„Natürlich scheiße, aber …“: Stange war der größte HSV-Lichtblick
Abgesehen von Luka Vuskovic‘ Mega-Chance tief in der Nachspielzeit war kein HSV-Profi am Mittwochabend so nah dran am Torerfolg wie Otto Stange. Und das war nicht selbstverständlich. Denn der 19-Jährige kam als Joker ins Spiel – und ab der 65. Minute zu seinem überhaupt erst zweiten Bundesliga-Einsatz. Bei seinem Comeback im HSV-Trikot war Stange aber der größte Lichtblick seiner Mannschaft an einem tristen Abend.
Stange trägt das Herz auf der Zunge, daran hat sich nichts verändert. „Natürlich ist es scheiße, zu verlieren“, sagte der Leih-Rückkehrer nach dem 0:1 gegen Leverkusen. „Das bringt keinen Spaß.“ Stange sieht aber das Positive – im Leben und auf dem Fußballplatz. Und am Mittwoch zählte er definitiv zu den Hamburger Positiv-Erscheinungen. Das Gegentor durch Bayer-Stürmer Christian Kofane fiel zwar acht Minuten nach seiner Einwechslung (73.), nur rund 180 Sekunden später aber setzte Stange auf der linken Offensivseite zum Solo an und flankte scharf in die Mitte.
„Es ist schon geil“: Otto Stange überzeugt als HSV-Joker
Leverkusens Stratege Aleix García grätschte den Ball mit Mühe ins eigene Toraus. Wohl auch an den Spanier dürfte Stange gedacht haben, als er später in der Mixed Zone sagte: „Es ist schon geil, gegen solche Spieler zu spielen, Nationalspieler und so. Ich meine, da will man hin. Und ich glaube, das gibt dann immer noch einen Ansporn, sich gegen diese Leute zu zeigen. Ich glaube, dafür arbeite ich – um da mitzuhalten und zu zeigen, dass ich auch da Akzente setzen kann.“ Das tat er gegen die Werkself noch ein zweites Mal: In der Nachspielzeit entwischte Stange drei Gegenspielern, scheiterte mit seinem Außenrist-Schuss jedoch an Ex-DFB-Torhüter Janis Blaswich (90.+1).

Was Merlin Polzin ihm bei seiner Einwechslung mit auf den Weg gegeben habe, wusste Stange nach dem Abpfiff nicht mehr genau. Wohl auch wegen der besonderen Emotionen, die sein HSV-Comeback in seiner Heimatstadt auslöste – und im ausverkauften Volkspark, wo er im Dezember 2024 seinen ersten Profitreffer erzielt hatte. Nun lief er erstmals seit dem Stadtderby im August (0:2) wieder im HSV-Stadion auf und wurde von den Fans laut gefeiert: „Merlin meinte, ich soll einfach Spaß haben und defensiv mein Ding machen. Offensiv habe ich meine Freiheiten.“
HSV-Trainer Polzin lobt: „Er hat diese Unbekümmertheit“
Stange kann mit seiner Unbekümmert punkten. Das war vor seiner Hinrunden-Leihe zur SV Elversberg so. Und das ist auch jetzt noch so. Die Konkurrenzsituation im Volkspark ist aber besonders hart: Neben ihm stehen in Robert Glatzel, Yussuf Poulsen, Damion Downs, Ransford Königsdörffer und Rayan Philippe fünf weitere Profis im Kader, die in der zentralen Spitze auflaufen können. Wie er sich gegen das Quintett durchsetzen will? „Mehr machen, diese Chancen nutzen einfach, Tore schießen, Vorlagen geben“, antwortete Stange pragmatisch. „Ich möchte gute Spiele machen und Merlin die Entscheidung nicht so leicht machen.“ Sein Auftritt am Mittwochabend war ein guter Anfang.

Der gebürtige Hamburger drückte es in den Katakomben so aus: „Es hat Spaß gemacht. Es hat mich gefreut, wieder hier zu sein. Es macht Bock auf mehr, ich will weitermachen. Dafür gebe ich alles. Und nächstes Mal gewinnen wir hoffentlich.“ Es würde überraschen, wenn Stange am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) in Wolfsburg nicht erneut zum HSV-Aufgebot zählen würde. Die angeschlagenen Poulsen und Philip Otele sollen laut Polzin dann zwar wieder zur Verfügung stehen – was für ein besonderes Element Stange dem HSV-Spiel gibt, konnte der Trainer gegen Bayer aber noch mal beobachten. „Otto hat heute für drei, vier Aktionen gesorgt, in denen irgendwie immer etwas entstehen kann“, staunte Polzin. „Was ich wahrnehme, ist, dass er immer noch diese Unbekümmertheit hat.“
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Der Coach zeigte sich erfreut über die gelungene Joker-Leistung: „Otto hat heute wieder gezeigt, dass er mithalten kann in der Liga – und alles weitere erarbeiten wir uns dann. Er ist ein ganz junger Kerl, den wir weiterhin eng begleiten wollen und auch müssen, damit er die nächsten Schritte geht.“ Der Schritt gegen Bayer 04 war einer in die richtige Richtung. HSV-Lichtblick Stange ist allerdings längst noch nicht satt und sagt: „Das ist meine Stadt, hier fühle ich mich wohl – und natürlich ist mir klar, dass mir hier nichts geschenkt wird, dass ich weitermachen muss.“
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