Daniel Thioune und Merlin Polzin stehen auf dem Spielfeld und schauen verzweifelt

Die gemeinsame Zeit von Daniel Thioune (l.) und Merlin Polzin beim HSV liegt fünf Jahre zurück. Foto: picture alliance / GES/Marvin Ibo

„Nehme es persönlich“: Erste Thioune-Ansage an HSV-Kumpel Polzin

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Sie schätzen und beobachten sich mit maximalem Respekt, daran wird sich nichts ändern. Und im Normalfall wünschen sich Merlin Polzin und Daniel Thioune auch nur das Beste, das stellte Ersterer schon Anfang Februar klar, als Zweiterer das Traineramt an der Weser übernahm. „Ich habe Daniel extrem viel zu verdanken“, sagte Polzin damals, und es ist zu erwarten, dass der HSV-Coach einen Satz wie diesen auch diese Woche wählt. Das verbale Duell vor dem Nordderby am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) eröffnete jedoch Thioune.


Zusammenfassung:

  • Daniel Thioune betont vor dem Nordderby die freundschaftliche Beziehung zu Polzin.
  • Der Werder-Coach betont den Druck im Abstiegskampf.
  • Thioune will Revanche für die Niederlage im Hinspiel.

Es müsste viel zusammenkommen, damit der Werder-Coach auch nur ein schlechtes Wort über seinen ehemaligen Trainerpartner verliert. Das „freundschaftliche Verhältnis“ zu Polzin könne nur dann gestört werden, „wenn er mir ins Auto fährt oder sonst was“, sagte Thioune am Montag und meinte dieses Beispiel natürlich nicht ganz ernst. Den folgenden Satz betonte er aber mit Nachdruck und gänzlich unironisch: „Am Wochenende sind wir keine Freunde.“

Werder-Trainer Daniel Thioune: „Müssen einfach punkten“

Denn es geht für den HSV und Thiounes Bremer nicht nur um Prestige, sondern auch und vor allem um essenzielle drei Zähler im Abstiegskampf. „Wir müssen einfach punkten“, sagt der Werder-Trainer und weiß, „wie wichtig dieser Derbysieg für alle sein kann nach einer schwierigen Saison bisher“. Die Situation am Osterdeich hat sich am Sonntag nicht verbessert: Durch das 1:3 in Köln verpasste es der SVW, sich auf sechs Punkte vom Tabellen-16. St. Pauli (25 Zähler) zu distanzieren und mit dem HSV (31) gleichzuziehen. Das kann allerdings am Samstag nachgeholt werden.

Trainer Daniel Thioune steht mit Werder unter Druck. IMAGO/Eibner
Daniel Thioune schaut skeptisch
Trainer Daniel Thioune steht mit Werder unter Druck.

„Dieses Derby hat einen ganz anderen Charakter gewonnen“, sagt Thioune und erinnert einerseits an das Hinspiel, das der HSV im Volkspark mit 3:2 für sich entschied. Damals war der 51-Jährige noch nicht im Amt. Jetzt jedoch schon, und Thioune verweist anderseits auf die brisante Tabellenkonstellation für beide Rivalen. In der Saison 2020/21 verpasste der in Georgsmarienhütte geborene Übungsleiter den Aufstieg mit dem HSV, nun will er Werder vor dem Abstieg retten – und für dieses Ziel seinem Ex-Klub wehtun. „Ich bin meinen Farben verschrieben. Ich bin Grün-Weißer“, stellt Thioune klar und schiebt seine HSV-Vergangenheit beiseite: „Damit beschäftige ich mich nur am Rande.“ Denn: „Es geht mir darum, allen Leuten ein gutes Gefühl zu geben.“ Allen, die es mit Werder halten.

Thioune wurde 2021 beim HSV entlassen – Polzin blieb

Für Thioune zählt am Samstag „nur der Sieg“. Das Vereinsmotto „Nur der HSV“ gilt für ihn längst nicht mehr, das füllte er letztmals vor knapp fünf Jahren mit Leben. Dann, Anfang Mai 2021, wurde er kurz vor dem Saisonfinale in Hamburg entlassen. Polzin aber, den er zehn Monate zuvor vom VfL Osnabrück mit in den Volkspark gebracht hatte, durfte bleiben. Der gebürtige Hamburger wurde von Thiounes Assistent zum Co-Trainer von Tim Walter und später von Steffen Baumgart, ehe er im Dezember 2024 selbst den Chefjob übernahm und den HSV zum Aufstieg führte.

Am 6. Juli 2020 unterschrieb Merlin Polzin (l.) als Co-Trainer von Daniel Thioune beim HSV. WITTERS
Merlin Polzin und Daniel Thioune vor einer HSV-Wand
Am 6. Juli 2020 unterschrieb Merlin Polzin (l.) als Co-Trainer von Daniel Thioune beim HSV.

Auf dem Weg zur Bundesligarückkehr besiegte Polzin auch Thioune, der im März des Vorjahres noch bei Fortuna Düsseldorf an der Seitenlinie stand. 4:1 für den HSV hieß es vor 13 Monaten im Volkspark, Thioune musste einen verdienten Erfolg seines Kumpels einräumen. Jetzt kommt es zur Neuauflage des besonderen Trainerduells – und Thioune will Revanche, weniger auf privater Ebene, sondern im Sinne davon, sich mit Werder per Heimsieg ein wenig zu befreien und den HSV wieder tiefer in den Abstiegskampf hineinzuziehen. „Das Nordderby ist noch mal ein anderes Regal“, weiß er und schiebt hinterher: „Ich nehme es am Ende des Tages auch persönlich. Und auch wenn ich den Protagonisten, den Cheftrainer auf der anderen Seite, kenne: Freundschaft ade.“ Zumindest am 30. Spieltag.

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Die verbale Antwort von Polzin steht noch aus. Thioune hat am Montag und ungeachtet der Enttäuschung über die Pleite in Köln allerdings bereits die Schlagrichtung vorgegeben: „Am Wochenende sind wir keine Freunde.“ Sondern direkte Gegner am Spielfeldrand. Eine herzliche Umarmung zur Begrüßung wird es vor dem Anpfiff geben, auch nach der Partie werden sich die beiden Weggefährten wieder in die Augen schauen und mit anerkennenden Worten überhäufen können. Die Frage ist nur, wer wen am Samstag gegen 17.25 Uhr beglückwünscht. Frühestens um diese Uhrzeit werden Thioune und Polzin wieder Freunde sein. Wobei der Abstiegskampf nicht mit dem Nordderby endet.

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