„Nach jedem Spiel wütend“: HSV-Keeper Tangvik glänzt und spricht über Bank-Frust
Mit ihm hatte in Leverkusen wohl niemand gerechnet, nur Sander Tangvik selbst war schon seit gefühlten Ewigkeiten klar, dass ihm zum Saisonabschluss Großes bevorstehen würde. „Ich wusste es seit einer Woche“, klärte der HSV-Keeper nach seinem Bundesligadebüt auf und lächelte. Zurecht, denn an diesen Tag wird er sich noch lange zurückerinnern. Beim 1:1 (0:0) erwischte er einen bärenstarken Tag und wurde auf Anhieb zum Elfmeter-Killer. Nun hofft der Norweger, doch noch für die WM im Sommer nominiert zu werden.
Die Freude über sein Debüt stand Tangvik ins Gesicht geschrieben. Mehrfach hatte er stark pariert, insbesondere nach 25 Minuten, als er Patrick Schicks Strafstoß aus dem von ihm aus gesehen linken Eck fischte. Ein Nachweis der Klasse des 23-Jährigen, der im Winter als Hoffnung auf die Zukunft aus Trondheim nach Hamburg gewechselt war.
HSV-Torwart Tangvik feierte seinen Bundesliga-Einstand
„Ich bin einfach nur glücklich“, ließ Tangvik nach seinem Einstand wissen. „Das Debüt in der Bundesliga feiern zu dürfen, ist nichts, was alle Tage vorkommt. Ich denke, ich habe gezeigt, dass ich auf hohem Niveau halten kann.“
Dem parierten Strafstoß ging im Übrigen eine kleine Sonderschicht vor der Partie voraus „Ich habe mir vor dem Spiel im Hotelzimmer angeschaut, wie er Elfmeter schießt“, sagte Tangvik über Schick. „Dann habe ich in dem Moment des Schusses entschieden, wohin ich abtauche. Elfmeter zu halten, ist immer schön.“
HSV-Trainer Polzin ist sehr zufrieden mit Tangvik
Klar, dass sich auch Merlin Polzin für seinen jungen Torwart freute, der als Herausforderer von Daniel Heuer Fernandes verpflichtet wurde. „Wir haben uns ganz bewusst und voller Überzeugung dazu entschieden, in ihn zu investieren, weil wir gesehen haben, welche Qualitäten er mitbringt“, so der Trainer. „Er hat von Tag eins an im Training gezeigt, dass sich dieses Investment gelohnt hat. Er macht Ferro und die Mannschaft besser. Deshalb war es für mich nur eine Frage der Zeit, wann es über unser Trainingszentrum hinaus auch Fußball-Deutschland registrieren kann.“
Für Tangvik ein guter Bundesligastart, mit dem er dem HSV auch ein wenig Druck aus den Gesprächen mit Heuer Fernandes nimmt. Zwar verlängerte sich der Vertrag der Nummer eins aufgrund des Klassenerhalts um ein weiteres Jahr, beide Seiten aber sprechen weiterhin über eine Ausweitung des Kontraktes – bislang mit offenem Ausgang.
Tangvik fordert beim HSV Heuer Fernandes heraus
Dass Tangvik bereit ist, anzugreifen, unterstrichen seine Aussagen nach der Partie in Leverkusen. Leicht sei es nicht, immer auf der Bank zu sitzen, stellte er klar: „Um ehrlich zu sein: Es ist sehr hart. Gerade wenn man es gewohnt war, Woche für Woche zu spielen, ist es schwer, jetzt nicht zu spielen. Jeder möchte Fußball spielen, und ich werde nach jedem Spiel, das ich nicht spiele, wütend.“ Er weiß aber auch: „Es ruiniert die Beziehungen und den Teamgeist, wenn ich herumgehe und wütend bin, weil ich nicht spiele. Deshalb versuche ich, jeden Tag so hart wie möglich zu arbeiten, mir und anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und ein guter Teamkollege zu sein. Ich denke, ich habe die Rolle ziemlich gut gemeistert.“
Nun hofft er, es auf den letzten Drücker doch noch als dritter Keeper des norwegischen Kaders zur WM zu schaffen. „Für die letzten Länderspiele im Frühjahr wurde ich nicht nominiert“, weiß er. „Aber ich hoffe wirklich, dass ich in ein paar Tagen zur WM fahren kann. Ich denke, dieses Spiel hat bewiesen, dass ich mit hohem Niveau klarkomme. Die WM ist der Traum eines jeden Fußballers.“
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Auch Polzin drückt Tangvik die Daumen: „Ich glaube, dieses Spiel war noch mal ein riesiges Ausrufezeichen für das, was im Sommer ansteht. Er hat eine super Leistung gezeigt und ist definitiv bereit, vielleicht ein bisschen weniger Urlaub zu machen …“