Nach HSV-Wut in Freiburg: Schiedsrichter Gerach könnten Konsequenzen drohen
Es war diese eine Szene, die im Nachgang der Partie noch für heftige Diskussionen sorgte. Auch bei den etwa 3000 Hamburger Fans, die sich am Samstagabend auf den Heimweg aus Freiburg machten, dürften die Ereignisse rund um den Treffer zum 1:2 das Hauptthema der langen Rückreise gewesen sein. Und nachdem Schiedsrichter Timo Gerach die HSV-Familie auf die Palme brachte, bekommt er auch Gegenwind aus den eigenen Reihen. Durchaus möglich, dass dem Referee nun schwerwiegende Konsequenzen drohen.
Auch am Sonntag war der Ärger über das Geschehene noch immer nicht verraucht. Gerach hatte den Ellenbogenschlag des Freiburgs Johan Manzambi im Luftzweikampf mit HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha nicht geahndet, Sekunden später traf Igor Matanovic zum entscheidenden 2:1 (83.). Da kochte der gesamte HSV, allen voran Merlin Polzin. „Das ist absolut unerklärlich“, erklärte der Trainer und legte später nach.
HSV-Trainer Polzin übt harte Kritik an Schiri Gerach
Polzin, das wurde im Rahmen der Pressekonferenz nach der Partie deutlich, hätte sich vor allem im Nachgang einen anderen Umgang mit der Szene gewünscht. Denn Gerach verteidigte seine Entscheidung auch nach Ansicht der TV-Bilder: „Es gibt irgendwo einen Kontakt, aber das ist für mich alles fußballtypisch.“ Eine Darstellung, die wiederum Polzin auf den Plan rief. Der Trainer klagte: „Was ich meinen Spielern immer sage: Es geht nicht um den Fehler. Fußball ist ein Fehlersport und es gehören auch Fehler im Leben dazu. Aber es gehört auch dazu, das Ganze zu akzeptieren, das fehlt mir an der Stelle. Wir können uns alles schönreden und noch mal eine Erklärung finden. Aber es wäre auch nicht schlimm, wenn man sagt: Das ist eine Fehlentscheidung.“

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Unterstützung erhielt der HSV am Abend aus berufenem Munde. Im ZDF-Sportstudio diskutierten Deutschlands Schiri-Boss Knut Kircher und Thorsten Kinhöfer, im TV als Schiedsrichter-Experte unterwegs, auch über die entscheidende Szene des Freiburg-Spiels. „Für mich ist das auch eine grenzwertige Situation und ich kann die Emotionen verstehen“, erklärte Kircher, „zumal man ein paar Spieltage zurückgehen muss, auch gerade mit HSV-Beteiligung, wo eine Szene mal dabei war, in der so eine Geschichte auch gegen den HSV ausgelegt und dann gepfiffen wurde.“ Anfang November war das, in Köln, als eine ähnliche Attacke von Hamburgs Angreifer Rayan Philippe geahndet wurde und der anschließende Treffer Fábio Vieiras nicht zählte. Auch deshalb stellt Kircher fest: „Das ist ja mitunter auch ein Thema, unabhängig vom VAR, das Thema Einheitlichkeit der Umsetzung der Regeln.“ Anders als Kircher, der Gerachs Entscheidung zumindest leicht in Schutz nahm, wurde Kinhöfer – wie Kircher Ex-Bundesliga-Referee – deutlicher: „Ich hätte mir gewünscht, dass da ein Foul gepfiffen wird, weil der Arm im Gesicht war.“
Auch Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Gräfe stellt sich auf die Seite des HSV
Eine Diskussion, die einer der bekanntesten deutschen Referees der vergangenen Jahrzehnte nur zu gern aufnahm. Manuel Gräfe gab sich gewohnt meinungsstark und knöpfte sich via Social-Media-Plattform X zunächst Gerach vor: „Kein Foul inakzeptabel und hinterher noch schön zu reden noch schlimmer“, so der 52-Jährige. „Klar irregulär, auch so, dass der VAR es korrigieren muss. Nachvollziehbar HSV not happy …“ Dann bekam auch Kircher sein Fett weg. „Bundesliga-Schiedsrichter-Chef Kircher eigentlich mit einem guten Auftritt im ZDF-Sportstudio“, so Gräfe. „Aber die Szene (…) als grenzwertig zu bezeichnen …da tat er sich keinen Gefallen.“
Für Gerach könnte aber sein in Freiburg heiß diskutierter Auftritt Folgen haben. Von Beginn an machte er keinen souveränen Eindruck, warf schnell mit Gelben Karten um sich und verlor zügig die Linie. Dazu kommt: Bereits Anfang November wurde er zur Zielscheibe heftiger Kritik, nachdem er bei der Zweitliga-Partie der SV Elversberg gegen Hannover einen sehr zweifelhaften Strafstoß für die Gastgeber verhängte. Auch Kircher zählte damals zu den Kritikern. Gerach wurde anschließend sieben Wochen lang für keine weitere Partie im Profibereich eingeteilt und feierte erst kurz vor Weihnachten sein Comeback. Beim DFB wurde ohnehin ein strengerer Blick auf die Leistungen der Schiedsrichter angekündigt. Durchaus möglich, dass dies für Gerach im kommenden Sommer Konsequenzen haben könnte, wenn die Referees für die unterschiedlichen Spielklassen eingeteilt werden.
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Dem HSV würde all das im Rückblick nichts mehr nützen. Der Blick geht nach vorn, in Richtung Dienstag, wenn Bayer Leverkusen im Volkspark gastiert (20.30 Uhr/Liveticker auf MOPO.de). Die Hoffnung der Fans: Nach Abpfiff soll auf dem Weg vorwiegend über einen oder drei gewonnene Punkte diskutiert werden – nicht über den Schiedsrichter.
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