Neue Lage im Abstiegskampf: Polzin und die HSV-Profis reagieren deutlich
Ganz der Abwehrmann ging Luka Vuskovic schon am späten Sonntagabend in die Vorwärtsverteidigung. Der Kroate schrieb nach dem 1:2 gegen RB Leipzig auf Instagram: „Nicht das Ergebnis, das wir wollten, aber wir machen weiter.“ Eine andere Alternative bleibt dem HSV auch nicht, denn am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) kommt Bayer Leverkusen in den Volkspark. Zuletzt hätte man das Nachholspiel als eine Art Bonus-Partie für die Hamburger im Abstiegskampf betrachten können. Doch die Lage hat sich verändert.
Die positive Lesart des 24. Spieltags ist diese: Einige Konkurrenten des HSV nahmen sich gegenseitig die Punkte weg, so gewann beispielsweise der FC Augsburg gegen den 1. FC Köln (2:0), Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim (2:0) und Borussia Mönchengladbach gegen Union Berlin (1:0). Außerdem ging der neue Tabellen-Vorletzte VfL Wolfsburg mit 0:4 in Stuttgart unter. Die negative Betrachtungsweise aber ist diese: Mainz 05, das in Leverkusen ein 1:1 holte, und der FC St. Pauli, der mit 1:0 in Hoffenheim siegte, rückten genauso wie Gladbach und Werder von hinten näher heran an den HSV – der es selbst verpasste, ein gutes Resultat für das Tableau zu erzielen.
HSV-Kapitän Poulsen: „Es geht nicht um die anderen“
Die Mannschaft von Merlin Polzin ist weiterhin Elfter, muss aber aufpassen. Der Vorsprung auf Relegationsrang 16 beträgt seit dem Wochenende nur noch vier Punkte. Vorher waren es sechs, und die jüngsten Ergebnisse zeigen: Innerhalb von ein, zwei Spieltagen kann sich das Tabellenbild schlagartig ändern. Yussuf Poulsen stellte nach der HSV-Pleite gegen Leipzig jedoch umgehend klar: „Am Ende geht es nicht um die anderen – es geht um uns. Wir müssen die Punkte holen, die nötig sind, um in der Liga zu bleiben. Was die anderen machen, sollte uns egal sein.“

Daniel Heuer Fernandes beschrieb es ähnlich. „Wir bleiben ganz klar bei uns. Wir haben in den letzten Wochen ganz klar unseren Fußball gespielt, und das werden wir auch in Zukunft tun. Es bringt ja nichts, innerhalb von drei, vier Tagen in die eine oder andere Richtung zu gehen“, erklärte der Keeper. „Deswegen bleiben wir ganz klar bei uns und reden ganz klar über die Leistung. Die war heute nicht top.“ Gegen Leipzig verlor man verdient. Weil der HSV in dieser Saison aber mehrere andere Bundesliga-Topklubs im Volksparkstadion geärgert hat, ist ihm dies auch gegen Leverkusen wieder zuzutrauen – sofern er sich deutlich steigert. Dann wäre die Pleite gegen RB schnell vergessen.
Leverkusen-Spiel als HSV-Chance – danach wartet der VfL
Gewinnt der HSV am Mittwochabend, würde er auf Rang zehn springen und hätte mit insgesamt 29 Punkten wieder komfortable sieben Zähler Vorsprung auf den 16. Platz. Dann bräuchte es an den verbleibenden zehn Spieltagen womöglich nur noch zwei, drei weitere Siege, um den Klassenerhalt einzutüten. Kassiert die Polzin-Elf allerdings gegen Leverkusen die zweite Heimniederlage in Serie, so wäre der Vorteil des Bonus-Spiels dahin und der Druck würde spürbar steigen. Denn: Am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) geht es nach Wolfsburg – zum kriselnden Tabellen-17., der im Falle eines Erfolgs bis auf drei Punkte an den HSV heranrücken würde.

Vermeintlich gut für die Hamburger ist, dass die direkten Verfolger am 25. Spieltag knifflige Aufgaben vor sich haben. Gladbach (Zwölfter, 25 Punkte) gastiert am Freitag beim FC Bayern, am Samstag empfängt Köln (Platz 13, 24 Zähler) den BVB und Mainz (Rang 14, 23 Punkte) den VfB Stuttgart. Außerdem trifft St. Pauli (Platz 15, 23 Zähler) am Sonntag auf Eintracht Frankfurt – und im direkten Duell wird entweder Union (Zehnter, 28 Punkte) oder Bremen (Rang 16, 22 Punkte) Zähler lassen. Es wird klar: Das Tabellenbild kann sich erneut in alle Richtungen verändern.
Polzin lehnt Rechnerei ab: „Wollen nicht damit anfangen“
Polzin interessieren diese Spielchen erwartungsgemäß nicht. Als er am Sonntag nach dem eigenen Rückschlag auf die guten Resultate der Konkurrenten angesprochen wurde, sagte er: „Wir sind als HSV relativ fokussiert auf das Wesentliche. Das schätze ich sehr an der Mannschaft, am Staff, am Trainerteam und all denjenigen, die hier in der Geschäftsstelle arbeiten und uns aktiv unterstützen.“ Der 35-Jährige erklärte: „Wir können uns nur darauf verlassen, was wir tagtäglich besser machen müssen, um erfolgreich zu sein. Wir wollen den HSV in der Liga etablieren, aber nicht darauf schauen, was andere machen. Wir wollen nicht anfangen, zu rechnen oder zu überlegen: Wer spielt wann gegen wen? Was sollte man an Punkten holen?“ Der Blick zu weit nach vorne sei gefährlich, nicht förderlich.
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Für Polzin ist deshalb klar: „Wir wollen das nächste Fußballspiel gewinnen – weil wir Wettkämpfer sind.“ Dass die Partie gegen Leipzig vor heimischer Kulisse schiefging, „fühlt sich beschissen an“, sagte er in aller Deutlichkeit. „Deshalb geht es am Mittwoch nur darum, ein anderes Gesicht zu zeigen. Ich bin überzeugt davon, dass wir das hinbekommen.“ Es wäre auch deshalb wichtig, um danach etwas befreiter nach Wolfsburg reisen zu können.
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