Nach seinem Doppelpack: HSV-Profi Königsdörffer entschuldigt sich bei Baumgart
Wenn sie so weitermachen, könnten die Profis des HSV rund um Ostern herum vielleicht schon auf den Klassenerhalt anstoßen. Durch das 3:2 (2:1) gegen Union Berlin schob sich der Aufsteiger auf Rang neun der Tabelle und setzte einen weiteren ganz wichtigen Schritt in Richtung Bundesliga-Verbleib. Der am meisten besungene Held war diesmal Ransford Königsdörffer, der seinen ersten Doppelpack im Oberhaus erzielte – und sich anschließend bei seinem Ex-Trainer Steffen Baumgart entschuldigte.
Einen Tag wie diesen hatte er schon lange nicht mehr erlebt. Als Königsdörffer nach 87 Minuten den Rasen verließ und für William Mikelbrencis Platz machte, erhoben sich die meisten der 57.000 Fans im ausverkauften Volkspark von ihren Sitzen und spendeten dem Doppel-Torschützen Applaus. Stehende Ovationen für den Angreifer, der mit seinen Treffern aus der 35. und 82. Minute die Weichen auf Sieg gestellt hatte. Nach seinem Führungstor in der vergangenen Woche in Heidenheim war es bereits der zweite Sahnetag des lange Zeit so glücklosen Königsdörffer.
HSV-Machtwinner Königsdörffer wollte in der Mixed Zone nicht über seine Glanztaten sprechen
Nur reden wollte er nicht so gern über das, was gerade geschehen war, zumindest nicht mit allen. Weil er sich nach dem Heidenheim-Spiel über die Berichterstattung einzelner Medien geärgert hatte, verließ Königsdörffer die Mixed Zone ohne Statements zum Spiel und zu seiner Leistung. Am Sky-Mikrofon aber stellte er fest: „Ich bin sehr froh darüber, kann so weitergehen.“ Dass er ausgerechnet seinen Ex-Trainer Baumgart mit einer Pleite nach Hause schickte, quittierte er mit einem zufriedenen Lächeln, bekannte aber: „Ich mag ihn sehr, vielleicht performe ich immer, wenn er an der Seitenlinie ist. Es tut mir natürlich für ihn leid, aber für uns ist es umso besser.“

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:
- Tod im Morgengrauen: Lkw überrollt Radfahrer († 63)
- Was alles teurer wird: Das kostet uns der Iran-Krieg
- Kind stirbt nach OP: Prozess gegen drei Hamburger Ärzte
- Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag
- 16 Seiten Sport: Experte warnt den HSV & St. Pauli plant zweigleisig
- 28 Seiten Plan 7: „Die kleine Meerjungfrau“ am Thalia, das Familienmusical „Anouk“ & Open-Air-Konzerte
Auch seine Kollegen ließen ihn hochleben. „Wir freuen uns sehr für ihn, denn wir wissen, welche Qualitäten er hat“, schwärmte Nicolás Capaldo, der mit seinem ersten Bundesligator zum 2:1 (45.+2) selbst zu einem der Väter des Sieges wurde. Auch Königsdörffers Sturmpartner Robert Glatzel lobte: „Insgesamt hat sich Ransi natürlich total entwickelt, wenn ich gucke, wie die Anfänge waren und wie er jetzt spielt. Heute ist er Matchwinner in der Bundesliga.“
Der HSV ist seit fünf Spielen ungechlagen
Königsdörffer überragte beim unterm Strich verdienten Erfolg für den HSV, der nun seit fünf Bundesligaspielen ungeschlagen ist. Nach den Unentschieden gegen Gladbach (0:0), bei St. Pauli (0:0) und gegen die Bayern (2:2) folgte der Dreier-Doppelpack in Heidenheim und gegen Union. Die Hamburger nehmen ganz klar Kurs in Richtung Klassenerhalt.
Das könnte Sie auch interessieren: Das Spiel im Liveticker zum Nachlesen
Und das, obwohl der Schuss gegen Union zunächst nach hinten los ging. Capaldos Einsteigen gegen Ilic sorgte für einen umstrittenen Elfmeterpfiff, Querfeld nutzte die Chance und verlud HSV-Keeper Heuer Fernandes – 0:1 (28.).
Königsdörffer traf zum Ausgleich für den HSV gegen Union
Doch es muss schon einiges passieren, damit der HSV in diesen Wochen geschockt reagiert, noch dazu im Volkspark. Die schönste Kombination des Spiels über Vieira und Glatzel schloss Königsdörffer per Flachschuss mit dem Ausgleich ab (35.).
Union vergab die riesige Gelegenheit zur 2:1-Führung
Und dann hatten sie auch noch das Glück des Tüchtigen, als Heuer Fernandes weit vor seinem Gehäuse per Kopf klären wollte, das Leder verfehlte, Unions Ilic aber (von Torunarigha wichtig und hart bedrängt) das verwaiste HSV-Tor verfehlte. Im Gegenzug traf dann Capaldo. 2:1 statt 1:2, das binnen Sekunden. Vielleicht die letztlich entscheidenden Szenen des Spiels.

„Da war das Momentum auf unserer Seite, das haben wir uns erarbeitet“, so HSV-Mittelfeldmann Remberg zu der zuvor vergebenen Gäste-Chance. „Wenn Union hier führt, ist das nicht so einfach.“ Auch Trainer Merlin Polzin wusste: „Das war eine kuriose Szene, die uns extrem geholfen hat. Wir können eigentlich in Rückstand geraten, gehen dann aber in Führung.“ Unions Trainer Steffen Baumgart konstatierte: „Da müssen wir 2:1 führen. Klarer wird eine Chance nicht mehr.“

Dennoch: Die Berliner kamen dem Ausgleich nach dem Wechsel mehrfach nahe, durch Skarke (64.), Ilic (68.) und insbesondere Köhns Freistoß, der an die Latte klatschte (71.). Dann aber vernaschte Königsdörffer Querfeld und traf aus kompliziertem Winkel zum 3:1 (82.). Ilic verkürzte noch für Union (89.).
Auch HSV-Trainer Polzin freut sich mit Königsdörffer
Der HSV jubelt und feiert Königsdörffer. Auch Polzin, der nach den zunächst so schwierigen Saison-Monaten seines Stürmers anmerkte: „Man darf bei der ganzen Geschichte nicht vergessen, dass es ein deutlicher Unterschied zwischen der zweiten und der ersten Liga ist, was die Qualität auch der anderen Mannschaft und der Abwehrspieler angeht. Aber ich habe immer wieder betont, dass Ransi mit der Art und Weise, wie er sie interpretiert, für uns extrem wertvoll war und seine Leistung dann von uns im Trainerteam nicht danach bewertet wurde, ob er Tore macht oder nicht.“ Und weiter: „Natürlich hat er diesen Drang nach Toren. Es freut mich umso mehr, dass er sich jetzt für eine gute und harte Arbeit belohnt. Für mich ist es aber ein Ergebnis dieses Prozesses und weniger so, dass es mich völlig überrascht.“
Das könnte Sie auch interessieren: Zwei Einsen! MOPO vergibt starke Noten für den HSV gegen Union
Vier Treffer hat Königsdörffer nun auf seinem Konto. Doch trotz des neunten Tabellenplatzes und eines komfortablen Sechs-Punkte-Polsters auf den Relegationsplatz stellte er fest: „Wir wollen einfach die Klasse halten, das ist unser Fokus – mehr erst mal nicht. Wir gucken auf jeden Fall nach unten.“ Worte des Demuts, die auch Polzin gefallen dürften.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.