesündere Beine stellen. Ein Bereich, in dem der über HSV großes Entwicklungspotenzial verfügt.

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Bezogen auf anstehende Transfers soll die neue Vorständin zwar die Strategie vorgeben, an vorderster Front aber werden auch weiterhin Sportdirektor Claus Costa und Scouting-Leiter Sebastian Dirscherl agieren. Dass mit Krüger keine klassische Transfer-Expertin und -Macherin kommt, wie sie etwa die auch gehandelten Sebastian Kehl oder Stefan Reuter dargestellt hätten, kann als klares Zeichen dafür gewertet werden, wie sehr der HSV Costa in diesem Bereich vertraut. Auch ohne Vorstandsposten, für den der 41-Jährige zwischenzeitlich ebenfalls gehandelt wurde.

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