Nach starker Transfer-Bilanz: Braucht der HSV im Winter zwei Neue?

Nicolás Capaldo, Albert Sambi Lokonga, Alexander Røssing-Lelesiit und Luka Vuskovic bejubeln ein HSV-Tor
Albert Sambi Lokonga (l.) und Luka Vuskovic verstärken den HSV – wie sie zuletzt ​​​​​​​im Nordderby eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Zweimal müssen die HSV-Profis in diesem Jahr noch ran. Die Partien in Hoffenheim (Samstag) und gegen Frankfurt (20. Dezember) sollen den Eindruck abrunden, dass der Aufsteiger gute Karten hat, sich am Ende dieser Spielzeit den Klassenerhalt zu sichern. Wo aber können die Bosse im Winter den Hebel ansetzen, um diese Wahrscheinlichkeit weiter zu erhöhen? Mit Spannung blicken die Fans dem Transfer-Winter entgegen. Muss der HSV auf gleich zwei Positionen nachlegen?

Nach den jüngsten Heimsiegen gegen den VfB Stuttgart (2:1) und Werder Bremen (3:2) herrscht im Volkspark eitel Sonnenschein, dem Schietwetter zum Trotz. 15 Zähler aus 13 Partien bilden vor dem Jahres-Endspurt eine Ausbeute, die als Grundstein für den Bundesliga-Verbleib taugt. Eine Zuversicht, die nicht zuletzt darin begründet liegt, dass viele Zugänge des Sommers einschlugen und es dem HSV ermöglichen, zügig in der neuen Spielklasse Fuß zu fassen.

Elf HSV-Zugänge konnten überwiegend überzeugen

Insbesondere nach dem heiß umkämpften Sieg im Nordderby stieg die Zufriedenheit bei der sportlichen Führung um Sportvorstand Stefan Kuntz und Sportchef Claus Costa nochmals an. Gegen Bremen erzielten mit Albert Sambi Lokonga, Luka Vuskovic und Yussuf Poulsen ausnahmslos Zugänge die Treffer. Zuvor gegen Stuttgart hatte mit Fábio Vieira ebenfalls ein Neuer das Siegtor erzielt. Ein Beleg dafür, dass Hamburgs Bosse im Sommer ein besonderes Händchen hatten.

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„Man kann feststellen, dass sehr gut und vor allem sehr passend in Bezug auf Kader-Baustellen gearbeitet wurde“, sagt auch Jan Schultz. Der 28 Jahre alte Mitbegründer des Blogs „Rautenball“ hat sich einen Namen als Taktik- und Transferexperte gemacht und beschäftigt sich täglich mit Stärken und Unzulänglichkeiten des HSV-Kaders. Sein Fazit: „Früher hatte man oft das Gefühl, dass Spieler zum HSV kamen, die herausragend spielen können, dies aber auf fast schon tragische Weise in Hamburg nicht zeigten. Nun hat man den Eindruck, dass gute Spieler verpflichtet wurden, die genau zu dem passen, was man auf dem Feld vorhatte.“

Tatsächlich ist die Transferbilanz der HSV-Bosse nach mehr als einem Drittel dieser Saison als stark zu bezeichnen. Elf Neue kamen im Sommer, zumindest sieben von ihnen machten den HSV besser. Abwehrchef Vuskovic und die zentralen Mittelfeldkräfte Sambi Lokonga und Nicolai Remberg schlugen herausragend ein. Spielmacher Vieira könnte bei etwas mehr Konstanz ebenfalls in diese Kategorie aufsteigen, eine Verstärkung ist der Portugiese trotz zweier Platzverweise allemal. Auch die Defensivkräfte Giorgi Gocholeishvili, Nicolás Capaldo und Warmed Omari heben das Niveau des HSV an. Der Nationalspieler der Komoren ist aktuell zwar verletzt, soll im Laufe des Januar aber zurückkehren.

HSV-Kapitän Poulsen bleibt als Neuzugang umstritten

Und ansonsten? Offensivmann Rayan Philippe (drei Saisontore) fiel zuletzt in ein Leistungsloch, wusste zuvor aber zu gefallen. Abwehrmann Jordan Torunarigha findet sich nach holprigem Saisonstart immer besser zurecht und überzeugte zuletzt mehrfach. Ersatzkeeper Daniel Peretz ist ein gleichwertiger Ersatz für Daniel Heuer Fernandes. Dazu setzte Poulsen mit seinem Siegtor gegen Werder ein erstes Highlight.

Dennoch scheiden sich an der Verpflichtung des Dänen weiterhin die Geister. Der 31-Jährige wurde als Führungsspieler aus Leipzig verpflichtet und zum neuen Kapitän ernannt. Doch auch in Hamburg leidet Poulsen unter Verletzungspech, fehlte in fünf Partien und kommt nur auf 190 Einsatzminuten. „Er hatte jetzt gegen Werder diesen einen Moment, in dem man sieht, wozu er imstande ist“, sagt Schultz. „Aber für mich wird die Beurteilung dieses Transfers komplett davon abhängen, wie oft er vor allem in der Rückrunde zur Verfügung steht. Sollte es sich wie in der Hinrunde fortsetzen, müsste man leider sagen, dass sich der HSV bei Poulsen komplett verkalkuliert hat.“

Poulsen zu oft verletzt, Ransford Königsdörffer (ein Saisontor) häufig zu harmlos, Robert Glatzel (derzeit ebenfalls verletzt) sehr lange kaum ein Thema – auch deshalb steht die Suche nach einem Angreifer weit oben auf der Agenda von Kuntz, Costa und Scouting-Leiter Sebastian Dirscherl. „Sollte es dem HSV gelingen, dort passend nachzulegen, könnte er sich vom Abstiegskandidaten zu einem Team für das gesicherte Mittelfeld mausern“, sagt Schultz, der weiß, welcher Stürmertyp dem HSV gut zu Gesicht stehen würde: „Im Idealfall sollte es ein Angreifer sein, der physisch einiges mitbringt und dazu lauf- und sprintstark ist.“

Awoniyi und Durosinmi würden ins HSV-Profil passen

Als Spieler, die dieses Gesamtpaket mitbringen würden, nennt der Taktik-Experte die Nigerianer Taiwo Awoniyi (28/früher Union Berlin, derzeit Reservist bei Nottingham Forest) und Rafiu Durosinmi (22), der für Europa-League-Starter Viktoria Pilsen in bislang 28 Saisonspielen zwölfmal traf. Schultz weiß aber: „Ob solche Spieler zu diesem Zeitpunkt überhaupt zu bekommen wären, ist natürlich nicht klar.“

Der Taktik-Experte sieht allerdings noch auf einer weiteren Position Bedarf. „Der HSV könnte ein Problem bekommen, sollte Miro Muheim mal länger ausfallen“, stellt er fest. „Zuletzt kam dort als Alternative etwas überraschend Aboubaka Soumahoro zum Einsatz. Ich denke aber, dass es im Optimalfall nicht schaden würde, einen wirklichen Konkurrenten und eine Ergänzung zu Muheim im Kader zu haben.“

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Offen ist, wie die Entscheidungsträger darüber denken. Kuntz, Costa und Dirscherl halten die Augen weit offen, um gegebenenfalls im Januar zuzuschlagen. Im besten Fall knüpft das Trio an seinen starken Transfer-Sommer an – um dann in wenigen Monaten die zweite Erstliga-Spielzeit in Folge planen zu können.